Jean Ziegler ‒ la suisse existe

Verdingkinder: Zerstörte Leben

Jean Ziegler
Jean Ziegler

Jean Ziegler

Es war Frühherbst in den Freiburger Alpen. Nasser Schnee fiel auf die Passstrasse des Moléson. Der Velofahrer trat unbeirrt in die Pedale. Seit zwei Tagen war Clément Wieilly unterwegs. Er kam von Freiburg und wollte zum Völkerbundpalast in Genf. Dort tagte im September 2017 die 36. Session des Uno-Menschenrechtsrates. Im Rucksack trug Wieilly Hunderte von Hand geschriebene Briefe, die von unsäglichem Leid zeugten. Ein Beamter nahm auf der regengepeitschten Place des Nations die Dokumente in Empfang. Dass diese Briefe zu einer völkerrechtlichen Verurteilung der Schweizer Regierung führen könnten, ist so gut wie ausgeschlossen. Denn der Menschenrechtsrat arbeitet nach dem Subsidiaritätsprinzip: Wenn ein Mitgliedstaat in einer Deliktsache bereits tätig geworden ist, tut die Uno nichts mehr.

DIE VERDINGKINDER. 85’000 Jungen und Mädchen sind im Laufe von fünf Generationen ihren meist bitterarmen Eltern durch Schweizer Behörden entrissen und in kirchlichen Waisenhäusern oder in Erziehungsanstalten eingelocht worden. Sexuelle Gewalt, Schläge, Essensentzug, Hilflosigkeit, Verzweiflung und zerstörtes Leben waren in den meisten Fällen das Los der «Versorgten». Das fürchterliche Nazigesetz zur «administrativen Versorgung» wurde erst 1981 aufgehoben.

Als das Nazigesetz noch in Kraft war, sass ich im Nationalrat. Ich tat nichts. Ich schäme mich.

Die Schweiz, mein Land, hat ein schreckliches Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen. Als dieses Nazigesetz noch in Kraft war, sass ich im Nationalrat. Ich tat nichts. Ich schäme mich. Bis zu meinem Lebensende.

Im Herbst 2016 bewilligte die Bundesversammlung einen Kredit von 300 Millionen Franken. Für jede administrativ versorgte Person wurde eine Wiedergutmachungssumme von maximal 25’000 Franken bewilligt. Ende der Gesuchsfrist ist der kommende März.

Und jetzt kommt das Problem: Viele der etwa 20’000 heute noch Lebenden, denen Schweizer Behörden die Kindheit, die Jugend, häufig das ganze Leben zerstört haben, melden sich nicht.

DIE WUNDEN HEILEN NICHT. Clément Wieilly wurde als Dreijähriger seiner Mutter ent­rissen und im Bürgerlichen Waisenhaus in Freiburg deponiert. Zwei Jahre später wurde er als Verdingkind an einen Bauern verschachert: Schwerstarbeit und Einsamkeit von morgens früh bis abends spät, tagtäglich, eine ganze Kindheit lang. Heute ist er 63 Jahre alt und gehört zu den wenigen ehemaligen Verdingkindern, die nicht gebrochen sind. Er gründete den Verein «Agir pour la dignité» (Handeln für die Menschenwürde), der Lebensberichte und Gesuche sammelt. Hunderte von Opfern haben Wieilly bisher geschrieben. Aber eben: immer noch viel zu wenige. Denn die Wunden sind nicht verheilt, und manche Opfer können dem erfahrenen Leid keinen Ausdruck verleihen.

Versöhnung mit dem Verbrechen kann es nicht geben. Aber zu hoffen ist, dass bis zum Ende der Gesuchsfrist in wenigen Wochen so viele Zeugnisse wie möglich im Bundeshaus deponiert werden.

Kontakt für Opfer der administrativen Versorgung, die noch kein Gesuch gestellt haben: Agir pour la dignité, Clément Wieilly, Route des Combes 6, 1772 Ponthaux, Telefon 079 564 42 27.

Jean Ziegler ist Soziologe, Vizepräsident des beratenden Ausschusses des Uno-Menschenrechtsrates und Autor. Sein neuestes Buch, «Der schmale Grat der Hoffnung», ist im März 2017 auf deutsch erschienen.

62 Kommentare

  1. Ernst Spichiger

    Ich habe es selbst erlebt, bin am 6.8.1951 geboren.
    Ich glaube, das die Angst der seelischen Wunden unerträglich ist, die Geschichte noch einmal auf zu rollen. Viele sind gestorben, oder haben ihr Leben selbst beendet. Ich habe das Gesuch nicht ganz aus gefüllt, weil die Vergangenheit noch immer schmerzt.

    Aber ich habe meine schmerzlichen Erinnerungen, der traurigen schweizer Geschichte, wie ich es als Kind erlebt habe, aufgeschrieben.
    Wie ich gefühlt und geweint habe.
    Das braucht viel Kraft.
    Gesundheitlich kämpe ich bis zum heutigen Tag. Ärzte können mir nicht mehr helfen .Das leben geht langsam zu ende. Ich hoffe das wenigstens meine Aufopfernde krank Frau die underschüzung noch erlebt. Das wäre eine hilfreich, wenn ich gestorben bin.

  2. Edouard Rieben

    Chapeau!
    habe das Layout und versschiedenes anderes schon
    lange als hervorragend empfunden. Macht weiter

    Herzliche Grüsse Edi Rieben, Fotograf BR, Biel/Arles

  3. Ursula Biondi

    Jean Ziegler zeigt Mut hinzustehen und ich danke ihm dafür! Ich hoffe fest, dass sich noch weitere Verantwortliche melden werden.

    Wie ich es am „Zwischenbilanzworkshop der UEK“, am 18. Januar 2017 bereits erwähnt habe, hätte das ganze Leiden und der ganze Energieverschleiss für die Aufarbeitung vermieden oder gelindert werden können, wenn der Staat seinerzeit die administrativ versorgte Menschen – zumindest nach der Ratifikation der EMRK 1981 rehabilitiert hätte. – Nein, der Staat hat es nicht für nötig gehalten, dies zu tun. Tausende von administrativ versorgten Menschen mussten buchstäblich da hindurch, was ihnen bis heute zu all den Traumatisierungen, Flashbacks und Stigmatisierungen, etc. zusätzlich noch einen Rattenschwanz von Widrigkeiten beschert!

    Abschliessend: Der ganze unerbittliche Kampf der Betroffenen dient schliesslich auch der Vorbeugung, damit ähnliche Verbrechen gegenüber Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, nicht mehr passieren können. Dies sind wir der nächsten Generation schuldig.

    ehem. Präsidentin Verein RAVIA (Administrativ-Versorgte 1942-1981) & Mitglied des Initiativkomitees Wiedergutmachungsinitiative
    http://www.administrativ-versorgte.ch

    • hauhau

      UND alle opfer warten….
      ganz genau dieser Meinung bin ich auch, verstehe die Warterei auch n icht, nachdem klar ist das nur 75mio. fr gebraucht wir (4000 pers.) ich habe mein gesuch im nov.2016 eingereicht, nachdem ich dankbarerweise einen zustupf vom solidaritätsfonds erhalten habe, und klar ist das ich nach 17 jahren Psychotherapie zur traumaaufarbeitung klar ein opfer bin, warten wir halt bis wir sterben wie wir gelebt haben am rande der Gesellschaft, arm geboren arm gestorben was sollst, Hauptsache das über 200 mio. zurück an den Staat geht und nicht den opfern zugute kommt, bravo, die Gesellschaft sprich Politiker haben echt toll was gelernt aus der geschite, ohrfeigen sind wir opfer ja gewöhnt, es schmerzt mittlerweilen auch nicht mehr, eine mehr….

    • R. Rüedi

      Bravo Fau Biondi. Wie recht Sie (leider) doch haben. Ein Land, dessen Vergangenheit so dunkle Schatten wie die der Schweiz hinterlässt, hätte allen Grund, sich gegenüber Opfern von FSZM sozialer und wohlwohlender zu verhalten. Z.B. Kooperation mit Nazideutschland im 2. Weltkrieg, Holocaust, Goldmillionen der NB usw. usw. Die Nichtkooperation und Passivität durch BR Sommaruga und den Delegierten Mader in unserer Sache ist geradezu himmelschreiend. Von dem uns angebotenen Almosen noch gar nicht gesprochen. Man setze nur einmal die 300 Mio bzw. 25’000.00 Franken ins Verhältnis zu dem Nationalbankgewinn von 54 Mia bzw. den 1,33 Mia Ausschüttungen an die Kantone und man stellt leicht fest, dass Geld im Ueberfluss vorhanden ist. Einfach nicht für uns Aermste, den Betroffenen. Ein 3-faches Pfui für Helvetia!

  4. Uigeadail Eisenberg

    Hmm, ich bin einer derer, die am Schluss versorgt wurden. Mit Jahrgang 1965 habe ich vieles dennoch mitgemacht. Ab Geburt den Unehelichen Eltern weggenommen, zu Pflegeeltern gesteckt, neuen Namen bekommen, nach Jahren liessen sich die Pflegeeltern scheiden und ich kam zur Pflegemutter und erhielt wieder neuen Namen, danach abgeschoben in Heime, Internate, Klosterinternate, Schwererziehbare Kinder Anstalten und so weiter. Schläge, Sexueller Missbrauch alles durchgemacht. Gebrochen haben sie mich nie.

    Doch die Gesundheit leidet darunter, heute mit 53 bin ich ein seelisches Wrack, Körperlich auch nicht mehr auf der Höhe. Beginne jetzt eine Traumatherapie. Bin Arbeitslose, finde nichts mehr, bin zu kaputt.

    Und dann wird eröffnet, dass zuerst die 75 Jährigen Kranken dran kommen. Ok damit kann ich leben, dann, heisst es in zweiter Welle die über 60 Jährigen und dann erst die anderen.

