Ratgeber

Tomaten selber ziehen: So gelingt’s bestimmt

Sabine Reber

Viele Gartenfreunde halten Tomaten für schwierige Pflanzen. Was müssen Sie beachten, um eigene Tomaten ernten zu können? Und welche Setzlinge können Sie auf dem Balkon pflanzen?

FRISCH UND SAFTIG: Tomaten aus dem eigenen Garten oder direkt vom Balkon schmecken besonders gut. (Foto: Alamy)

Es gibt diverse Arten von Tomaten. Weltweit existieren über 10 000 verschiedene Sorten und Züchtungen. Nicht alle Tomaten eignen sich für jede Verwendung und für jeden Standort. Beim Kaufen von Setzlingen sollten Sie auf die geschmacklichen Vorzüge, aber auch auf den Standort und die Platzverhältnisse achten. Die wichtigsten hierzulande gebräuchlichen Tomatenarten sind:

COCKTAIL-, KIRSCH, CHERRY- ODER BABYTOMATEN

Sie wachsen bestens in Töpfen und Kistchen auf dem Balkon. Ihre kleinen, meist runden oder birnenförmigen Früchte haben einen hohen Zuckergehalt und werden gern von Kindern genascht. Die Pflanzen bleiben recht klein und kompakt und sind besonders pflegeleicht. An einem geschützten Standort müssen Sie sie nicht ­einmal aufbinden. Sie sind die schnellsten von allen Tomaten und reifen oft schon vor den Sommerferien heran.

STRAUCH-, RUND- ODER SALATTOMATEN

Die klassischen runden Tomaten, wie wir sie aus dem Supermarkt kennen. Die Sträucher werden oft gegen zwei Meter hoch und müssen gut aufgebunden werden. Es gibt unzählige Züchtungen von Salattomaten, darunter auch solche mit grünen, gelben, rosaroten, weissen, schwarzen oder gestreiften Früchten. Auch geschmacklich unterscheiden sich die Sorten stark. Salattomaten können gut in einem grösseren Kübel auf dem Balkon kultiviert werden. Besonders robust und pflegeleicht sind veredelte Setzlinge, die es im Fachhandel gibt. Bei diesen wird die Edelsorte auf eine kräftige Unterlage gezweit, so dass die Pflanzen besser wachsen, auch bei nassem Wetter robust sind und mehr Ertrag geben. Wer nur Platz für eine oder zwei Tomatenstauden hat, wird sich besonders freuen über die modernen Turbotomaten.

(Foto: Fotolia)

SAN-MAZANO-, PELATI- ODER FLASCHENTOMATEN

Wegen der länglichen Form heissen sie Flaschentomaten – wahrscheinlich kommt der Name aber auch daher, weil diese Arten besonders oft zum Einmachen verwendet werden. Sie haben ein kräftiges, süsses Tomatenaroma, so dass sie auch roh und im Salat hervorragend schmecken. Aber weil ihr Fleisch eine gute Festigkeit hat und beim Einkochen nicht zu wässrig wird, werden diese ­Tomaten vor allem verwendet, um Ketchup, Tomatenmark und ­Saucen herzustellen. Pelati selber anbauen lohnt sich, denn sie schmecken nie besser als an einem sonnigen Spätsommernachmittag direkt vom Strauch geerntet.

FLEISCHTOMATEN

Sie reifen etwas später und brauchen einen besonders warmen, sonnigen Standort. Ihre Sträucher wachsen zum Teil über zwei Meter hoch und müssen sehr gut gestützt werden. Die einzelnen Früchte können je nach Sorte bis zu ein Kilo schwer werden. Dabei haben Fleischtomaten eine sehr dünne Haut. Das macht sie recht heikel in der Kultur. Sie müssen regelmässig gegossen werden, da sie sonst rasch Risse bekommen. Auch Regen vertragen sie schlecht. Fleischtomaten sollten Sie im Gewächshaus, in einem Tomatenhaus oder unter einem geschützten Vordach pflanzen. Dunkle ­Folie oder Steine sorgen für zusätzliche Wärme. Kulinarisch werden sie vor allem zum Füllen verwendet. Sie schmecken aber auch im Salat hervorragend, da sie aromatisches Fleisch und eine zarte Haut haben.

