Das Zalando-Subunternehmen arbeitet auch für Coop und die UBS

MS Direct: Neue Tricks und faule Ausreden

Christian Egg

MS Direct ist berüchtigt als Subunternehmen für den ­Internethändler Zalando. Jetzt kommt aus: die Firma behandelt auch die Callcenter-Angestellten schlecht.

PREKÄR: Bei MS Direct telefonieren Frauen schlecht bezahlt für Coop und UBS (Symbolbild. Foto: Keystone)

Nur gerade 17 Franken Stundenlohn und exakt 80 Sekunden Zeit, um ein Zalando-Kleidungsstück zu reinigen, korrekt zusammenzufalten und wieder zu verpacken: Unter diesen Bedingungen arbeiten etwa 120 Angestellte in der Ostschweiz (work berichtete).

Ihr Arbeitgeber ist nicht der Internethändler Zalando, sondern die Schweizer Firma MS Direct. Sie betreibt auch Callcenter, etwa für Coop oder die Grossbank UBS. Nach dem work-Artikel meldeten sich mehrere ehemalige Angestellte des Callcenters in Feldmeilen am Zürichsee. Ihre Berichte zeigen: MS Direct zahlt nicht nur miese Löhne. Die Firma versucht auch mit allerlei Tricks und Ausreden, den Angestellten Lohn vorzuenthalten.

NOCH 3’400 FRANKEN LOHN

Zum Beispiel Barbara Steck *. Für die Arbeit im Callcenter bekam sie 4150 Franken brutto. Doch nach drei Jahren beschied ihr die Firma, man werde sie künftig nur noch im Stundenlohn beschäftigen. «Sie sagten mir: Entweder du unterschreibst das, oder du kannst gehen.» Rund 22 Franken verdiente sie ab dann in der Stunde. Ferien- und Feiertagsentschädigung schon mitgerechnet. Aber anders als vorher wurde sie nicht mehr zu hundert Prozent beschäftigt. Oft sei sie schon mitten am Nachmittag heimgeschickt worden, sagt sie zu work. «Oder ich machte Mittagspause, kam zurück und sah ein Mail vom Chef: Du kannst für heute nach Hause gehen.» Das hatte Folgen: Ende Monat bekam sie nur noch 3400 bis 3500 Franken Lohn ausbezahlt.

«Sie sagten mir: Entweder du unterschreibst das, oder du kannst gehen.»

Damit nicht genug. Als Festangestellte hatte sie Anrecht auf einen 13. Monatslohn. Auch für die Monate des laufenden Jahres, bevor sie zur Stundenlöhnerin degradiert wurde. Doch auf der Lohnabrechnung fehlte plötzlich dieser Betrag. Fast tausend Franken. Das schluckte Andrea Steck nicht und reklamierte bei ihrem Vorgesetzten. Dieser habe sich herausgeredet und gesagt: «Die Kollegin von der Buchhaltung sei gerade in den Ferien gewesen.» Für sie ist klar: Nur weil sie sich wehrte, bekam sie ihr Geld.

EINGESCHÜCHTERT

Auch Petra Tobler * arbeitete bei MS Direct. Sie sagt, viele Angestellte seien eingeschüchtert und wehrten sich nicht. Sie war in Feldmeilen als Sachbearbeiterin angestellt. Die Firmenleitung nütze die prekäre Lage der Mitarbeitenden gnadenlos aus: «Sie lassen die Leute spüren: Ihr findet ja sonst keinen Job.»

MS Direct räumt ein, dass man «vereinzelt» Monats- in Stundenlöhne umgewandelt habe. Man habe die Wochenendschicht verkleinern müssen, weil das Bundesgericht im Callcenter die Sonntagsarbeit eingeschränkt habe. Alle Mitarbeitenden hätten aber die Löhne korrekt erhalten.

Bei Petra Tobler versuchten die Chefs einen anderen Trick. Zuerst wollten sie ihr das Pensum von hundert auf fünfzig Prozent kürzen. Doch sie unterschrieb nicht. Drei Wochen später bekam sie die Kündigung. «Und bis zum Ende der Kündigungsfrist wollten sie mir nur noch den halben Lohn zahlen, denn sie hätten mir ja das Pensum gekürzt.»

Doch das ist nicht rechtens. Tobler protestierte per eingeschriebenen Brief. Jetzt krebste die Firma zurück und zahlte ihr den vollen Lohn. Der Erfolg habe ihr gutgetan, sagt sie: «Die haben gar nicht damit gerechnet, dass sich jemand wehrt.»