    Das heisst, ich bin wenn ich Glück habe, 2021 drann. Nur weiss ich dann wie es mir geht..ob ich dann noch zurechnungsfähig bin. Denn ich zweifel schon heute…

    • Ja; Sie weisen auf wichtige Kriterien hin, die aufzeigen, was diese Aufarbeitung antreibt. Es gäbe viel aufzuzeigen, anhand der Organisationsstruktur der BJ-Aufarbeiung, anhand der Machtfülle einzelner Beauftragter, anhand des Umganges mit der Soforthilfe, anhand der Zeugnisse, die öffentlich transportiert wurden, anhand des Umganges mit dem „Solidaritäts“Beitrag, anhand des Umganges mit der Möglichkeit ein Selbsthilfeprojekt zu verwirklichen. Dabei zeigt sich sehr deutlich und ohne weiteres nachweisbar, dass „jüngere“ Zeitzeugen FSZM diskriminiert wurden und werden, weil wir mit unserem Zeugnis aufzeigen könnten, wie die Diffamierungskampagnen gegen Sozialhilfe-, IV-Revisionsbetroffene wirkt. Denn damit hätten sich dieselben fragen müssen, wie sie wieder Menschen (und wieder aus unteren Schichten), heute noch massiv beschädigen, gar in ihrer Würde (per Gesetz, per Richtlinien) verletzen. Bis weit in „linke“ Kreise ist inzwischen wieder selbstverständlich, dass Armutsbetroffene bspw. in ihrem Niederlassungsrecht eingeschränkt, gar verhindert werden. Recht auf Hilfe in Not, hat inzwischen wieder nur, wer sich verdingen lässt. Und es wird noch viel schlimmer werden, wenn man die momentanen Vorstösse, Vernehmlassungen nur schon bezüglich IV studiert. Beispielsweise würde die Soforthilfe geschaffen, um die materiell Ärmsten unter uns etwas zu unterstützen. Das war ursprünglich der Auftrag. Dann wurden plötzlich und stillschweigend neue Kriterien beschlossen. Wer sehr alt und nachweisbar krank war, erhielt höhere, meist wohl gar den Höchstbetrag. Dasselbe beim Auszahlungsmodus zum Solibeitrag. Auch ich rechne damit, dass gerade wir „Jüngeren“ auf die möglichst lange Bank geschoben werden. Wir haben noch zusätzlich das Pech, dass wir in einer wirtschaftlich-gesellschaftlicher Situation zunehmend alt werden, indem Menschen bis in die Mittelschicht, mir nichts, dir nichts, ins Aus befördert werden. Mit fatalen Folgen. Und dies auch noch, mit der absuluten Garantie, dass unsere körperlichen Beschädigung, durch massive Misshandlungen, die an Folter nicht nur erinnern, sich naturgemäss ab einem gewissen Alter Bahn brechen. Aber; es lohnt eben, gerade an uns „Jüngeren“ zu sparen, weil so auch noch die Mindestrente gespart werden kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir noch vor der Auszahlung sterben, wird damit befördert. Und das zeigt auf, wie groß die Missachtung gegen Armutsbetroffene allgemein ist. Denn die 25000 Franken sind alles andere als nachhaltig. Sie werden uns Armutsbetroffenen nur eine kurze Zeit ermöglichen, in der wir nicht um alles betteln müssen, in der wir auch mal Zug fahren können, in ein Restaurant gehen können, endlich ein neues Bett kaufen können,usw. usf. Denn genau das wird sehr laut verschwiegen; wie es sich lebt, wenn man jahrelang in der Sozialhilfe zu verharren hat, ohne geringste Chance, egal, wie oft man sich bewirbt. Und wie tödlich das sein kann. Und längst hätte man wenigstens anhand der Soforthilfegesuche erheben können, wie viele von uns in der Sozialhilfe landeten, weil die IV-Revisionen angetrieben wurden. Und gerade am Umgang mit uns, die wir durch Armut und Krankheit verletzlich sind, misst sich die Schwäche dieser Aufarbeitung.

  5. R.Rüedi

    Danke Herr Ziegler. Was ich bzw. wir zahlreichen Betroffene schon immer wussten ist, dass die Schweiz je länger als mehr als (Un)rechtsstaat entwickelt hat. Demokratie ist in diesem Land zu einem Fremdwort mutiert. Als selbst (Jg. 45) schwer Betroffener, renne ich seit 7 Jahren gegen eine Wand. Als Baby verfrachtete man mich in ein Babyheim. Mit 6 Jahren für 5 Jahre in ein Kinderheim. Alsdann auf 2 Bauernhöfe mit Schwerstarbeit. Das genügte aber noch nicht. Unbescholten und mit lupenreinem Leumund landete ich für 2 Jahre in einem Schwererziehbarenheim unter Kriminellen. Ungezählte Anläüfe an Aemter und Institutionen nach den Gründen sind mir kategorisch verweigert worden. Selbst die Suche nach meinem biologischen Vater wurde durch diese Staatsscheusale verweigert. Und überhaupt besteht der zwingende Verdacht, dass der Staat mit gewissen Aemtern und Gemeinden etc. gemeinsame Sache macht, dass ja nichts an die Oeffentlichkeit gelangt. Dass die Schweiz aus ihren dunkeln Kapiteln in der Vergangenheit überhaupt nicht gelernt hat und auch nicht gewillt ist zu lernen, demonstriert sie uns aus niedrigen Gründen tagtäglich. Und auf dieses „Helvetchen“ sollen wir noch stolz sein. Das ich nicht lache. Ehre wem sie gebührt – Verachtung wer sie redlich verdient…
    R. Rüedi

  6. Christian

    Zu später Stund…
    Herzlichen Dank Herr Ziegler, Ihre Worte sind weitere wichtige Signale & Zeichen! Es macht aufmerksam das Lernprozesse & Veränderungen möglich sind, auch wenn es verständlicherweise für gewisse Betroffene zu langsam oder zu spät geschieht – viele Betroffene sind schon lange von uns gegangen. Und nun zeichnet es sich ab, dass vermutlich ein grosser Teil an Betroffene sich nicht für den Solidaritätsbeitrag & für die wissenschaftliche Aufarbeitung melden werden. Einige Gründe kann man aus dem Artikel & aus den Kommentaren entnehmen, und auf weitere möchte ich gerne noch hinweisen.
    Also, es gibt Betroffene die bräuchten eigentlich mehr Zeit für die Anmeldung, weil sie psychisch nicht in der Verfassung sind in der gegebener Frist zu reagieren. Das ist nicht Ausdruck von Unvermögen, sondern Ausdruck der immensen psychischen & seelischen Schädigungen und die kleineren Schritte die diese Betroffene (in ihrem Leben) unternehmen können.
    Nicht zu vergessen sind Betroffene die geistig/mental handikapiert sind, wenn die keine Hilfe erhalten, werden sie vermutlich auch nichts tun – es muss davon ausgegangen werden das solche Betroffene die ganze “Sache“ vermutlich nicht einmal verstehen & nachvollziehen können.
    Weitere Betroffene werden sich nicht melden, weil der Solidaritätsbeitrag keine “Reparation“ darstellt!!
    Andere Betroffene werden sich nicht melden (können), weil sie z.B. bei den Anlaufstellen/Opferhilfe schikaniert oder während der Aktensuche in die Irre geführt, angelogen und/oder eingeschüchtert wurden. Das ist mir persönlich geschehen, deshalb wird nun bei gegebener Zeit Strafanzeige erstattet. Jetzt muss offenbar abgeklärt werden, ob dass “Recht auf Akteneinsicht“ besteht oder nicht.
    Weitere Gründe sind Ängste vor erneuter Stigmatisierung und Ausgrenzung, welche auch die Kinder von Betroffenen treffen können.
    Auch haben Betroffene Angst sich zu “outen“, z.B. wegen Repressionen, “Bestrafungen“ die eintreten können – denn so einige Täter/Innen, bzw. (ehemalige) Verantwortliche (und/oder ihre Kinder) sind noch am leben & das sind zum Teil “gefährliche“ Menschen mit Beziehungen/Netzwerke/Seilschaften usw..
    Ein weiterer Grund weshalb sich Betroffene nicht melden ist die Tatsache, dass zum Teil ihre Kinder zu den “Opfer nach 1981“ gehören! Die Problematik “Nach 1981“ (“Behördenwillkür“) ist selbstverständlich für die aktuelle bürgerliche dominierte Regierung in Bundes-Bern ein heisses Eisen. Je näher auf der Zeitachse solche Probleme heranrücken, um so grösser der Drang negieren, verdrängen und/oder verschleiern zu wollen.

    Also, die Gründe für das nicht melden sind vielschichtig. Und Wertesysteme, Verhaltensmuster und Eigenschaften wofür Sie Herr Ziegler sich jetzt schämen, sind heute auf eine Weise leider genau so präsent wie in der Vergangenheit.
    Jemand sagte mal: „man kann Menschen in Schulen, in höhere Ausbildungen schicken, aber man kann nicht machen das sie lernen.“ Also, der Über-Lebenskampf in der Schweiz geht weiter und wichtig ist, dass wir Betroffene nicht aufgeben – auch ihr “Opfer nach 1981“, haltet durch und/oder fangt auch an (mit) zu kämpfen!

  7. Ja, Herr Zieglers Hinstehen ist wichtig. Und die Kommentare aller Zeitzeugen FSZM hier haben Gehalt, zeigen auf, was hätte bewegt werden können, hätten wenigstens nach dem Casino-Anlass April 13 unsere Zeugnisse Öffentlichkeit erhalten. Nur schon der Umstand, dass während den letzten Jahren nur ausgesuchte Zeugnisse gehört werden konnten, zeigt die Verlogenheit dieser Aufarbeitung, denn Tausende sind in den letzten Jahren gestorben (worden). Und jetzt beginnt es erst, dass unser Leid besprochen, verhandelt wird. Während Jahrzehnten wurde die Unterschicht (i.a.R.) dienstbar gemacht, durch Verdingung. Allein im Kanton Bern wurden während Kriegs- und Krisenjahren tausende Kinder pro Jahr zu Zwangsarbeitern. Versucht man, anhand von wissenschaftlichen Studien, Berichten, herauszufinden, wie viele Kinder aus der Unterschicht nur schon ab 1848 Opfer wurden, könnte man auf eine Zahl von 6 Mio. kommen. Der „Reichtum“ der Schweiz wuchs also nicht „nur“, indem die Schweizer Obrigkeit allzu gerne das Gold der Nazis in Sicherheit brachten; er wuchs auch durch all die Kinder, die in Fabriken, bei Bauern, usw. verheizt wurden. Und selbstverständlich hörte das mit Gesetzesänderung per 1981 nicht auf. Die Kinderarbeit, übrigens, die bereits vor 1900 in Fabriken verboten war, wurde erst etwa 20 Jahre später (wenigstens bei Fabriken) eingestellt. Kinderarbeit bei Bauern, gab es bis in die 90-er Jahre. Und wie lange es dauerte, bis das Frauenstimmrecht auch bis ins letzte Eck Realität war, kann jeder selber recherchieren.
    Und da, bis zum Gehtnichtmehr, diese Verbrechen an der Unterschicht unter möglichst dicke Teppiche (und immer wieder) gewischt wurden, ist eine wahrhaftige wissenschaftliche Aufarbeitung gar nicht mehr möglich. Mich hatte es kalt erwischt; ich hätte nie gedacht, dass es je auch nur annähernd auf den Teppich kommen darf; weil es die Unterschicht betraf. Nun muss ich nach vier Jahren (und ich befasse mich seit über 10 Jahren intensiv mit dem Thema) feststellen, dass wir schlicht benutzt wurden, weiterhin benutzt werden. Da dachte wohl jemand, der Bauernpartei eins vor den Bug knallen zu können, weil man in ein Departement versorgt wurde? Nicht wissend, dass die TäterInnen aus fast allen Berufs“schichten“ kommen, vom Bauern, über den Pfarrer, die Polizei und viele, viele Juristen (meist Männer)? Inzwischen frage ich mich, ob die Vorsteherin überhaupt wusste, wofür sie sich entschuldigte? Und dann, während der letzten vier Jahre zu erfahren, dass dieses „wir reden mit ihnen“ nur eine Farce war, ausschließlich den Geheimnis- und Informationsträgern am Runden Tisch, nun der Cocosol, zugestanden wird. Und wie geschlossen diese Gefässe sind, kann jeder Zeitzeuge FSZM herausfinden. Wir, der Rest, wird missachtet, gar abgewertet, diffamiert.
    Noch ein Hinweis, um aufzuzeigen, wie „wichtig“ die Verbrechen an uns sind. Als die Fichenaffäre aufflog, brodelte es, namhafte Schriftsteller gingen auf die Barrikaden. Überlegen Sie alle mal, was mit uns gemacht wird: Wir wurden alle nicht nur fichiert, sondern die meisten von uns an Körper und Seele derart beschädigt, dass wir, selbst wenn uns eine Ausbildung ermöglicht/erlaubt worden wäre, bis an unser Lebensende mit Schmerzen zu leben haben. Und selbst das haben wir gelernt, ist für uns tägliches Brot. Und, wie und wer redet öffentlich über unsere Erfahrungen? Ich könnte noch sehr, sehr viel schreiben, schrieb sehr viel, dokumentierte. Und damit bin ich nicht alleine. Irgendwann wird sich vielleicht jemand die Mühe machen, diese BJ-Aufarbeitung aufzuarbeiten, all die Mails zu lesen, die missachtet wurden, ab und an mit schlimmen Zuschreibungen „beantwortet“ wurden. Nur die Zeitzeugen FSZM mit ausreichend sozialem Status, mit Netzwerk, konnte man nicht derart übergehen. Jetzt hoffe ich, dass mein langer Kommentar veröffentlicht wird; denn ihr habt Kinder, wie Schmetterlinge, flügelschlagend ins Feuer der Nutzbarmachung geworfen (Anlehnung an Nelly Sachs). Gabriela Pereira

