1x1 der Wirtschaft

Immobilienmarkt: Crash oder sanfte Landung?

Hans Baumann

Bis vor wenigen Monaten sind die Liegenschaftspreise und die Wohnungsmieten in der Schweiz rasant gestiegen. Rekordtiefe Zinssätze haben es auch Mittelstandsfamilien erlaubt, Wohnungen zu kaufen anstatt zu mieten. Zum ersten Mal ist in der Schweiz der Anteil der Eigentumswohnungen am Gesamtwohnungsbestand auf über 40 Prozent gestiegen. Aber auch private Investoren, Firmen und Pensionskassen haben immer häufiger in Liegenschaften oder Immobilienfonds als lukrative Anlageobjekte investiert. Das hat die Immobilienblase zusätzlich aufgebläht. In den letzten Jahren wurden Hunderttausende von neuen Wohnungen und Bürogebäuden gebaut.

(Quelle: UBS Global Real Estate Bubble Index)

EUROPAWEIT. In vielen Ländern Europas verlief die Entwicklung ähnlich. Kein Wunder, dass die Angst vor einem Immobiliencrash umgeht. Die Erinnerung an 2007 sind wach. Damals löste der Immobiliencrash in den USA eine weltweite Krise aus. Was passiert, wenn die Nationalbank im Schlepptau der Europäischen Zentralbank die Zinsen erhöhen muss? Was passiert, wenn plötzlich Tausende von Liegenschaften leer stehen oder Bauruinen bleiben? Tatsächlich ist der Leerwohnungsbestand vor allem ausserhalb der Agglomerationen deutlich gestiegen, und die Vermietenden locken teilweise mit attraktiven Rabatten, um ihre Wohnungen los zu werden.

MITTELFELD. Im Moment deutet in der Schweiz alles eher auf eine sanfte Landung als einen Crash hin: Letztes Jahr wurden deutlich weniger Wohnungen gebaut, trotzdem steht die Bau­tätigkeit nicht still, sondern produziert auf einem tieferen Niveau weiter. Die Liegenschaftspreise und Mieten ­haben sich etwas beruhigt, sind aber nicht im freien Fall. Zinserhöhungen sind zu erwarten, aber kaum schub­weise. Laut «Blasenrisiko-Index» der UBS, der die Abweichung der Liegenschaftspreise von anderen Indikatoren wie Konsumentenpreisen oder Einkommen misst, liegen Schweizer Grossstädte international im Mittelfeld. Die Liegenschaften sind zwar stark überbewertet, das Blasenrisiko ist in anderen Städten aber bedeutend höher. Für junge Familien, die in einer Stadt eine Wohnung suchen, ist dies ein schwacher Trost. Bezahlbare Wohnungen sind dort nach wie vor ein knappes Gut.

Hans Baumann ist Ökonom und Publizist.

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