Gipser Goger zahlte lieber Anwälte als faire Löhne

Klagen und Strafanzeigen à gogo

Christian Egg

Kurt Goger wollte seine ­Kritiker mundtot machen und die Gerichte zermürben. Fast wäre es ihm geglückt.

KÖNNEN DIESE AUGEN LÜGEN? Unternehmer Kurt Goger am 1. Juni 2015 im «Talk» von Tele Züri. (Foto: Screenshot)

Der Anwalt Christoph Häberli führt eine Excel-Tabelle. Darin sind alle Verfahren aufgelistet, die es im Fall Goger gibt, es sind über dreissig. Darunter Strafanzeigen der Goger-Swiss AG gegen Unia-Frau Christa Suter (siehe «Mrs. Marple vom Bau»), gegen zwei Ex-Mitarbeiter Gogers, gegen einen «Blick»-Journalisten, gegen die beiden Präsidenten der Zürcher Gipserverbände usw. Goger versuchte seine Kritikerinnen und Kritiker mit Klagen mundtot zu machen.

Gegen die Unia hatte Goger vorübergehend Erfolg: 2016 liess er ihr via ein Gericht provisorisch verbieten, zahlreiche Aussagen zu seinem Geschäftsgebaren zu machen. Es sind genau die Vorwürfe, deretwegen heute die Staatsanwaltschaft ermittelt (siehe «Es geht um 6 Millionen»). Dieser Maulkorb galt auch für work, das schon früh ausführlich über Gogers Bschiss-System berichtet hatte.

Goger: Verstummt und abgetaucht

Gerne hätte work Kurt Goger zu den Vorwürfen befragt. Doch weder er noch sein Anwalt wollten sich auf Anfrage äussern.

DER «BLICK» KNICKTE EIN

Goger nutzte dabei aus, dass Gerichte in einem provisorischen Verfahren keine Zeugen befragen. Und die Kritik der Unia stützte sich damals auf die mündlichen Aussagen der geprellten Arbeiter. Zwar wäre die Wahrheit wohl in einem ordentlichen Verfahren ans Licht gekommen. Wegen Gogers Verzögerungstaktik kam es aber nie dazu. Für Goger entscheidend: Solange das Verfahren nicht abgeschlossen war, konnte er stets behaupten, er habe vor Gericht recht bekommen. Heute gilt der Maulkorb nicht mehr: Gogers Firma ist konkurs.

Kritische Aussagen per Klage verbieten wollte Goger auch dem Medienkonzern Ringier, Herausgeber des «Blicks». Zudem forderte er Geld und das Löschen von Artikeln auf der Website. Ringier knickte ein und stimmte einem Vergleich zu. Rund 300’000 Franken soll ­Ringier der Goger-Swiss gezahlt haben.

Goger machte auch aus diesem Rechtsstreit ein profitables Geschäft: Seine Firma stand schon damals kurz vor dem Konkurs. Sie schuldete drei Lieferanten insgesamt 2,2 Millionen Franken. Noch vor Abschluss des Rechtsstreits brachte die Goger-Swiss die Lieferanten dazu, auf diese Forderungen zu verzichten – im Austausch gegen zwei Drittel des Ertrags aus der Ringier-Klage. Offenbar hatten die Goger-Anwälte behauptet, man könne mit drei bis vier Mil­lionen Ertrag aus dem Rechtsstreit rechnen.

Auch work liess Goger per Gericht einen Maulkorb verpassen.

1 MILLION FÜR DIE ANWÄLTE

Während Ringier zahlte, blieb die Unia hartnäckig. Und das war hart, erinnert sich Anwalt Häberli, der jeweils im Auftrag der Unia auf die Gogerschen Schachzüge reagieren musste. Die Verfahren seien ex­trem langsam vorwärts gegangen. Der Grund: «Gogers Anwälte haben die Gerichte mit Unterlagen regelrecht zugemüllt.» Sie hätten darauf spekuliert, dass die Gerichte kaum über die Ressourcen verfügten, all die Dokumente zu bearbeiten und dann noch viele Zeugen zu befragen, «schon gar nicht in Ungarn», so Häberli. Während Goger den Büezern Dumpinglöhne zahlte, griff er für seine Anwälte tief in die Tasche. 2017 gab er bekannt, er habe bereits eine Million Anwaltskosten bezahlt.

Lange sah es so aus, als komme Goger mit seiner Masche durch. Doch dann kam die Wende: 2017, im Strafverfahren gegen den damaligen Unia-Mann Roman Burger, bot die Goger-Swiss AG drei aktive Mitarbeiter als Zeugen auf. Doch sie spielten Gogers Spiel nicht mit, sondern rückten mit der Wahrheit heraus: Sie erzählten, dass sie immer einen Teil ihres Lohnes in bar hätten zurückzahlen müssen. Jetzt reagierte die Staatsanwaltschaft. Am 26. Oktober 2017 holte die Polizei Goger und seinen Treuhänder am frühen Morgen ab und führte Hausdurchsuchungen durch. Dabei fanden sie belastendes Material. Das «System Goger» war aufgeflogen.


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