    • hauhau

      @Gabriela Pereira sie haben absolut recht, mich persönlich wird es bis ins grab „verfolgen“, von den 25000 gebe ich meinen 2 kindern und meiner frau (getrennt infolge meiner Psyche) total 15000 damit ich wenigstens ein bisschen was vererben kann, das ist mir wichtig, ich bin dankbar das wir etwas erhalten und vielleicht wenigstens 1-3 jahre uns ein neues bett leisten und mal auswärts essen könne, einen monatlichen zustupf wäre für viele vielleicht noch besser, ich habe erst letztes jahr angefangen meine kinder (30 u31jährig) zu informieren was mir wiederfahren ist als ich als 3 jähriger in die lieblose welt geworfen wurde, schrecklich, meine kindern können nicht mal zuhören was mir wiederfahren ist ohne zu weihnen (und selber hilflos zuzuhören) also höre ich auf mehr zu erzählen, was denkt die Gesellschaft, was ich meinen überalles geliebten kindern „unbewusst,als last und Stigmata“ …. „mitgegeben“ habe?? die vererbungs-sünde ohne schuld….. in diesem sinne fordere ich die Politiker dringend auf, die restlich zugesprochenen Millionen (ca.150-200) für opfer zu reservieren und die fristen zur Einreichung eines gesuches zu verlängern (reservieren) und nicht einfach wieder zurück in die staatkasse zu legen und ende feuer!!! allenfalls eine monatlichen rentenzustupf zu prüfen damit wir opfer wengistens etwas länger ein menschwürdiges Lebensende führen dürfen, infolge der seelischen schäden werden opfer leider nicht all zu alt, dien narben töten… geschweige allen die es nicht mehr ertrugen und ihrem leben/vegetieren ein ende setzten, …….für aussenstehenden ist es unmöglich „unser Trauma“ zu verstehen, unmöglich… …ich hoffe die taten für „uns“ werden folgen…….und nicht nur schöne worte….. herr prof. ziegler hat einen anfang gemacht, ich hoffe vielen werden ihm folgen, die Hoffnung stirbt am schluss…….

      • Gabriela Pereira

        @hauhau (was für ein Nick!) Ja, das sehe ich auch so: Sozialer Status wird deshalb an die Nachkommen weiter gegeben, weil die Schichten derart voneinander getrennt leben. Gerade wir könnten erzählen, wie systematisch wir von allen Ressourcen fern gehalten wurden. Es geht da oben um Machterhalt. Deshalb erwarte ich von da gar nichts, was unsere Leben endlich verbessern könnte. Nur eine kurze Zeit hatte ich zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer. Aber nachdem das Gesetz durch war, fielen alle Masken. Anstatt nun zu akzeptieren, dass sich etwa 6000 Zeitzeugen FSZM bis Ende März 18 melden werden (und damit die Entscheidung derer zu respektieren, die kein Gesuch stellen wollen), alles für die Gesuchssteller zu tun, die in Armut leben (laut Mail des BJ sind ein Drittel unter 66 Jahre alt), sie endlich würdig zu behandeln (und ich verstehe die Würde der Menschen als die Möglichkeit selbstbestimmt zu handeln und zu denken), werden wir für parteipolitische Grabenkämpfe benutzt. Wenn nun die Frist verlängert würde, ohne unsere Situation zu verbessern (hieße auch keine Verzögerungen bei der Auszahlung), dann ginge das wieder zu unseren Lasten. Alles was dieses Trauerspiel und die Berichterstattung darüber verlängert, kann ich nicht mehr gut finden. Weil sich einige mit unserem Leid als ihre Bühne profilieren mussten. Denn es ist zu erwarten, dass Herr Ziegler die Ausnahme bleiben wird, und auch diese kleine Gelegenheit, wo alle, die wollen, schreiben können. Es wird weiterhin Mist über uns erzählt werden, und man könnte bei fast allem, was in den Medien über uns geschrieben oder gesagt wurde, sehr selektive Fakten finden. Ausgelassen wurde immer dasselbe; das, was verraten hätte können, dass die TäterInnen selbstverständlich noch leben. Das, was verraten hätte können, dass längst wieder ähnliche Zwangsmaßnahmen eingeführt wurden. Und nun wird noch darüber geschwafelt, warum sich zu wenige (sic!) meldeten, so, als hätte man nicht sehr gezielt darauf hingearbeitet, damit sich möglichst wenige melden (deshalb die Deckelung von höchsten 25000.-); durch den Umgang des BJ mit uns, durch die Organisationsstruktur dieser Aufarbeitung des BJ. Ich habe Betroffenenforen erlebt, wo ich innerlich nur noch schreien konnte, danach tagelang krank war. Man hatte keine Chance. Nicht nur durch den viel zu engen und grellen Raum, sondern auch, weil all die Not, die diese Aufarbeitung bei uns bewirkte, dort sich Bahn brechen musste. Und das Schlimme ist, dass es nicht lange dauerte, bis uns die Schuld gegeben wurde, bis wir gegeneinander ausgespielt wurden. Ich konnte diese Aufarbeitung nicht ignorieren, schaffte das nicht, weil ich schon immer an gesellschaftlichen Themen interessiert war. Aber ich bewundere alle, die dieser Aufarbeitung das zeigen konnten, was sie verdient hat: ihren verlängerten Rücken. Sei es, weil sie nun wenigstens eine Rente haben, nicht mehr täglich um ihre Existenz ringen müssen, sei es, weil sie nun wieder eine Familie haben, die ihnen gut tut. Aber eben, nicht mal dazu reichte die Berichterstattung, nämlich endlich breit zu berichten, dass unsere Familien systematisch auseinandergerissen wurden, dass wir immer wieder zu verreisen hatten, teilweise in fast alle Kantone dieses Landes, dass wir kaum Möglichkeiten hatten, uns wieder ein haltendes soziales Netz zu knüpfen. Und das steht im allerkrassesten Widerspruch zu all den Seilschaften, über die PolitikerInnen, aber auch die Behördenvertreter des Runden Tisches, jederzeit, formell oder informell, zu verfügen wissen. Ich möchte nicht mehr mit diesem Mist zugedeckt werden, um dann auch noch vernehmen zu müssen, wie sehr ich stinke. Wirklich nicht. Wir hätten so viel zu erzählen, jeder von uns. Aber es reden immer dieselben. Und indem nun wieder verschwiegen wird, dass unter uns viele Armutsbetroffene sind, dass es viele eben nicht geschafft haben, sondern geschafft wurden, aber trotzdem noch leben (und immer, wenn uns mal Raum gegeben wird, kommt auch diese Kraft in uns deutlich zum Ausdruck), wird nicht nur die Armut weiterhin in die Schamecke gestellt, sondern wird der nicht mehr enden wollenden Diffamierung gegen Armutsbetroffene in der Schweiz (egal ob mit oder ohne Pass) auch noch diese Bühne gelassen, und damit die Stigmatisierung für Jahre zementiert. Hier wurde eine große Chance auf parteipolitischer Ebene einfach so verspielt. Und wurde gezielt verspielt. Denn dort oben mag es SP haben, doch i.a.R. nur der rechte Flügel.

  8. Robby Basler

    Jean Ziegler hat von mir ja reichlich völkerrechtliches Material über Weihnachten erhalten, um die rechtliche Stellung der Opfergruppe zu klären. Offensichtlich ist ihm jetzt vieles noch bewusster als zuvor. Jedoch in einer Wertegesellschaft des kapitalistischen Wohlstandes findet nur das Gehör was am lautesten schreit, und macht sich nur das bemerkbar, was mit Ellbogen am stärksten um sich schlagen kann. Und genau jenes auf sich aufmerksam machen blieb zu Zeiten der Ratifizierung aus. Mann hatte einfach nicht die Dimension des Ausmaßes in den Jahren der Verhandlungsgespräche zu den Menschenrechten vorausgesehen und sich auch nicht die Mühe gemacht, es zu wollen, weil man ganz fest damit rechnete, maximal Einzelfälle vorzufinden, wenn überhaupt an Mangel aus Erfahrung sich in Opferrollen versetzt werden konnte. Politiker und Diplomaten kommen in aller Regel aus gutem Hause mit 1A-Laufbahn, dass denen ein Leben von Verdingten mehr als fremd war bzw. zum Unbekannten Dunklen des Kosmos gehörte. Die Schuld nun bei genau jenen jetzt aufladen zu wollen, dem dies Leid tut und dies bereut ist der falsche Weg. Jean Ziegler setzt sich nämlich als einer der wenigen Berater des UN-Menschenrechtsausschusses ausgerechnet für unsere Opfergruppe ein. Daher muss wenn schon nach einer kollektiven Schuld gesucht wird, zu erst das Verbrechen eingestuft werden, um zu wissen, welcher Verantwortung Staat und Gesellschaft überhaupt aufgebürdet werden kann. Und dann wird man auch fündig und wird feststellen, dass nicht unbedingt der Einzelne in der Politik haftbar zu machen ist, aber mit Sicherheit über Staatshaftung geredet werden muss, für das Fremdverschulden aufkommen zu müssen, weil die Aufsichts- und Schutzpflichten versagt wurden. Hierfür stehe ich im April für 3 Tage vor den Vereinten Nationen in Genf und schließe die Opferdaseinsglaubhaftmachung der Opfergruppe ab. Im Grunde sind die Verbrechen der Staaten in völkerrechtlicher Sicht alle identisch. Niemand hindert uns, noch einmal gemeinsam das gewisse mehr zu fordern, was sich über einem Hilfepaket bewegt, nämlich die Rechte auf Entschädigung, Genesung der Würde, Wiedereingliederung in die Gesellschaft und Folgeschadenausgleich. Die Resolution 60/147 in Verbindung mit Art. 39 der Kinderrechtskonvention gilt nämlich auch in der Schweiz. Wer mich also in Genf unterstützen möchte, kann sich gerne bei mir melden. basler-photography@t-online.de

