Exklusiv: Das work-Interview mit James Bond
«Firmen verdienen sich Goldfinger»

Zürich, Limmatquai, Protest der Gärtnerinnen und Gärtner. Und plötzlich ist er da: Mister James Bond. work packte die Chance und schüttelte ihn.

GRÜNER DAUMEN. Agent 007 auf «Mission Gartenbau». (Fotos: Unia)

work: Mister Bond, was machen Sie hier in Zürich?
James Bond: Ich wollte wieder einmal meine Geburtsstadt besuchen.

Wie bitte?
Of course. Meine Mutter war Schweizerin, aus dem Kanton Waadt. Dank ihr kann ich so gut französisch …

… Sie meinen die ­Sprache?
Natürlich.

Jetzt sind Sie aber in eine Protestaktion der Gärtner und Gärtnerinnen reingeraten. Die wollen endlich mehr Lohn und mehr Ferien.
Die Firmen verdienen sich einen Goldfinger, ich weiss. Deshalb mag ich Aktionen, die die Welt aufschütteln und nicht nur ­rühren.

Haben Sie denn eine Beziehung zum Gartenbau?
Aber ja. Denken Sie nur daran, wie viele Männer ich schon unter die Erde gebracht habe.

«Ich mag Aktionen, die die Welt aufschütteln.»

Deshalb sind Sie da?
Ja, um ein Quantum Trost zu spenden. Denn du lebst nur zweimal! Derzeit wird im Schweizer Gartenbau der Gesamtarbeitsvertrag neu verhandelt und … Natürlich, die Blofelds wollen der Unia keine Lizenz zum Verhandeln geben. Casino Royal!

Mit Bösewichten kennen Sie sich ja aus.
Aber Blofeld und Doktor No, das waren wenigstens Profis.

Im Unterschied zu den Arbeitgebern von Jardin Suisse, wollen Sie sagen?
Leben und sterben lassen!

Bitte?
Ein hübsches kleines Nichts, das Sie da beinahe anhaben!

Ich bitte Sie, Herr …
Bond, mein Name ist …

Ja, ja, wir wissen‘s, James, der Sexist Bond.
Sehe ich aus wie jemand, den das interessiert?

Zurück zum Gesamtarbeitsvertrag ­im Gartenbau. Haben Geheimagenten ­eigentlich auch einen GAV?
Selbstverständlich, meine Mitwirkung by M. ist garantiert. Was sollte sie ohne mich auch anfangen?

Alle Ähnlichkeiten mit Bond-Filmtiteln und Bond-Sprüchen sind gewollt.

DER NEUSTE BOND-FILM: Plötzlich war er da! James Bond stattete den Unia-Gärtnerinnen und -Gärtnern einen Besuch ab. Hier geht’s zum Film: wir-gärtner.ch/james-bond

Gartenbau: Verhandeln ohne die Gärtner

Zurich Film Festival, 29. September: Aus ­einer schwarzen Limousine steigt der Schauspieler Martin Langanke aus. Ein fast perfekter Doppelgänger des Bond-Darstellers Daniel Craig. Er gibt Autogramme, ­posiert für Selfies, winkt den Fans zu. Dann marschieren Gärtnerinnen und Gärtner der Unia auf. «Bond» schüttelt ihnen die Hand und beglückwünscht sie zu ihrem Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen. Blumen in Abfallkübeln, auf­gehängte Schuhe, ein Drei-Minuten-Streik: Die in der Unia organisierten Gärtnerinnen und Gärtner haben immer wieder mit originellen Aktionen für ihre Anliegen stark gemacht.

ABSURD. Mit dem Bond-Double wollen sie jetzt auf eine absurde Situation auf­merksam ­machen: Ende Jahr läuft im ­Gartenbau ­der geltende Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für die Deutschschweiz aus. ­Deshalb ­finden derzeit Verhandlungen statt. ­Allerdings ohne die Mehrheit der gewerk­schaftlich organisierten Gärtnerinnen und Gärtner. Denn der Arbeit­geberverband ­Jardin Suisse verhandelt nur mit dem von­ ihm geförderten Berufsverband «Grüne ­Berufe Schweiz». Der vertritt gerade mal rund 1000 Mitglieder. Die Unia, die dreimal mehr Mitglieder hat, will er nicht am Tisch haben. Die Gärtnerinnen und Gärtner in der Unia f­ordern bessere Löhne, fünf Wochen Ferien und einen flexiblen Altersrücktritt. ­­Noch weigert sich Jardin Suisse, mit der Unia zu verhandeln. Die Gärtnerinnen und Gärtner bleiben dran. Denn sie ­wissen: Der Morgen stirbt nie.

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