* Name geändert

Für Preis nominiert: Was soll das, SVC?

Die miesen Zalando-Löhne von MS Direct sind seit Dezember bekannt. Den Wirtschaftsverband Swiss Venture Club (SVC) kümmern sie offensichtlich nicht. Seelenruhig nominiert er die Firma für den «Prix SVC Ostschweiz», der im März verliehen wird. Laut SVC müssen die Preisträger «mit ihrer Firmenkultur überzeugen» sowie «mit der Qualität der Mitarbeitenden und des Managements». Wie bitte? Weshalb nominiert man eine Firma, die derart miese Löhne zahlt? Diese Frage beantwortet der SVC nicht. Er schickt nur die Krite­rien, nach denen die Firmen bewertet werden. Faire Löhne sind nicht dar­unter. Weiter schreibt der SVC: «Es gibt keine festen Kriterien für die Aufhebung einer Nomination.»

Petition für anständige Löhne bei Zalando Schweiz: www.unia.ch/zalando-petition.

4 Kommentare

  1. Anonym

    Die MS Direct war einmal ein sehr loyales und gutes Unternehmen. Jahrelang wurde sehr viel Wert auf Qualität gelegt. Für Kunden, wie auch für Mitarbeitende hatte man immer ein offenes Ohr. Die Löhne waren nicht immer so tief. Als die Qualität der Arbeit nachgelassen hatte und der Umsatz zurückging wurde ein Externer Berater geholt, welcher ettliche Know-How träger entlassen hatte, da diese ja auch dementsprechende Positionen hatten und dementsprechend gekostet haben, ohne sich zu Fragen weshalb die Qualität und der Umsatz zurückgingen. Evtl., weil die GL einen zu hohen Druck auf Quantität statt Qualität ausgeübt hat und solche Entscheidungen ohne die langjährige Erfahrung von Schlüssepersonen gefällt hat? Dies ist meine Empfindung und nach etlichen Entlassungen habe ich mich entschieden das sinkende Schiff rechtzeitig zu verlassen, obschon ich den besten Vorgesetzen hatte, den man sich nur denken kann. Er ist heute einer der Wenigen im Unternehmen, der das nötige Know-How noch besitzt. Meiner Meinung nach hätte Milo Stössel das Unternehmen seines Vaters nach dem gleichen Prinzip weiterführen sollen und das heisst mit Herz und Verstand. Er vernachlässignte den Teil des Unternehmens, welcher einen grossen Teil des Umsatzes ausmachte und inverstierte in Projekte, bei welchen er Geld und nicht die Menschen dahinter gesehen hat, doch ohne die Menschen hinter den Maschinen, ist der Erfolg aussichtslos. Ich war fast 9 Jahre im Unternehmen und hatte inkl. Unterstützung vom Bereichsleiter keine Chance Verbesserungsvorschläge anzubringen. Nachdem ich gekündigt hatte, sagte mir die GL nicht einmal mehr guten Tag.

  2. Bea S

    Ich habe auch gearbeitet für dieser Schreckliche Firma, Nur noch sparen und sparen, ich war im Callcenter mann hatte nur 5 Minuten um dass Computer zu starten und etwa 8 Firma`s mit verschiedene Software zu starten. Einfach ein Abzocker Firma, mann könnte nicht mal auf die Toilette gehen, mann dürfte nicht mehr als 1 minute 30 Seconde mit ein Kunde am Telefon sein. Und noch vieles vieles mehr, Einfach nicht mehr menschlich

  3. Anonym

    Ich war bei der MS Angestellt und bin nur froh nicht mehr dort zu sein.

  4. Ano

    Ich habe dort gearbeitet für fast 4 Jahre. Am Anfang wars noch wirklich gut. Mit der Zeit als diese Übernommen wurde und MS hiess hat sich alles zum negativen gewant. Habe viele male 10 Stunden gearbeitet. Musste Leute einschulen obwohl das nicht zu meiner Arbeit gehörte. Als man mein wissen schön aufgenommen hatte. Wurde mir gekündigt mit dem Argument,es sei doch besser für da ich so einen langen Arbeitsweg habe. Danach verlangte man,dass ich noch alle Schulubgsunterlagen zusammen stellen müsse. Was ich dann aus Prinzip nicht getan habe. Aber ich bin sehr froh nicht mehr dort zu sein. Sie wollen 300prozent von den Mitarbeitern aber kommen einem nie entgegen.

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