Anti-Lohndumping-Initiative: Darum sammelt KMU-Chef Josi (47) grad selber Unterschriften
«Mehr Fairness!»

Ofenbauer Patrick Josi aus Adelboden kann nicht länger zuschauen bei der Preis­drückerei. Denn: Wenn nur das Billigste zählt, hat einer mit einer ehrlichen Offerte keine Chance.

PATRON JOSI: «Bei uns ist der Angestellte eben noch ein Mensch und nicht nur ein Kosten­faktor.» (Foto: Marco Zanoni)

Es ist nicht viel los Ende Mai in Adelboden BE. Ein paar verlorene Amis schlendern durchs Dorf. Doch das Café, die Metzgerei und die Sportgeschäfte sind offen. Ebenso der Showroom von Ofenbauer Patrick Josi. Fester Händedruck, freundliches Gesicht, ein Hüne von einem Mann. Josi würde im Sägemehl keine schlechte Figur machen. Doch Schwingen ist nicht sein Ding. Mehr beschäftigt ihn die Politik. Konkret: der Kampf gegen Lohndumping.

DUBIOSE KETTENKONKURSE

Josi ärgert sich: «Bei Vergaben von Aufträgen sind Bund und Kanton die schlimmsten. Nur das Billigste zählt.» Da verwundert es ihn wenig, wenn immer wieder Skandale mit Tieflöhnen auffliegen. Wie zuletzt im Berner Inselspital oder beim Bau der neuen Berner Schanzenpost. Das sei die Folge dieser ständigen Preisdrückerei. Die mache den Markt komplett kaputt. Jemand mit ehrlichen Offerten habe da gar keine Chance mehr.

Nach den Tätern gefragt, zögert Josi. Er will nicht falsch verstanden werden. Aber es sei halt eine Tatsache, dass oft Kleinfirmen von Selbständigen aus Ex-Jugoslawien darin verwickelt seien. Sie zögen mit Dumpingangeboten Aufträge an Land. «Und dann gehen sie konkurs, um am nächsten Tag unter neuem Namen weiterzumachen.»

«Die Preis­drückerei macht den Markt kaputt.»

Solche Kettenkonkurse sind vor allem aus dem Bauhauptgewerbe bekannt. Aber auch in den bauverwandten Branchen sind sie an der Tagesordnung. Nicht einmal das paritätische Berufsregister nützt dagegen. Dort sind zwar alle Firmen mit ihrem Leumund festgehalten. Wenn sie Probleme verursachen, wird das notiert. Josi: «Aber man schaut nur immer auf den Firmennamen und nicht auch darauf, welche Personen dahinterstecken.»

Selber war Hafnermeister Josi noch nie mit einem Dumpingfall konfrontiert. Aber was er aus den Branchen so hört, stimmt ihn nachdenklich: «Zunehmend offerieren auch branchenfremde Firmen, die gar nicht über das Know-how und die nötigen Kapazitäten verfügen.» So landeten Teile der Aufträge bei dubiosen Subunternehmern mit Tieflöhnen. Josi nimmt auch Hoteliers von seiner Kritik nicht aus. Er schüttelt den Kopf über einen Chef, der seinen Betrieb mit einem Angestellten renoviert hat, der sonst im Service arbeitet. «Nur damit es noch billiger kommt!»

CHEMINÉES UND UNTERSCHRIFTEN

Vor Patrick Josi auf dem Tisch liegt ein Unterschriftenbogen für die kantonalbernische Initiative «Für fairen Wettbewerb und zum Schutz von Gewerbe und Beschäftigten im Kanton Bern» (siehe Kasten rechts). Es ist eine Anti-Lohndumping-Initiative, die der Berner Gewerkschaftsbund im März gestartet hat. Im Initiativkomitee sitzen Prominente wie SP-Nationalrat und Unia-Industriechef Corrado Pardini. Aber auch zahlreiche Gewerbetreibende vom Land machen mit. Wie Josi. Der Ofenbauer sitzt auch in der paritätischen Berufskommission. Diese kontrolliert auch seine Branche. Und da sieht er einiges: «Wir können nicht länger zuschauen, was da abgeht», sagt er. Deshalb sein Engagement für die Initiative. «Ich habe immer einige Bogen bei mir», sagt Josi. Man müsse «recht a d Seck», sich ins Zeug legen, um die nötige Unterschriftenzahl zu erreichen.

Josi ist jetzt nicht nur Botschafter für Cheminées, Schwedenöfen, Plättli oder Wellnesseinrichtungen. Er ist auch Prediger für einen fairen Wettbewerb und macht Propaganda für die Anti-Lohndumping-Initiative. Dabei macht es ihm gar nichts aus, dass der Löwenanteil der ­Vorbereitungen von den Gewerkschaften stammt. «Wir haben ein gutes Verhältnis», sagt er. Und das als Regionalpräsident des Schweizerischen Plattenverbands und Chef eines Sechs-Mann-Betriebs. Josi: «Bei uns ist der Angestellte eben noch ein Mensch und nicht nur ein Kostenfaktor.»

Das will die Berner Initiative: Lohndumping stoppen

Federführend bei der kanto-nalen Volksinitiative «Für fairen Wettbewerb» ist der Berner Gewerkschaftsbund. GKB-Mann Johannes Wartenweiler sagt: «Die Leute finden unser Anliegen richtig und unterschreiben.» Das Bündnis aus Gewerkschaften, Linksparteien und einzelnen Gewerbever-tretern ist gut unterwegs. Bis Ende September müssen 15 000 gültige Unterschriften deponiert werden.

Dass sich auch Gewerbler engagieren, ist nicht selbstverständlich. Doch steht für sie die Sache über der Ideologie. Zum Beispiel für Hafnermeister Patrick Josi aus Adelboden (siehe oben) oder Malermeister Jürg Hostettler aus Köniz.

Dieser kritisiert, viele Auftraggeber und Generalunternehmer würden ihre Verantwortung nicht wahrnehmen: «Es braucht einfach mehr Druck.»

VERBOT. Die Initiative zielt auf Subunternehmerketten bei öffentlichen Aufträgen. Diese sollen künftig verboten werden. Erlaubt ist nur noch eine einzige Weitergabe eines Auftrags an ein Subunternehmen. Sodann schreibt die Initiative orts- und branchenübliche Löhne und Arbeitsbedingungen vor. Damit gilt der Gesamt-arbeitsvertrag. Und der soll auch für Firmen aus dem Ausland verbindlich sein.

Schreibe einen Kommentar

Bitte fülle alle mit * gekennzeichneten Felder aus.