    • Gabriela Pereira

      Guten Abend Robby Basler, die Verbrechen in der Schweiz mit den Verbrechen im Nachkriegsdeutschland an Minderjährigen zu mischen, finde ich in dem Sinne nicht richtig, als damit die Fakten (also die Verbrechen an uns) in der Schweiz unter den Teppich gewischt werden. Das Ausmaß in der Schweiz, auch die Dauer, ist nicht zu vergleichen, das Verbrechen an sich durchaus. Nur so viel: bereits 2008 machten sich zwei Forschende die Mühe, ungefähr einzuschätzen, wie viele Kinder aus der Unterschicht nur schon an Bauern verdingt wurden. Zu Krisen- und Kriegszeiten (also vor dem ersten Weltkrieg). Es sollen mit einiger Wahrscheinlichkeit Hunderttausende pro Jahr gewesen sein. Dies gelang, weil die Schweiz akribisch Buch führte. Und unterschiedlichste Menschen haben zu unterschiedlichsten Zeit enimmer wieder auf diese Verbrechen hingewiesen (z.B. Jeremias Gotthelf (1797 – 1854). Die PolitikerInnen wussten sogar derart deutlich über das Ausmaß Bescheid, dass sie bei der Anerkennung des Unrechts an Administrativ Versorgten um 2000 frei heraus sagten, dass dies nicht gehe, weil dies ein Rattenschwanz an Forderungen nach sich ziehen könnte. Es ist schlicht eine weit verbreitete Haltung, die sich, durch diese jahrzehntelangen Verbrechen, fest in das Verhalten geritzt hat, hier in der Schweiz; dass man über Arme einfach so verfügen darf. Und Schuld sind, entgegen aller Fakten, immer die Armen.
      Für Genf gutes Gelingen.

      • Robby Basler

        Hallo Gabriela Pereira, danke für Ihre Bemerkung. Zur Geschichte der Euthanasie gibt es zu den schweizer Opfern lediglich jenes Alleinstellungsmerkmal, dass die Schweiz eben nicht von den Alliierten entnazifiziert wurde und swomit die Euthansie nicht so kurzfistig durch in Fragestellung ein vermeintliches Ende finden konnte, wie in Deutschland. Vermeintlich deshalb, weil die Euthanasie mit anderen Mitteln, wie jene des Belassens in Lebensverhältnisse, die der Vernichtung dienen können, oder die Fähigkeit von Familiengründung und Fortpflanzungfähigkeit stark beeinflussen, fortgesetzt werden. Leider brauchte das Völkerrecht erst zwei Weltkriege, um aus der Asche Auschwitzes die Menschenrechtskonvention zu erschaffen. Und genau hier liegt völkerrechtlich der Ausgangspunkt, um Verbrechen dieser Art überhaupt völkerstrafrechtlich verfolgen zu können. Problematischer wird es, hierfür den Strafgerichtshof zu bestimmen. Denn das Römische Statut, auf dessen das Völkerstrafrecht ruht, wurde erst in den 1990-ziger Jahren ratifiziert. Es bräuchte also einen freiwillig errichteten Sonderstrafgerichtshof, der die Form des Verbrechens, die Anzahl der Opfer und Verantwortliche der Schuld rechtsverbindlich bestimmt. Danach wäre denkbar, den Menschenrechtsgerichtshof anzurufen, und ähnlich wie im Fall Armenien, feststellen zu lassen, ob die Schweiz des Völkermords bezichtigt werden darf. Doch hier betreten wir als Opfergruppe gleich welcher Nation gemeinsam völkerrechtliches Neuland und werden viele Hürden zu bewältigen haben, um für das Menschenrecht das Tor zur Gerechtigkeit aufzustoßen. Daher sollten wir uns nicht scheuen, das Leid der Schweizer neben dem Leid der Deutschen aufzuzählen, um solidarisch bei den Vereinten Nationen ein Umdenken zu erreichen. Es ist jedenfalls jeder Schweizer eingeladen, mich am 24., 25. und 26. April auf dem Platz der Nation zur Opferdaseinsglaubhaftmachungs- Abschlusskundgebung zu unterstützen. Mehr kann ich als Einzelner der Opfergruppe nicht anbieten.

  9. Uigeadail Eisenberg

    Nun ich habe da noch mehr anzufügen. Es geht hier nicht nur um die Reparationszahlungen an uns Adminstrativ Versorgten oder Verdingkinder.

    Es geht um Schweizergrundrecht.

    Ich war immer der Meinung ich sei Schweizer, denn ich wurde auf einen Schweizer Namen getauft, sogar auf einen alteingesessenen. Auch in der Schule wenn ich denn mal zur Schule durfte, ging ich als Schweizer durch.

    Ich fühlte mich auch als Schweizer, einfach mit dem Pech behafftet, dass es mir halt nicht so gut geht, wie anderen Töchern oder Söhnen. Aber ich war tapfer. Und stolz, denn ich war Schweizer. Egal was die Schläge mir antaten. Egal was Priester an mir fanden. Egal wo ich weggesperrt wurde. Ich war Schweizer.

    Mit 14 Jahren wurde mir von der Amtsvormundschaft eröffnet, Du bist kein Schweizer, Du bekommst jetzt wieder einen anderen Namen und bist ab sofort Jugoslave, denn Deine Mutter ist Jugoslavin.

    Interessant, ich hatte keine Mutter. Früher nannte ich meine Pflegemutter Mami. Aber das ist Jahre her. Ich hatte nie eine Mutter. Selbst eine leibliche Mutter nicht.

    Aber was ist mit meinem Vater? Fragte ich. Nun Du hast keinen Vater. Punkt.

    Komischerweise hatte ich nie einen Jugoslavischen Pass. Ich konnte nie reisen. Ich versuchte mich 6mal einzubürgern. Keine Chance. Briefe über Briefe. Daran stand immer das Gleiche. Ich habe den Status eines Schweizers nicht.

    Was heisst das ? Ich bin in der Schweiz gebohren. Ich habe gearbeitet als Kind bei Bauern, in Heimen, in Anstalten weggesperrt in der Schweiz. Spreche perfektes Schweizerdeutsch. Bin in der Innerschweiz gross geworden. Kann alles über die Schweiz erzählen, denn ich war ein aufmerksamer Schüler, wenn ich denn mal in die Schule durfte.

    Nun Herr Ziegler, sagen Sie mir bitte mal, warum ich kein Schweizer sein darf? Denn laut Gesetz müsste ich Schweizer sein, denn laut Adoptionsrecht kriege ich die Nationalität der Adoptionseltern.

    Ach ja stimmt, ich wurde ja nie adoptiert, weil die Schweizerbehörden zugeschaut haben, wie eine Pflegemutter sich weigerte mich zu adoptieren.

    Wie kann es sein, dass ein Kind zu adoptionswilligen Eltern gebracht wird, und es nie adoptiert wird?

    Aber es geht ja noch weiter. Ich habe per Zufall den original Verzichtsschein meiner leiblichen Mutter bekommen. Darin verzichtet sie ganz klar, dass ich ihre Staatsbürgerschaft bekomme und freue sich, dass ich hier in der Schweiz bleiben darf als Schweizer.

    Was ich nicht wusste, und erst 2017 erfuhr, da ich nach Jahren des Kampfes endlich meine Akten einsehen durfte im Stadtarchiv Zürich. Dass meine leibliche Mutter gezwungen wurde dieses Dokument zu unterschreiben, und postwendend 3 Tage nach meiner Geburt aus der Schweiz ausgeschafft wurde.

    Und was ist mit meinem Vater? Diese Frage hat seine Berechtigung, denn laut den Akten im Stadtarchiv Zürich, wurde PER GERICHT festgstellt, dass er mein leiblicher Vater ist. Und er hat dies auch unterzeichnet. Er musste auch Jahre über Jahre sozusagen Allimente bezahlen. Nur das Geld wo ist das geblieben ? Durch die Amtvormünder die ich hatte schön abgebucht worden und das Sparbuch war leer. Aber das weiss man schon, dass vielen Leuten diese Vermögen abhanden kamen, da bin ich kein Einzelfall.

    Und dennoch bin ich wohl einer der wenigen, trotz aktenkundiger Gerichtlicher Annerkennung durch meinen leiblichen Vater, nicht seine Staatsbürgerschaft bekam. Nämlich Schweizer.

    Ich bin heute 53, hab das oben schon geschrieben. Heute noch bin ich Staatenlose. Ich kann nicht reisen. Meine Frau und mein Sohn müssen alleine ins nahe Ausland reisen. Meine Frau ist Italienierin, mein Sohn durfte sich einbürgern, er ist Schweizer. Meine Frau hat Verwandte im Ausland, Italien genauso wie in Deutschland.

    Ich darf nicht reisen. Solche Sachen sollten auch mal genannt werden, denn die Schweiz verweigert mir ein Bürgerrecht. Sagt immer noch, Du bist Jugoslave. Nein bin ich nicht, ich kann die Sprache nicht, ich kenne meine Mutter nicht, ich kann nicht reisen.

    Mentalität? Das ist auch so ein Unwort. Ich werde regelmässig von den Behörden beschimpft, sogar Telefone werden mir aufgehängt mit den Worten, typisch Jugo.

    Herr Ziegler beantworten Sie mir bitte diese Frage, warum darf ich mich nicht einbürgern? Weil vielleicht da noch mehr zum Vorschein kommen könnte? Kann es sein, dass ich nicht der Einzige bin?

    Leider bin ich wohl immer noch so blöde, stolz auf die Schweiz zu sein. Ein Staat der mich geprügelt hat, der mir Grundrechte verweigert hat.

    Harte Worte, ich weiss, aber es muss mal aus dieser Sicht gesagt werden. Viele denken jetzt sicher, das gehört hier nicht her.

    Doch gehört es, denn es ist eine gleiche Schublade, nur eine die man noch nicht geöffnet hat.

