Gigantische Geldspritzen:

Die Krise hinter der Krise

Oliver Fahrni

Fast 5000 Milliarden Dollar ­pumpen die Regierungen weltweit in die Wirtschaft. Und kaschieren damit, dass die jetzige Finanzkrise bereits 2007 begann.

MIT VOLLER WUCHT: Trotz Finanzspritzen crashen die Börsen. (Foto: Keystone)

Man darf staunen. Bis vor zwei Wochen galt fast weltweit: Da ist kein Geld für nichts. Nichts für die Altersvorsorge, nichts für den Service public, nichts für öffentliche Investitionen. Überall regierte die eiserne Doktrin: sparen. Egal, wie viele Menschen das ins Elend stürzt.

Doch nun haben Deutschland, Frankreich und Grossbritannien auf einen Schlag 1,2 Billionen Euro (rund 1350 Milliarden Franken) für den Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen des Corona-Virus lockergemacht. Kein Wort mehr von der heiligen EU-Defizitgrenze von 3 Prozent. US-Präsident Donald Trump will 2000 Milliarden Dollar (1,9 Billionen Franken) drauflegen. Weltweit summieren sich die Rettungspakete bereits auf rund 5000 Milliarden Franken. Vorläufig.

Die Corona-Konjunkturpakete sind in Wirklichkeit eine enorme Bankenrettung.

Und da ist das irre Geld der National- und Zentralbanken noch nicht einmal eingerechnet. Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft den Banken und Konzernen gerade für 750 Milliarden Euro Wert- und Wertlos-Papiere ab. Die US-Zentralbank sagt: «Wir kaufen alles!» Alles, ausser Aktien. Die Japanische Zentralbank tut auch dies bereits. Unterm Strich könnten es weltweit leicht 10 Billionen Dollar werden. Dies, nachdem die Zentralbanken die Wirtschaft seit mehr als einem Jahrzehnt mit Billigstgeld fluten.

Dennoch crashen die Börsen, «schlimmer als in der Weltwirtschaftskrise von 1929», wie die Bank of America jetzt feststellte. Die «Trump-Blase» ist geplatzt. Was geschieht da?

Sicher, Corona hat die Weltwirtschaft scharf ausgebremst. Die Folgen werden sich zeigen, wenn überall KMU pleitegehen und Millionen Menschen arbeitslos werden. Dar­um wollen Europas Regierungen die Wirtschaft in drei bis vier Wochen wieder hochfahren, auch wenn der Virus noch nicht besiegt sein sollte.

PROBLEM

Von Corona kaschiert, bricht heute mit voller Wucht eine andere Krise durch, die viel älter ist, die dritte Stufe der grossen Krise, die am 9. August 2007 begann. Zuerst war es eine Finanzkrise. Dann eine Verschuldungskrise der Staaten, welche die Banken gerettet hatten. Jetzt summiert sich das zu einer Totalpleite eines neoliberalen Wirtschaftssystems, das um die Finanzmärkte gebaut ist. Das Volumen spekulativer Finanzpapiere erreicht 2020 das 8,5fache der gesamten Wirtschaftsleistung der Welt. Darum riechen diese Corona-Konjunktur­pakete wie eine enorme Bankenrettung. Sie sind es auch.

Heute wird also die Welt nach Covid-19 ausgehandelt. Geht es neoliberal weiter, drohen Zwang und Massenelend. Widerstehen die Gesellschaften, könnten die gigantischen Hilfspakete der öffentlichen Hand der Anlass sein, eine nachhaltigere Wirtschaftsordnung zu bauen.

1 Kommentar

  1. Peter Bitterli

    „Darum riechen diese Corona-Konjunktur­pakete wie eine enorme Bankenrettung. Sie sind es auch.“
    Poolposition im Rennen um den dümmsten Satz zur aktuellen Situation. Von einem vielfach preisgekrönten Autor.

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