Bärtschi-Post

Die Briefträgerin & der Frühling

Katrin Bärtschi

Katrin Bärtschi ist Briefträgerin in Bern und Gewerkschafterin.

Es ist Frühling, wenn auch ein kalter Wind weht und kein Regen fällt. Noch letztes Jahr hatte die Briefträgerin aus verschiedenen Gründen für dieses Jahr lange Frühlingsferien eingegeben. Diese begannen gleichzeitig mit der bundesrätlichen Ausrufung des «ausserordentlichen Zustandes», und sie dauern an. Die Briefträgerin hat seit Ferienbeginn mehrere Schreiben und E-Mails von Post, Teamchef und Gewerkschaft erhalten. Eine Bestä­tigung, dass sie bei PostMail arbeitet, die auf allen Arbeits­wegen mitzuführen sei. Und Tipps und Anweisungen. Trotzdem: Nach ihren Ferien Mitte April wird die Briefträgerin, als sei sie Neueinsteigerin, eine Einführung in all die geänderten Abläufe und Verhaltensvorschriften brauchen. Wie sie ja auch das Einkaufen neu lernen muss. Am schwierigsten gestalteten sich bisher die Einzahlungen am Postschalter. Obwohl hinter Glas, wichen Schalterangestellte zwei­mal abwehrend zurück, weil die unbeholfene Briefträgerin anscheinend einen vorgeschriebenen Abstand nicht einhielt.

«Es gibt weniger ­Geschäftspost, aber wir vertragen viel mehr persönliche Sendungen als sonst.»

Neulich unterhielt sich die Briefträgerin mit einer Kollegin auf der Strasse. «Und, nehmen die China-Päckli wieder zu?» «Ja», antwortete die Kollegin. «Und die von der Päcklipost ­haben wegen Online-Einkäufen sogar enorm viel zu tun. Ansonsten gibt es weniger Geschäftspost, aber wir vertragen viel mehr persönliche Sendungen als üblich. Grossbriefe von den Schulen zu den Kindern und umgekehrt. Und die Karten der Kleinen an die Lehrerinnen. Hennehärzig!»

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