    • Gabriela Pereira

      Lieber Herr Eisenberg, es erstaunt mich immer wieder, wie viel ans Licht kommt, wenn uns nur schon diese kleine Möglichkeit gegeben wird. Deshalb wohl, wurde sehr gezielt verhindert, dass Zeugnisse, wie das Ihre, und auch meines, je auch nur im Ansatz Öffentlichkeit finden konnten. Wir haben also Schicksalsverwandtheit, und wenn meine Mutter nicht, obwohl sie so das Erbe verlor, nach Zürich „geflüchtet“ wäre, ich dort endlich eine gute Sozialfürsorgerin vorfand, wäre auch ich immer noch staatenlos. Als mein Vater starb, wurde nicht nur das Erbe unter Verwaltung genommen, sondern es wurde an die kleine Bauerngemeinde gebunden. Und da ich unehelich war, wurde ich, trotz etlichen Interventionen meines Vaters, dann meiner Mutter, staatenlos gemacht. Dies alles, weil es mein Vater, der als Kind ebenfalls verdingt wurde, es wagte, sich in eine Portugiesin zu verlieben, und dafür sorgte, dass sie 1956 in die Schweiz kam. Das war ein Fehler, aber das konnte mein Vater nicht wissen, da er nicht wissen konnte, dass er 1967 sterben wird, an Krebs, der zu spät erkannt wurde. Es ist sehr wahrscheinlich, denn ich erlebe es an mir, dass er nicht erkannt wurde, weil auch er mit täglichen Schmerzen zu leben gelernt hatte, und der Gang zum Arzt möglichst nicht zu erfolgen hatte. Wir haben gelernt, uns auch vor Ärzten zu schützen. Dazu wird gekommen sein, dass ein ehem. Verdingbub nicht nur eine gewisse Karriere gemacht hatte, sondern auch Besitzer von zwei Mehrfamilienhäusern in dieser Bauergemeinde wurde. Also wurde er von Beginn an, mit allem geplagt, was an bürokratischer Quälerei damals möglich war. Die Fremdenpolizei überwachte uns, und als mein Vater gestorben war, wurde das voll und ganz gegen meine Mutter und mich verwendet. Das alles bezeugen die Akten, auch bei mir, obwohl die meisten Akten der unterschiedlichsten Einrichtungen, in die ich verbracht wurde (in vier Kantonen auch noch) alle verschwunden wurden. Es ist dem Umstand geschuldet, dass die Schweizer reicher wurden, durch den zweiten Weltkrieg, durch ihr Bankgeheimnis, usw., so die Ausbeutung auf Gastarbeiter zentrieren konnten, dass wohl ab dieser Zeit immer mehr auch Kinder von diesen Gastarbeitern Opfer von FSZM wurden. Doch so lange man die Staatsbürgerschaft eines anderen Staates hatte, konnten die Schweizer Behörden sich nicht alles leisten. Nur als Staatenlose war das Ausgeliefertsein total. Oder anders geschrieben: Zeugnisse, wie Ihres, auch meines, belegen wohl zu deutlich wie gezielt und durch Bürokratie totale Herrschaft über Menschen möglich gemacht werden kann. Ich wurde 1964 geboren, und selbstverständlich hat mein Vater nicht nur die Vaterschaft anerkannt, sondern scheute keine Mühe, für unser Recht zu kämpfen. Doch damals war wohl der Krebs bereits sehr präsent, obwohl er sich, mit viel Humor und Zugewandtheit, nie etwas anmerken lassen wollte. Ich erinnere drei Situation mit ihm, und alle sind warm und freundlich und liebevoll. Meinerseits wäre ich längst froh und zufrieden, hätte ich die portugiesische Staatsbürgerschaft. Aber das wäre nochmals ein langer bürokratischer Weg. Aber ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie in dem, was Sie sich wünschten, Unterstützung finden. Herzlich, Gabriela Pereira

    • hauhau

      @Uigeadail Eisenberg das ist der gipfel „deiner geschichte“ es ist wie das Pünktchen auf dem i, einfach eine riesenschweinerei und gehört hier her, es ist dein Schicksal und passt ins bild….leider, auch ich bin schweizer aber als stigmatisierter fühlte ich mich „schwarzer Hautfarbe zu haben“ bin ja nicht nur von Bauern ausgenutzt,geschlagen,erniedrigt worden auch in der schule war ich alleine, also das ist kein trost für dich … schlimm und du solltest schleunigst eingebürgert werden, wenn dir das wichtig ist, zum guten glück „durfte“ sich dein Kind einbürgern….

      @Gabriela Pereira ich hoffe immer noch das auch ganz rechts bei den linken noch die Menschlichkeit vorhanden ist ( empahtie ) von den rechten erwarte ich so etwas schon gar nicht mehr…leider. schön das wir uns hier unzensiert unterhalte dürfen… wenn wir darüber sprechen, wird es nicht besser, aber anders. ich wünsche „uns „“geschlagenen Hunden““ “ (Entschuldigung) weiterhin viel durchhalten und obwohl es schwer fällt einen „kampf“ für uns endlich einmal zu unseren gunsten zu gewinnen. (als dauernde verlierer ist das schwer)

      PS: mein nick heisst in Asien hauhau (super-gut) oder bezogen auf die schweiz eben schläge (wir mussten ja ein lebenlang mit unseren agressionen lernen zu leben, ist ja logisch..)

  10. hauhau

    @Gabriela Pereira ojee, das tut mir leid, ich gebe ihnen absolut recht! das mit den schmerzen bei verdigkindern ist so eine Sache, kenne ich gut „ein Indianer kennt keine schmerzen“ nach 1000-schlägen stellt das empfinden von schmerzen ab, ich habe mich erst in der Therapie gelernt zu spüren, zahimplantate etc, habe ich alles ohne spritze machen lassen, ich dachte das sei normal ich spürte ja keinen schmerz mehr, deshalb hatte ihr vater die zeichen „als normal“ gedeutet, schlimm aber das Resultat vom dauernd erniedrigt zu werden, nein weinen hat mich niemand gesehen ein leben lang (das wäre ja ein Eingeständnis das die Peiniger gewonnen haben) das schlimme des panzers den ich um mich aufgebaut habe, war auch durch mich selber nicht mehr zu durchdringen zu dick war „die haut“ geworden,,,,,,,, ich wünsche wirklich uns allen ein einigermassen zufridenes alter liebe grüsse und toi toi an alle…..

    • Gabriela Pereira

      Super-gut!!! Oh ja, sich die innere Lebendigkeit zu erhalten, trotz all der Totmachungsversuche, und gefühls- und herzensintelligent zu bleiben, auch noch als Unter“hunde“, die wir hätten werden müssen, unzweifelhaft und unausweichlich, Maschinen, die einfach ausführen, was befohlen wird, egal ob man damit andere Menschen/Lebewesen zerstört, sich dem nicht hinzugeben, ist für mich absolut das Wichtigste. Und hat mich die „Karriere“, die ich als Krankenschwester, später Sozialarbeiterin hätte machen können, gekostet. Und dabei ging es mir bereits ab Jugendjahren einfach „nur“ um Menschenrechte, für alle, und nicht nur für die, die es, laut Verfügungsmächtigen, verdient haben. Das wurde zum alltäglichen immer wieder damit auseinandersetzen, und danach handeln. Um so schlimmer, wahrzunehmen, dass wieder sehr gezielt, und seit mindestens 30 Jahren, unterschiedliche Rechte formuliert wurden, jede Gruppe besonders verletzlicher Menschen in der Schweiz (von Geflüchteten über Erwerbslose bis in den Strafvollzug, die Psychiatrie) nochmals in Gruppen geteilt wurden. Dazu kann ich nur Hannah Arendts messerscharfe Analyse zu Ursprüngen und Elementen totaler Herrschaft empfehlen. Auch dir alles Liebe, Gute, Schöne. Und, oh ja; gut, dass wir hier unzensiert schreiben können, und dass alle Kommentare längst abgespeichert wurden, von unterschiedlichen UnterstützerInnen, falls es dann doch noch gelöscht würde…(man muss eben ausgelassener tanzen können, um Wanzen tanzend zu verwirren:)))

  11. hauhau

    @Gabriela Pereira , genau so ist es das kenne ich sehr gut, leider eine Erfahrung die ich mir gerne erspart hätte.
    1. „“Und dabei ging es mir bereits ab Jugendjahren einfach „nur“ um Menschenrechte, für alle““

    ((natürlich hast du dich für schwächere eingesetzt, du kennst das ohmachts-gefühl und die Hoffnungslosigkeit, demütigungen….

    2. „“Und hat mich die „Karriere“, die ich als Krankenschwester, später Sozialarbeiterin hätte machen können, gekostet.““

    (( natürlich hast du auch Probleme mit Autoritäten, die ja schlussendlich immer „ihre macht“ gegen dich eingestezt haben,
    genau das ist der grund warum ich Jg.60 nicht mehr unter einem Chef arbeiten kann.
    (das verstehen leider nur ehemalige **unterhunde**

    oki ich denke habe mein leben lang noch nie so ausführlich berichtet ;-( ich fühle mit euch, die schlimmen Erfahrungen verbinden uns **leider schlimmes ,statt schönes** bis dann mal lg

  12. Gabriela Pereira

    Lieber Super-Gut, doch, ich sehe sehr viel Schönheit, weil weder geschliffen noch aalglatt, sondern pur und wahrhaftig jede(r) hier schreibt, und damit sein kann, was er ist, oder vielleicht gar werden möchte. Und diese Schönheit hat mich über die letzten vier Jahre getragen, selbst wenn es schwer wurde, wenn gestritten wurde. Und für mich waren das die schönen Erfahrungen, meist mit anderen ehem. Opfern FSZM, aber auch mit einzelnen Forschenden. Und in all dem Schlimmen, das wir hier schreiben, und damit Zeugnis abgeben, sehe ich so viel Stärke, Kraft, Schlauheit, Wissen, Lebendigkeit usw. usf., dass ich verstehen kann, wie überfordernd dies für Behörden sein kann:)) ui, dä isch itz ä bitzäli sehr bös.

    Mit autonomer Autorität (im Sinne Institutions-Stellungs-Macht) habe ich keine Mühe; nur die fern- und fremdgesteuerten sind mir unangenehm. Und die, die derart ignorant sind, dass sie nicht mal merken, oder es uns zutrauen, wie durchschaubar (oder durchfühlbar) sie eigentlich sind, verleiten mich immerhin zur Satire, oder so.
    Nein, du hast das selbstverständlich sofort erfasst. Und es war mein ganzes Leben so, immer wieder dieses „ich könne mich nicht unterordnen“. Das muss dann die Prägung meiner Mutter gewesen sein, weil immer angenehm für mich; ihre Lebendigkeit, ihr Witz, ihre Vorstellungskraft…und entsprechend dachte ich mir, und sagte es ab und an auch in unterschiedlichen Variationen: Doch, doch, ich könnte mich ohne weiteres unterordnen. Leider, leider finde ich Unterordnung nicht nur dumm (macht geistig so starr), sondern i.a.R. gefährlich. Hingegen mag ich mich sehr gerne einordnen, wenn eine Gruppe mir entspricht. Bis dann mal wieder, so hoffe ich, wenn irgendwann doch mal Räume für uns geschaffen werden könnten…

    • Uigeadail Eisenberg

      Besten Dank für den Artikel, Ursula Biondi.