JUNGE PFLANZEN ETWAS TIEFER SETZEN!

Alles klar? Dann nichts wie los und in der Gärtnerei, auf dem Wochenmarkt oder im Gartencenter die passenden Tomatensetzlinge für den Balkon oder Garten besorgen. Bis Ende Mai ist der ideale Zeitpunkt, um sie zu pflanzen. Wer selber gezogene Setzlinge hat, die lang und schwach geraten sind, sollte sie tiefer eingraben. Überhaupt dürfen junge Tomaten etwas tiefer gepflanzt werden, da sie am Stiel rasch neue Wurzeln bilden und dadurch kräftiger werden. Man kann bis zu einem Drittel des Stiels eingraben. Später während der Wachstumsphase lohnt es sich auch, die Tomaten gelegentlich mit Kompost oder frischer Gemüseerde anzuhäufeln. Grössere Tomaten müssen Sie gut aufbinden.

Bis Ende Mai ist der ideale Zeitpunkt, um Tomaten zu pflanzen.

Ausserdem werden sie je nach Sorte ausgegeizt. Das heisst, die jungen Triebe in den Blattachseln werden herausgebrochen. Bei den Cherrytomaten muss man das aber nicht machen. Bei Strauch- und Fleischtomaten hingegen ist es wichtig, dass dank dieser Technik genug Kraft in die Früchte geht.

Und so gilt für gutes Gelingen ab jetzt nur noch dies: regelmässig giessen und düngen. Am besten einmal pro Woche dem Giesswasser flüssigen Tomatendünger oder Universaldünger beigeben. Wenn Sie die Tomaten im Garten anbauen, können Sie auch mit Hühnermist arbeiten oder einen toten Fisch unter den Stauden vergraben. Auf dem Balkon ist aber geruchsneutraler Flüssigdünger allemal besser. An besonders heissen Tagen brauchen die Tomaten auf dem Balkon auch mal am Morgen und am Abend Wasser. Ansonsten sollte jetzt nichts mehr schief­gehen, und die erste eigene Ernte ist schon fast in Sichtweite!


Die Weitgereiste Von Mexiko nach Italien

(Foto: Pxhere)

Ursprünglich stammen die Tomaten aus Mittel- und Südamerika. Dort wurden sie von den Maya und anderen Ur­völkern bereits 200 Jahre vor Christus kultiviert. Kolumbus brachte dann die ersten Tomatenpflanzen im Jahr 1498 von seiner zweiten Amerikareise mit nach Europa. Einige Jahre später brachte der spanische Eroberer Hernán Cortés einige Xitomatl genannte Früchte aus Mexiko nach Spanien. Ver­mutlich waren diese frühen Tomaten goldgelb, und so war in ersten Beschreibungen von «Pomi d’oro» oder «poma aurea» die Rede. Noch heute heissen sie auf italienisch Pomodori, also goldene Äpfel.

VERGIFTET. Anfangs glaubten die Europäer, Tomaten seien giftig. Tatsächlich starben einige Adelige, nachdem sie von den Nachtschattenfrüchten gegessen hatten. Was die Menschen damals nicht wussten: An den Königshäusern wurden die Tomaten auf bleihaltigen Zinn­tellern präsentiert; die Leute starben an einer Bleivergiftung. In Italien tauchten die ersten Tomatenrezepte im 17. Jahr­hundert in Kochbüchern auf.

Mit den italienischen Aus­wanderern gelangten die Tomaten nach Amerika, wo ein Unter­nehmer namens John Henry Heinz im Jahr 1876 das erste industriell produzierte Ketchup auf den Markt brachte. Die Züchter suchten bald nach Sorten, die sich für den kommerziellen Anbau eigneten.

Heute sind alte Sorten aus den Bauerngärten wieder im Trend, da diese eine grosse Geschmacksvielfalt aufweisen. In der Schweiz kümmert sich die Stiftung Pro Specie Rara um den Erhalt von 187 alten Tomatensorten. www.prospecierara.ch

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