Künzi streikt!

Künzi streikt für den «Blick»

Sandra Künzi

Ich hab gedacht, hey, in ­einem Monat ist schon der Frauenstreik, ich muss mal chli üben. Also bin ich go schaffe, aber ohne zu schaffen. Ich sass einfach neben der Maschine, die ich nicht bediente. Chantal musste meine Büez machen, was ihr ­gefiel, weil sie will ja schon lang chli mehr Verantwortung. Aber unser Flach­bildschirm von Chef hat keine Ahnung von Personal. Lotti rief den «Blick» an, weil sie 100 Franken verdienen wollte.

Und die kamen voll, um mich zu inter­viewen. Das war noch schwierig, weil’s bei uns in der Produktion zimli laut ist. Wir ­haben dann in der Kantine weitergeredet, und um unseren Tisch herum standen ­immer mehr Leute von der Firma. Auch der Pfeuti aus der Informatik, aber ganz ­hinten, damit er auf dem Bild nicht plötzlich als Drahtzieher dastünde, ­sagte er. Ich frag mich schon, warum der ­so viel verdient.

Ich bin go schaffe,
aber ohne zu schaffe.

HAUSVERBOT. Auf jeden Fall kam dann gross ein Foto von mir mit verschränkten Armen vor unserer Commandate 3000, meiner Lieblingsmaschine. An der bin ich schon 15 Jahre, und ich kann sie auch reparieren. Kaum war das Foto im Kasten, kam der Flachbildschirm-Chef reingestürmt und erteilte dem Blick Hausverbot: «Use, sofort use!» Das war das erste Mal, dass wir ihn so richtig läbig gesehen haben. Alle waren ganz erstaunt. Dann schrie er: «Küenzi, jetzt längt’s! Sie sind entlaa!» Lotti wollte mich wegziehen, weil sie dachte, ich hau dem Flachbildschirm gleich eins. Hätte ich auch, wenn nicht genau dann Chantal geschrien hätte: «Sie filmen! Sie filmen!»

HEIMLIFEISS. Die vom Blick sind ja nicht blöd, die haben natürlich gemerkt, dass hier gleich der Vulkan lospülvert, und sind heimlifeiss wieder reingeschlichen und haben alles gefilmt. Deshalb wurde ich dann doch nicht entlassen. Dafür musste ich dem Blick verbieten, die Szene zu veröffentlichen. Aber wir haben immerhin eine Kopie erhalten und schauen sie manchmal an, im Pausenraum. So als Motivation! Und in einem Monat streiken wir dann alle.

Sandra Künzi lebt und büglet in Bern. Sie mag Jassen, Schafe, Feuer und Bier. Zurzeit bereitet sie sich und uns auf den Frauenstreik vom 14. Juni 2019 vor: Ahoi!

Schreiben Sie einen Kommentar

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus.