Ratgeber

Auf Stellensuche? Rücken Sie sich ins beste Licht

Martin Jakob

Ja, Sie sind ein wunderbarer Mensch mit hoher Kompetenz und tollen Eigenschaften. Und das erzählen Sie jetzt der Firma, bei der Sie künftig arbeiten möchten!

HELLER KOPF: In Ihrer Bewerbung dürfen Sie selbstbewusst Ihre Fähigkeiten und Stärken schildern. (Foto: iStock)

Also dieser Job wäre jetzt wirklich perfekt auf Ihre Fähigkeiten und Wünsche zugeschnitten – den müssen Sie haben! Aber wie stellen Sie es an, dass Sie tatsächlich angestellt werden? Denn mögen Sie auch ein wunderbarer Mensch mit hoher Kompetenz und tollen Eigenschaften sein, so sind Sie wahrscheinlich doch nicht der einzige wunderbare Mensch, der sich um die Stelle bewirbt. Und ­darum führt nichts an einer Bewerbung vorbei, die Sie im besten Licht erscheinen lässt und Ihnen die Tür zu einem Vorstellungs­gespräch öffnet.

Schreiben Sie etwas Nettes über die Firma – aber nicht schleimen!

EIN DOSSIER, KEIN BUCH

Zunächst einmal gilt es, die Grundlagenarbeit zu einem wettbewerbstauglichen Dossier zu leisten. Erstellen Sie also den Lebenslauf nach einem gängigen Muster (siehe Text unten, «Ihr Leben als Tabelle»). Dann stellen Sie die Dokumente zusammen, die Ihre Ausbildung und Ihre bisherigen beruflichen Leistungen belegen: ­Abschlusszeugnisse, Diplome, Arbeitszeugnisse.

Legen Sie zu Ihrer Aus- und Weiterbildung nur die wichtigen Abschlüsse bei. In der Regel reicht der höchste Abschluss, zum Beispiel das Diplom der höheren Fachschule. Weiterbildungen machen sich gut. Ein halbjähriger, ­erfolgreich abgeschlossener Projektleitungskurs gehört dokumentiert. Aber das pompöse Zertifikat einer Privatschule, das den Besuch eines zweitägigen Excel-Kurses belegt, dürfen Sie weglassen. (Dafür erwähnen Sie im Lebenslauf, dass Sie ein Excel-Crack sind.) Wichtig dagegen: die lückenlose Dokumentation Ihrer Berufstätigkeit mit Arbeitszeugnissen (siehe Box). Sind Sie zum Zeitpunkt Ihrer Bewerbung in ungekündigter Anstellung, verlangen Sie von der jetzigen Firma ein Zwischenzeugnis.

Nun müssen Sie diese Papiere auch noch ordentlich zusammenstellen und saubere Kopien machen – keinesfalls darf Ihr Dossier den Eindruck erwecken, es käme frisch «us de Schnöre vonere Chue». Und schliesslich digitalisieren Sie das Ganze, denn häufig sind Bewerbungen online einzureichen. Am besten scannen Sie alle Dokumente und verpacken sie dann mit dem Lebenslauf in ein PDF-Dokument. Achten Sie aber darauf, dass die Dateigrösse nicht über 5 Megabyte liegt, denn es gibt Mailserver, die grössere Datenmengen zurückweisen. Benennen Sie das PDF zweckmässig, zum ­Beispiel «Suter_Sabine_Bümpliz_Bewerbung».

A propos digital: Sind Sie aktiv in sozialen Medien wie Facebook und Instagram? Prüfen Sie, ob Ihre Accounts nicht zu offen eingestellt sind. Auch wenn Sie nichts zu verstecken haben, sollten Sie Ihre Privatsphäre schützen. Hingegen können Sie durchaus Links zu Ihren Profilen auf Linkedin oder Xing setzen. Und schliesslich gehört zu einer seriösen Bewerbung auch eine seriös klingende E-Mail-Adresse. «bungee-baerli@bluemail.ch» mag im Freundeskreis sauglatt sein, für die Bewerbung passt aber «sabine.suter@bluemail.ch» besser. Und bevor Sie eine digitale Bewerbung erstmals an eine Firma senden, schicken Sie sie probehalber an sich selber.

Ihr Recht auf ein Zeugnis

Fehlt Ihnen ein Arbeitszeugnis aus einem früheren Job? Verlangen Sie dieses Arbeitszeugnis nachträglich: Bis 10 Jahre nach Ende des Arbeitsverhältnisses ist der Arbeitgeber verpflichtet, ein Zeugnis auszustellen (Obligationenrecht Art. 330 a).

WARUM GERADE SIE?

Lebenslauf, Diplome und Arbeitszeugnisse enthalten zum einen die nüchternen Facts zu Ihrem Werdegang. Und zum andern die Urteile, welche andere über Sie gefällt haben. Was jetzt noch fehlt, ist Ihre eigene Sicht – auf Sie selbst, auf die Firma, bei der Sie sich bewerben, und den Job, den Sie haben möchten. Diese Sicht legen Sie nun im Motivationsschreiben dar. Neben dem Lebenslauf ist es das zweite Kernstück Ihrer Bewerbung. Das schwierigere Stück, weil Sie freier sind in der Abfassung. Grundregel: Eine Seite muss reichen! Und auf diese Seite packen Sie jetzt ­alles hinein, was Sie an Esprit, Charme und Chuzpe zu bieten haben. Lassen Sie spüren, dass Sie sich über das Unternehmen schon mal informiert haben und dass Sie es cool finden – heben Sie also eine positive Eigenschaft der Firma hervor, aber schleimen Sie nicht. Machen Sie glaubhaft, dass es für beide Seiten ein Gewinn wäre, wenn es zur Anstellung käme: Sie könnten Ihre Talente in einer Aufgabe entfalten, die Sie für herausfordernd, aber lustvoll bewältigbar halten, und die Firma hätte mit Ihnen jemanden, der oder die den Anforderungen genau entspricht, und sie könnte von Ihren Erfahrungen, ­Ihrem Elan und Ihrer Loyalität profitieren. Und vergessen Sie abschliessend nicht, sich auf die Begegnung im Vorstellungsgespräch zu freuen.

DER TEUFEL IM DETAIL

Ist das Motivationsschreiben gelungen, haben Sie auch den Kür-Teil der Bewerbung geschafft. ­Bevor Sie diese absenden, unterziehen Sie das Ganze noch einer Schlusskontrolle: Prüfen Sie die Vollständigkeit der Unterlagen. Lesen Sie die Stellenausschreibung nochmals durch: Haben Sie die wichtigsten Aussagen in Ihrer Bewerbung aufgenommen? Und weil der Teufel im Detail sitzt, geben Sie das ganze Dossier einer Person Ihres Vertrauens zum Gegenlesen. Stilblüten, grammatikalische und orthographische Fehler dürfen einfach nicht sein. Denn wunderbare Menschen wie Sie schiessen doch keine Böcke!


Lebenslauf Ihr Leben als Tabelle

Diese Regeln helfen Ihnen beim Verfassen Ihres Lebenslaufs:

  1. Foto: Manche Firmen verzichten ausdrücklich auf ein Foto: Sie möchten Diskriminierung aufgrund visueller Merkmale vermeiden. Wo dieser Hinweis fehlt, sollten Sie ein aktuelles Portraitfoto integrieren. Lassen Sie sich unbedingt von einem Profi fotografieren. Lächeln und eine entspannte Haltung sind erlaubt!
  2. Umfang: Zwei Seiten sollten reichen, bei grosser Berufserfahrung dürfen es auch drei bis vier werden.
  3. Reihenfolge: Beginnen Sie mit den persönlichen Daten. Es folgen Aus- und Weiterbildung sowie Berufserfahrung. Ordnen Sie diesen beiden Abschnitte chronologisch, beginnend mit dem aktuellsten Eintrag. Fügen Sie Kenntnisse und Fähigkeiten an (Sprachen, IT-Kenntnisse) und schliessen Sie mit Interessen und Hobbies.
  4. Form & Formulierung: Gestalten Sie tabellarisch übersichtlich und schreiben Sie in Stichworten. Bei den bisherigen Stellen: Firma, Stellenbezeichnung, Funktion und wichtigste Tätigkeiten. Wählen Sie eine nüchterne, gut lesbare Schrift. Arial geht immer.
  5. Vollständigkeit: Ihr Lebenslauf sollte lückenlos sein. Waren Sie eine Zeitlang arbeitslos, ­nennen Sie den Zeitraum («Neu­orientierung»). Haben Sie in ­dieser Zeit Kurse besucht oder Freiwilligenarbeit geleistet? ­Schreiben Sie es!
  6. Flexibilität: Formulieren Sie zunächst einen korrekten Standard-Lebenslauf. Prüfen Sie aber bei jeder Bewerbung, ob Anpassungen ans jeweilige Stellen­angebot sinnvoll wären. Zum Beispiel eine ausführlichere Erwähnung von Führungstätigkeiten, wenn die neue Stelle mit Führungsaufgaben verbunden wäre.

Mustervorlagen für einfache Lebensläufe: rebrand.ly/cv1

Mustervolagen für Kader- und Spezialistenlebensläufe: rebrand.ly/cv2

2 Kommentare

    • Patricia D'Incau

      Besten Dank, Herr Walther, für den Hinweis. Der Fehler wurde korrigiert. Die Links funktionieren nun.

      für die Redaktion,
      Patricia D’Incau

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