      @An alle Anderen die hier schreiben, Uigeadail Eisenberg ist ein Synonym, also nicht mein richtiger Name.

      Den gebe ich nur wenigen Leuten bekannt. Ich hoffe, Ihr versteht dies.

  13. Johann Schwarz

    zur Kenntnisnahme, zur Verbreitung

    Immer wieder wurde gesagt, geschrieben, dass die Armutsbetroffenen unter uns, die bereits ein Soforthilfegesuch stellten, und also bereits überprüft wurden, nur noch Name, Adresse, Kontonummer angeben müssten und auch bei der Auszahlung des Solibeitrages priorisiert würden.

    Auch das wurde geändert. Plötzlich hiess es, auch diese Gesuche könnten nochmals einer Überprüfung unterzogen werden, und einige von uns wurden erneut in unmenschliche Bürokratie gezogen. Heute wissen wir, die wir nachweisbar finanziell prekär leben, immer noch nicht, wann wir dieses Geld erhalten, dass uns immerhin etwas Luft gäbe, für einige Monate. Nicht zuletzt, wäre uns soziale Teilhabe wenigstens für kurze Zeit damit wieder möglich.

    Denn die plötzliche Priorisierung von sehr alten Betroffenen und nachweisbar kranken Betroffenen, gind auf die Kosten von uns Armutsbetroffenen, die jünger sind, die bspw. durch die IV-Revisionen, durch eingeschränkten Zugang zu ärztlicher Betreuung, aus anderen Gründen, ihre Kranktheit eben nicht nachweisen konnten. Und diese Priorisierung bleibt ein Instrument in der Hand der Cocosol bis Ende März, oder noch länger.

    Damit spielt die Cocosol mit der Möglichkeit, dass einige von uns Armutsbetroffenen die Auszahlung nicht mehr erleben werden. FSZM hat mit Armut zu tun, und gerade die Schweiz hätte gute Armutsforschung vorzuweisen (z.B. Ueli Mäder). Wurden Armutsbetroffene, laut Erhebung um die 90-er Jahre, durchschnittlich 7 Jahre weniger alt, so sind es inzwischen um die 12 Jahre (ich muss das aus meinem Gedächtnis schreiben, weil ich nicht die Kraft habe, alles nochmals nachzuprüfen, weil fast alle meine Fachbücher den zwei Totalsanierungen meiner ehemaligen Mietwohnungen zum Opfer fielen; wenn man immer wieder umziehen muss, muss man auch aussortieren).

    Armut mindert also die Lebenserwartung durchschnittlich um die 12 Jahre. Bei ehem. Opfern von FSZM wird das deutlich höher sein, durch die massive Gewalt, die wir während vielen Jahren erlebten, durch die Traumata.

    Nicht zuletzt ist das Offenhalten, wann wir Armutsbetroffenen den Betrag erwarten dürfen, bereits ein Instrument, uns in Unsicherheit zu lassen. Dabei müsste unsere Situation wirklich nicht immer wieder noch prekärer gemacht werden. Aber genau das ist nachweisbar geschehen.

    Wir, die wir immer wieder durch unsere materielle Armut auch bei der Aufarbeitung ausgegrenzt wurden, könnten nur unermüdlich darauf hinweisen. Mehr können wir nicht.

    Ich wollte beide Mails von heute auf Work, bei Zieglers Artikel, veröffentlichen: beide wurden kurz aufgeschaltet, dann waren sie wieder weg….

    • hauhau

      @Johann Schwarz
      bravo (traurig) genau so ist es leider, hier dürfen wir wenigstens schreiben ohne Zensur, ich bin ja froh das wenigstens die „uralten“ noch etwas erhalten, ich hoffe uns armutsbetroffenen geht es nicht auch noch so, das wir uns nicht mehr freuen könne weil wir schon halbtod sind.. 🙁

      ich habe heute dem BJ ein mail gemacht und gefragt wann wir mit dem Protokoll der Sitzung vom 7.dez.2017 rechnen dürften, die Ferienzeit sei ja vorbei…… ich habe mich bis anhin hier informiert, weil wie allen armutsbetroffenen, die sich überwunden haben ein gesuch zu stellen (2mal schon) ENDLICH die hochgepriesene Wiedergutmachung in fr. erhalten…… Hier den link https://www.bj.admin.ch/bj/de/home/gesellschaft/fszm/zustaendigkeit.html#11240440-1771-49eb-80b8-9fb0e94fe294-box-content

      Opfern von FSZM wird das deutlich höher sein, durch die massive Gewalt, die wir während vielen Jahren erlebten, durch die Traumata. leider ist das so… toi toi

      • Johann Schwarz

        Ja, hauhau, und möchte noch hinzufügen, dass man, spätestens als klar war, dass die „Höchst“summe ausbezahlt werden kann, sowohl an die sehr Betagten und/oder nachweisbar Kranken, wie auch den Armutsbetroffenen unter uns den Solibetrag hätte auszahlen können. Früher wäre durchaus auch gegangen, indem man oben Genannten Ende 2017 bereits die Hälfte hätte auszahlen können, als sich abzeichnete, dass sich etwa 6000 bis zur Frist melden werden. Denn, wie bereits geschrieben; die SoforthilfeempfängerInnen wurde bereits überprüft. Aber wo kein Wille ist, ist kein Weg.

  14. Johann Schwarz

    zur Kenntnisnahme, zur Verbreitung

    https://www.zentralplus.ch/de/news/kultur/5558328/%C2%ABDas-war-f%C3%BCr-die-Familie-eine-Katastrophe%C2%BB.htm

    Plüss: Verdingkinder wurden als Sache ohne Wert und Zugehörigkeit behandelt. Das löst beim Menschen grössten Schmerz aus und führt – laut neuesten neurologischen Erkenntnissen – zu einem hoch aggressiven Verhalten bei den Opfern. Ganz oft endeten Schicksale mit Suizid oder der Unfähigkeit, sich im Leben zurechtzufinden.

    Und da die meisten von uns während der letzten vier Jahre nicht nur vom BJ als „Sache ohne Wert“ behandelt wurden, sondern mitunter auch von Sozialdiensten, IV-Stellen, RAV, usw., möchte ich auf dieses Theaterstück hinweisen, im Bewusstsein, dass gerade wir, als Unwerte, sich nicht mal die Zugsreise leisten können, zu diesem sehr interessanten Theaterstück.

    So trifft sich immer wieder derselbe Club, und pflegt Informelles, und tauscht aus, bemerkenswerterweise nie für uns, denn wir haben weiterhin als Schnecken zu leben. Wir gehen damit um; denn dieses Verhalten der Clubmitglieder, zeigt nur ihre Ignoranz und Arroganz.

    Wichtiger ist jedoch, das anzuschauen:

    https://www.youtube.com/watch?v=PyLeglWf13k

  15. Johann Schwarz

    Plüss: Verdingkinder wurden als Sache ohne Wert und Zugehörigkeit behandelt. Das löst beim Menschen grössten Schmerz aus und führt – laut neuesten neurologischen Erkenntnissen – zu einem hoch aggressiven Verhalten bei den Opfern. Ganz oft endeten Schicksale mit Suizid oder der Unfähigkeit, sich im Leben zurechtzufinden.

    Siehe auf zentralplus.ch unter Kultur

    Und da die meisten von uns während der letzten vier Jahre nicht nur vom BJ als „Sache ohne Wert“ behandelt wurden, sondern mitunter auch von Sozialdiensten, IV-Stellen, RAV, usw., möchte ich auf dieses Theaterstück hinweisen, im Bewusstsein, dass gerade wir, als Unwerte, sich nicht mal die Zugsreise leisten können, zu diesem sehr interessanten Theaterstück.

    So trifft sich immer wieder derselbe Club, und pflegt Informelles, und tauscht aus, bemerkenswerterweise nie für uns, denn wir haben weiterhin als Schnecken zu leben. Wir gehen damit um; denn dieses Verhalten der Clubmitglieder, zeigt nur ihre Ignoranz und Arroganz.

    Wichtiger ist jedoch, einen Vortrag, von dem Neurowissenschaftler Joachim Bauer zu schauen

  16. hauhau

    zitat von der Autorin „Plüss: Ja, in meiner Familie wurden fünf Kinder verdingt. Alle sind tot. Das sind 125’000 Franken allein in meiner Familie, die zu spät kommen. Von der Wiedergutmachung hat niemand der direkt Betroffenen je etwas erfahren. Wir, die Nachfahren, bekommen das Geld nicht, obwohl viel von all dem Leid an uns weitergegeben wurde. Das Leid endet ja nicht beim Verdingkind, wenn dieses jemals fähig war, eine Familie zu gründen.“ genau…leider https://www.zentralplus.ch/de/news/kultur/5558328/«Das-war-für-die-Familie-eine-Katastrophe».htm

    • Johann Schwarz

      Dazu muss ich ergänzen, dass etliche Betroffene immer wieder um Öffentlichkeit kämpften, Ideen erarbeiteten. Es wuchs aus dem Betroffenenforum eine AG Öffentlichkeitsarbeit, auch ich meldete mich als Referent. Wie damit umgegangen wurde, ist noch ein trauriges Kapitel, und wie es dann zum Abschuss kam, bleibt wohl für immer ein Geheimnis. Dasselbe mit Initiativen Einzelner, die aufgrund ihrer finanziellen und prekären Situation Projekte nicht verwirklichen konnten. Der niedrigere Betrag von 300 Mio. wurde u.a. damit erklärt, dass das Gesetz noch andere Massnahmen zur Unterstützung von vorsieht. Bereits jetzt ist abzusehen, dass i.a.R. nicht die Armutsbetroffenen unter uns die Unterstützung erhalten werden. Egal, wie kompetent sie wären. Aber auch das wird dann niemand erfahren, weil nur die Projekte öffentlich werden, die unterstützt wurden. Ich werde nie begreifen, da wir fast alle durch Armut/oder gezielte Armmachung überhaupt Opfer von FSZM wurden, dass diese behördliche Aufarbeitung wieder die Armutsbetroffenen benachteiligt. Seit Jahren weise ich darauf hin, aber es kommt immer noch etwas obendrauf, sie finden immer wieder neue Mittel, die Armutsbetroffenen auszugrenzen. Das ist eine Schande.

  17. Johann Schwarz

    Einer meiner Ideen, die ich, dummerweise nur mündlich, Herrn Mader bereits 2016 präsentierte:

    https://www.promentesana.ch/de/wissen/peer-arbeit.html

    Die Peer-Ausbildung soll Psychiatrieerfahrene dazu befähigen, Wege mit Psychiatriepatienten zu gehen.

    Ich recherchierte diese Ausbildung, und befand, dass diese Ausbildung auch etwas für die Betroffenen sein könnte, die künftig aktiv in der Aufarbeitung (auch der wissenschaftlichen) eingebunden werden wollen (bezahlt). Also wies ich ihn darauf hin. Wichtig war mir dabei, dass alle darüber informiert werden, damit alle, die das wollen, in dieser Ausbildung (Selbsthilfe) Unterstützung fänden.

