1x1 der Wirtschaft

Corona-Krise: Sinkt jetzt die Lebenserwartung?

Hans Baumann

Hans Baumann ist Ökonom und Publizist.

Die durchschnittliche Lebenserwartung stieg in den meisten Ländern in den letzten 40 Jahren deutlich an, in der Schweiz bei den Männern um fast zehn Jahre auf 81,7 Jahre, bei den Frauen um gut sechs Jahre auf 83,6 Jahre. In der Regel gibt es einen ­engen Zusammenhang zwischen dem Pro-Kopf-Einkommen eines Landes und der Lebenserwartung. Wenn das Pro-Kopf-Einkommen steigt, steigt auch die Lebenserwartung. Mit der ­Zunahme des Volkseinkommens nimmt meist die Armut ab und die Gesundheitsversorgung wird verbessert. Dass ist oft so, aber nicht ­immer.

(Quelle: Bundesamt für Statistik, National Center for Health Statistics, USA)

DROGENTOTE. Dies zeigt der Vergleich der Schweiz mit den USA. In beiden Ländern ist das Pro-Kopf-Einkommen in den letzten Jahren gestiegen, in den USA sogar stärker als in der Schweiz. In den USA ist aber die Lebenserwartung von Frauen und Männern in den letzten Jahren gesunken. Als Hauptgrund für die zunehmende Sterblichkeit in den USA wurde der Missbrauch von opiathaltigen Schmerzmitteln ausgemacht, der in den 2000er Jahren stark zugenommen und heute gegen 70’000 Drogentote pro Jahr zur Folge hat.

SOLIDARISCHE LÖSUNGEN. Hinzu kommen andere Faktoren wie der ungesunde Lebensstil mit Übergewicht, ­Diabetes, etc. Er ist vor allem bei der ärmeren Bevölkerung verbreitet, die nicht vom wirtschaftlichen Aufschwung profitieren konnte. Dies sind die Gründe, warum die Lebens­erwartung in den USA generell tiefer ist als in der Schweiz. Mit der ­Corona-Krise könnte jetzt auch die ­Lebenserwartung bei uns sinken. Es hängt nun wesentlich davon ab, wie schnell der Anstieg der Infektionen eingeschränkt wird, wann die Fallzahlen wieder abnehmen und ob wir im nächsten Winter erneut vor der gleichen Situation stehen. Sicher ist zudem ein Rückkoppelungseffekt: Die jetzige Einschränkung der Wirtschafts­tätigkeit senkt die Einkommen, was zu einer Zunahme der Armut mit all ­ihren Folgen führen kann. Gefragt sind deshalb nicht nur gesundheitspolitische Massnahmen, sondern auch die Wirtschafts- und Sozial­politik, damit solidarische Lösungen der Krise gefunden und längerfristige Folgen vermieden werden können.

1 Kommentar

  1. Heinrich W

    Hallo,

    Wie soll Corona das Durchschnittsalter senken. Sie sind doch beim Tod genauso alt wie alle anderen…..

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