    Was daraus wurde, weiss ich nicht. Die Vermutung liegt jedoch sehr nahe, dass diese Möglichkeit wieder nur im inneren Kreis des RT, der Cocosol verblieb, nicht breit gestreut wurde.

    Es scheint, dass einzelne nun diese Ausbildung absolvieren können, und möglicherweise übernimmt das BJ die Kosten im Rahmen der Selbsthilfeprojekte.

    Ich frage nicht mehr, möchte einfach, dass breit gestreut wird, dass es diese Ausbildung gibt. Wer sich das vorstellen kann, kann ja dann die Obrigkeit fragen, ob er finanziell darin unterstützt wird.

    Es gibt Möglichkeiten, uns eine Chance zu geben, nicht nur diese. Möglichkeiten der Selbstermächtigung durch Erwerb, um damit z.B. aus der Sozialhilfe raus zu kommen.

    • Uigeadail Eisenberg

      Sozialhilfe, sorry wenn ich das sage, aber für mich ist das eine Mafia für sich.

      Keiner weis so richtig wie man mit Sozialhilfeempänger umgehen muss/sollte. In jeder Gemeinde ist es anders. Und sagt man bei der Sozialhilfe in seiner Gemeinde, aber warum bekommt die/der in der genau gleichen Situation, CHF 1000.00 mehr im Monat als ich, nur weil er in einer anderen Gemeinde ist, heisst es interessiert uns nicht, bei uns ist es so. Basta. Es ist ein Spiessrutenlauf.

      Bei uns in der Gemeinde hatten wir einen Wechsel in den letzten 5 Jahren von sage und schreibe 12 Sozialangestellten.

      Und meine Wenigkeit hatte genau da ein Problem. Mir wurde ein Betrag ausbezahlt, der einiges unter dem Existenzminimum liegt. Klar meine Frau ging auch arbeiten, aber auch mit Ihrem Lohn und meiner Sozialleistung waren wir immer noch weit unter dem Existenzminimum.

      Es kam wie es kommen musste, ein neuer Sozialvorsteher übernahm den Platz in der Gemeinde und der fand, dass ich zuviel bekommen hätte. Also wurde mir die Sozialleistung gekürzt, UND ich musste jeden Monat eine Rate retourzahlen, da ich ja zuviel Sozialleistung bekommen habe. Noch weniger Geld.

      Dann wurde mir noch gesagt, dass ich keinen Anspruch hätte bei Tischleindeckdich. Ich würde keinen Schein von der Gemeinde bekommen, da ich mich weigerte aus meiner extrem günstigen 4 Zimmer Wohnung um zu ziehen in eine 2 Zimmer Sozialwohnung. Und das mit 3 Personen und einem Hund. Naja den Hund wollten sie mir auch wegnehmen. Das Auto musste ich sowieso verkaufen, konnten es uns nicht mehr leisten.

      Nur da wo ich wohne, ist es fast unmöglich ohne Auto irgendwohin zu kommen, denn die ÖV konnten wir uns nicht mehr leisten.

      Aber ich hatte nie eine Chance finanziell unterstützt zu werden, wie viele von uns Administrativ Versorgten/Verdingkindern einen ersten Solidaritätsbeitrag bekamen wenn sie in finanziellen Nöten waren.

      Ich war da ausgeschlossen, erstens, weil die Gemeinde mich da sitzen lies, und ich einfach noch zuwenig darüber wusste.

      Heute sitze ich auf einem Berg Schulden, Sozialleistungen die ich zurückzahlen müsste und nicht kann.

      Im Moment laufen Abklärungen ob ich überhaupt je wieder arbeiten kann. In paar Wochen bin ich stationär in einer Traumatherapie, und dann wird weiter geschaut, aber die IV legt sich jetzt schon quer. Selbst die Unterlagen die beweisen, dass ich Probleme haben interessiert sie nicht. Ich wurde zu einem Counsiliare geschickt, der darüber bestimmen sollte ob ich ein Trauma habe oder nicht.

      Ehrlich gesagt, glaube ich nicht daran, obwohl ich den Solidaritätsbeitrag angefordert habe über die Opferhilfe, (Die übrigens sehr hilfsbreit und nett waren, obwohl ich schon anderes gehört habe), dass ich jemals Geld bekommen werde. Oder sonstige Hilfe bekomme, denn es zeichnet sich wieder alles so ab, wie mein ganzes Leben verlief. Abgeschoben, verwahrt, mundtot gemacht.

      Und ich mag einfach nicht mehr…53 Jahre Kampf, und nichts kam dabei heraus.

      Für mich lügen alle, die da sagten, man müsse uns Hilfe stellen, man müsse wieder gut machen, was wir erlebt haben. Ich spüre davon nichts, nein es wurde schlimmer für mich.

      • Gabriela Pereira

        @Eisenberg; leider ist geteiltes Leid nicht immer halbes Leid. Ich kann nicht mal Tipps geben, denn ich erlebe seit Erwerbsverlust dasselbe. Und das ist für traumatisierte Menschen an sich schon wieder ein Verbrechen. Weil man nie zur Ruhe kommt, keine Sicherheit erfährt, Armut isoliert in der Schweiz. Das alles ist für uns fatal und zerstörerisch. Und wenn man wieder mal die Kraft hat, sich Hilfe zu holen, kostet es nur viel Energie, und viel kommt meist nicht dabei heraus. Einzig was die Forderung Ihrer Gemeinde betrifft, erhaltene Sozialhilfegelder zurück zahlen zu müssen, könnten Sie versuchen, sich bei der unabhängigen Fachstelle für Sozialhilfe“recht“ (https://www.sozialhilfeberatung.ch/) Rat zu holen, oder vielleicht kann die OH vermitteln? Aber sonst weiß ich keinen Rat. Es tut mir sehr leid, dass Ihnen das alles zugemutet wird. Liebe Grüsse, Gabriela Pereira

        • hauhau

          @ an alle die hilfe rufen, dies hier ; http://www.guido-fluri-stiftung.ch/gewalt-an-kindern/
          könnte auch helfen, dort hatte es Sozialarbeiter mit offenen ohren und wissen wie man/frau hilfe bekommen kann und Unterstützung erhält… toi toi viel durchhaltewille wünsche ich allen betroffenen, es tut mir echt leid für euer leid…. 🙁
          lg hauhau

  18. Rudolf Züger

    Das nenn ich Mut Herr Ziegler. Sie suchen nicht nach Ausreden und Entschuldigungen, sondern stehen offen zu den damals gemachten Fehlern. Dafür danke ich Ihnen!
    Ich war selbst auch Betroffener und wurde von Heim zu Heim, Schwererziehbaren Heim (bereits im Alter von 16 Monaten, sowie Armenhaus bis und mit Verdingung herum geschoben. Ich wurde als Debil, als Nichtsnutz aus dem nie was wird, eingestuft vom Vormund und als zu blöd für eine Berufsausbildung. Ich diene besser bei einem Bauern. Bei einer schweren Nierenbeckenentzündung verweigerte mein Vormund eine Ärztliche Behandlung. Ich erlebte Hautnah was Waterboarding ist usw. usw. Kurz vor meiner Volljährigkeit war ich bereits zur Einlieferung in einer Psychiatrie im Graubünden angemeldet, konnte das aber verhindern indem ich noch rechtzeitig in den Zirkus Knie floh. Am 1.. Sept. 1962 schrieb mein Vormund an den Schutzaufsichtsbeamten meines Vaters folgendes: „Ruedi hat uns leicht unter Druck gesetzt indem er geltend machte, dass die Vormundschaft nicht fristgemäss auf das Datum seiner Volljährigkeit erneuert wurde. Dass er nun rechtlich den Wohnsitz in Lützelflüh habe und somit die Kompetenz seiner Heimatgemeinde zur Ergreifung weiterer Massnahmen dahingefallen sei. Diese Argumentation hat etwas an sich. Doch hätten wohl genug Gründe vorgelegen um die Vormundschaft nachträgglich trotzdem zu erneuern, wenn die Initiative dazu ergriffen worden wäre. (Klar weil mich mein saubrer Vormund bereits in der Psyhiatrischen Klinik in Beverin angemeldet hatte und ich ihm nun das ganze vermieste und er die Anmeldung zurück ziehen musste.) Ich weiss wohl dass sich insbesondere die Armenpflege früher oder später wieder mit Ruedi zu befassen haben wird. …..“ Nun bin ich bereits 76 Jahre alt und ging all die Jahre selbständig meinen Weg, erlernte den Beruf als Krankenpfleger mit Erfolg (den Beruf für den ich laut Vormund zu blöd sei und besser bei einem Bauern versorgt sei). Überdies machte ich eine Lehre im Buchdruckergewerbe ebenfalls mit Erfolg und noch eine weitere Ausbildungen im Theologiebereich (für die ich ja laut Vormund auch zu blöd und auch Charakterlich nicht fähig sei.) und Naturheilpraktiker. Alles habe ich mir nach der Vormundschaftszeit selbst erkämpft und erarbeitet. Heute bin ich immer noch als Freiwilliger in einem Alterspflegeheim und im SRK-Besuchsdienst tätig, helfe Menschen die Rat und Unterstützung brauchen soweit das in meinen Möglichkeiten liegt, heisst dass ich zwar nicht mit Finanziellen Mitteln helfen kann, aber mit Rat und Unterstützung Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen usw. Alle meine Hilfeleistungen und Beratungen gebe ich Kostenlos weil ich jenen helfen will, die sich die Hilfe sonst nicht leisten könnten. Auch wenn ich längst Pensioniert bin geht mir die Arbeit nicht aus. Mit der Armenbehörde hatte ich all die Jahre entgegen der Überzeugung meines damaligen Vormunds nichts mehr zu tun! Das obwohl ich noch viele Jahre wegen der Stigmatisierung harte Zeiten und Anfechtungen erleben musste welche auch zur Folge hatten, dass meine erste Ehe daran zerbrach. Jeden Monat muss ich auch jetzt noch zusammen mit meiner jetzigen sehr lieben und Verständisvollen Frau schauen dass wir über die Runden kommen.
    Andenken an die sehr schweren Jugendjahre, Misshandlungen, Sexuellen Übergriffe usw. muss ich mir nicht sammeln weil diese mich ungefragt begleiten in Form von Gesundheitlichen Krankheitsfolgen, Albträumen, usw.! Ein Bruder von mir ist an all den Erlebnissen die auch er machen musste zerbrochen und beendete sein Leben selbst. Ich selber machte auch mehrere Suizidversuche. Heute weiss ich dass mich all das Erlebte inkl. der missratenen Suizidversuche stark gemacht haben damit ich andern die gleiches oder ähnliches erlebt haben oder noch erleben beistehen kann!

    • Gabriela Pereira

      Lieber Herr Züger, auch Ihr Zeugnis zeigt, wie stark wir auch sind. Trotzdem reden sie (leider auch die Vorsteherin in ihren Vorträgen) von uns Schwachen. Was ist denn stark? Ist Stärke, wenn man auf die tritt, die bereits am Boden liegen? Es scheint manchmal so. Dabei wird mir immer unverständlich bleiben, wie man das als Stärke sehen kann.
      Auch ich spielte übrigens mit dem Gedanken bei Knie anzufragen, weil ich mit Tieren arbeiten wollte, damals, oder eben Krankenschwester werden (in den 80-ern aber, musste man dafür die Matura haben; ich kämpfte dann darum, auch eine Lehre zu machen, schaffte das auch, wurde aber die ganze Lehrzeit hindurch auf unterschiedlichste Arten diskriminiert). Und weder in Zoos noch beim Knie bestand für eine Frau die Chance Tierpflegerin zu werden. Und was Sie erzählen, war auch für mich immer etwas, dass mir Kraft gab; Freiwilligenarbeit, politisch-gesellschaftliches Arbeiten. Das ging aber nur so lange, wie ich ein einigermaßen haltendes Privatnetz hatte. Bei mir war es eine einzige Freundin, die mir über sehr lange Jahre immer vertrauter werden konnte, was mir dann ermöglichte (nach mehr als 20 Jahren Freundschaft), ihr anzuvertrauen, dass ich in Heime, zu Bauern, zu Pflegefamilien versorgt wurde, und welche Missbräuche damit verbunden waren.
      Das fiel weg, nach Erwerbsverlust, denn meine Armut wurde ihr wohl zu viel, weil sie dann auch mit den Behörden zu tun bekam; das ist das Perfide: v.a. die Sozialhilfe ist so organisiert, dass private Solidarität gezielt verhindert wird.
      Umso wichtiger sind Menschen wie Sie, die das noch können, und kostenlos können. Von der Aufarbeitung aber, hätte ich erwartet, dass solche Hilfsnetze auch mit uns geknüpft würden, die wir die Kompetenzen dazu hätten, oder bereit wären, sie uns anzueignen. Und zwar ohne jeglichen Zwang. Und diese Möglichkeit müsste auch denen gegeben werden, die in Armut leben. Deshalb müssten, im Kontext dieser Aufarbeitung, diese Menschen unter uns auch bezahlt sein. Sonst bekommen nur die Jobs, die es sich auch finanziell leisten können, wird also nicht auf Ausbildung, Wissen, usw. geachtet, sondern auf den sozialen Status. Das werde ich nie richtig finden, weil dieses Vorgehen für uns Armutsbetroffenen eine Missachtung unserer Kompetenzen mitträgt (ich war nicht nur fast 10 Jahre in der Sozialarbeit tätig, sondern eben genau in diesem „Gebiet“ und bin auch in Mediation ausgebildet; das interessierte das BJ nicht nur nicht, sie fragten nicht danach, gingen sogar davon aus, dass ich keine zweite Landessprache gut beherrsche…). Was ich mir autodidaktisch an Wissen aneignen wollte, wurde ebenfalls nicht abgefragt, sondern ich wurde schriftlich (ich habe diese Mail noch) darauf hingewiesen, dass ich, durch meinen schwachen sozialen Status, eigentlich kein Recht dazu habe, mich zu äußern.
      Solche Dinge hätten nie geschehen dürfen. Und sie geschahen nicht nur mir. Und werden weiterhin geschehen. Dir alles Gute und Liebe, und Schöne, Gabriela Pereira

  19. hauhau

    super das Protokoll ist heute online gestellt worden, auszug daraus,,,,,,5.
    Information über Gesuchsbearbeitung im Jahre 2018

    Reto Brand
    lässt die Planung für die Gesuchsbearbeitung und die organisatorische
    Abwicklung der Auszahlungen für das Jahr 2018 zirkulieren. Er erläutert die einzelnen Abläufe und organisatorischen Herausforderungen, mehr nicht, also heisste es einmal mehr, warten…….. ohne näheren angaben…… hier zu lesen, grossartige Aufklärung………………https://www.bj.admin.ch/bj/de/home/gesellschaft/fszm/zustaendigkeit.html

    • Gabriela Pereira

      Naja; manche beglückt es, selbst wenn sie Menschen wie uns in Unsicherheit lassen können. Und nicht zu vergessen; jeder von uns der stirbt, kein Testament hinterlässt, spült 25000 Franken zurück in die Bundeskasse. Da erfahrungsgemäß zu erwarten ist, dass sie weiterhin möglichst viel offen lassen, damit sie stillschweigend Kriterien wieder ändern könnten, empfehle ich allen, die sich für ein Gesuch entscheiden mussten (aus Armut), oder ein Gesuch einreichen wollten, sofort ein Testament zu verfassen.
      Und noch dies aus demselben Protokoll:

      „Das BJ habe in der Vergangenheit vereinzelt Hinweise von Betroffenen oder von Dritten auf einzelne Fälle bekommen, wo angezweifelt worden sei, dass eine bestimmte Person bzw. deren Gesuch noch vom Geltungsbereich des AFZFG erfasst sei und die dort genannten Kriterien der Opfereigenschaft erfüllten. Diesen Hinweisen und den betreffenden Gesuchen würde zwar besondere Beachtung geschenkt, aber man müsse sich auch bewusst sein, dass die Hinweise nicht in allen Fällen objektiv sind.“
      Was steckt im oben Zitierten? Es steckt darin das weit verbreitete und stets geförderte Denunziantentum. Wenn die Offiziellen so sehr von ihren objektiven Kriterien überzeugt sind, warum ermunterten sie dann, auf unrechtmässige Gesuchsstellungen aufmerksam zu machen? Schaffen sie es nicht alleine, oder wollen sie, obwohl sie verantwortlich sind, einfach die Verantwortung möglichst breit streuen? Warum wurde das überhaupt ins Protokoll aufgenommen? Was bewirkt das?
      Und dann noch die Abwertung „die Hinweise seien nicht in allen Fällen (sic) objektiv“? Man muss wirklich kein Genie sein, um zu wissen, welche Hinweise aus Sicht dieser Oberen selbstverständlich nicht objektiv sein können. Lasst mich raten, ohne raten zu müssen: Hinweise von Betroffenen? Aber Hinweise bspw. vom Sozialamt, die sind dann voll und ganz objektiv? Denn die wissen sehr genau, wer diese SH-Schm…. sind, weil sie, wie damals zu Armeninspektoratszeiten, nicht nur einmal pro Jahr die Zöglinge sehen und beurteilen, sondern monatlich?!

  20. hauhau

    genau. abschnitt 2.
    2. Stand der eingegangenen Gesuche/Todesfälle 41
    Der Präsident gibt bekannt, dass bis heute 4‘100 Gesuche beim BJ eingereicht worden seien. Leider seien bisher 35 Todesfälle zu verzeichnen
    …………………. juhuii schon wieder 875000 fr. gespart ……….. und zurück an die Bundeskasse…………

  21. Gabriela Pereira

    Ich empfehle
    https://www.sozialhilfeberatung.ch/entry/der-grundbedarf-in-der-sozialhilfe-von-der-wissenschaft-zur-willkuer

    Armut darf in der administrativen Aufarbeitung FSZM nicht wirklich zum Thema werden.

    Punkt 10, s. 21

    „Die betroffenen Sozialhilfebeziehenden sind häufig nicht in der Lage, sich selber zu wehren, obwohl es um äussert schwerwiegende Eingriffe in ihr Grundrecht auf Existenzsicherung gehen kann, oder aber um starke Eingriffe in ihr Recht auf persönliche Freiheit. Man denke hier an die Auflage, die Wohnung zu kündigen, das Auto zu verkaufen, in einem Beschäftigungsprogramm zu arbeiten, sein wenige Monate altes Baby fremdbetreuen zu lassen oder Exotischeres (z.B. die Auflage, seine Hunde abzugeben und durch Meerschweinchen zu ersetzen; oder die Auflage, in ein christliches Zentrum einzutreten und innert einer vorgegebenen Frist drogenfrei zu werden; oder die Auflage, sich die Backenzähne ziehen zu lassen, weil dies günstiger ist als eine Wurzelbehandlung). Innert Beschwerdefrist einen Anwalt oder eine Anwältin zu finden, ist häufig unmöglich, da sich diese lieber in finanziell attraktiveren Rechtsgebieten als dem Sozialhilferecht betätigen und kaum je auf Sozialhilferecht spezialisiert sind.“

    Und auch das hat System; je weniger SH-Betroffene sich wehren, umso weniger werden die Missbräuche der Sozialdienste bekannt.

    Ein Ende ist nicht abzusehen, was heisst, dass gerade wir ehem. Opfer FSZM weitere Kürzungen erleben werden (die Statistiken zeigen auf, dass SH-Betroffene ü50 immer länger in der SH auszuharren haben). Irgendwann werden die 25000 Franken dies einige Monate abfedern können, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass die Armutsbetroffenen unter uns, die noch nicht im Pensionsalter sind, weiterhin von der Administrationaufarbeitung FSZM diskriminiert werden.
    Und warum tun sie das? Wir Jüngeren sind, trotz FSZM, in einer Zeit im Jugendalter (80-er Jahre) gewesen, in der immerhin die Möglichkeit bestand an Autonomie zu denken, wir haben, nur schon durch den Umstand, dass wir etwas jünger sind, möglicherweise noch Kraftreserven. Wir haben auch eher gelernt, Diskriminierung, Stigmatisierung, Ungerechtigkeit zu benennen. Es könnten also auch künftig Anstösse von uns kommen, und immer wieder.
    Genau das gilt es durch diese Diskriminierung (möglichst späte Auszahlung des Solibeitrages) möglichst lange zu verhindern.
    Und wir sollen auch weiterhin keine Chance mehr erhalten, je wieder selbstbestimmt leben zu können: unsere Zeugenschaft (auch wie heute verdingt wird) ist einfach nicht erwünscht.

  22. hauhau

    @Gabriela Pereira , ja leider stimmt alles was du geschrieben hast!
    nun wäre es an der zeit das die presse auch mal unser erlittenes UNRECHT thematisiert und gross rausbringen würde, wir sollten uns dafür einsetzen. trotz allem allen einen guten tag.
    bezgl. meinem Eintrag vom 5. Februar 2018 um 18:31 Uhr habe ich noch eine Korrektur anzubgingen, weil ich das Protokoll kopiert habe hat sich „die zeilen-numer des Protokoll eingeschlichen, hier (Gesuche/Todesfälle ((41)) sorry

  23. Ursula Biondi

    Dass ausgerechnet die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) politisch angegriffen wird, macht mir grosse Sorgen für die heutigen und für die nächsten Generationen. Diese sind sich nicht bewusst was auf sie zukommen kann wenn der Menschenrechtsschutz nicht mehr intakt ist. –
    Einige tausend Betroffene leben weiter in einer Gesellschaft, von der sie ausgehen müssen, dass es immer noch Bürgerinnen und Bürger gibt, die keinen blassen Dunst von diesem düsteren Kapitel Schweizer Geschichte haben. Ihnen ist offensichtlich nicht bewusst, dass die selbstverständlichen Freiheiten, die sie heute geniessen, wie Konkubinat, uneheliche Kinder Abtreibungen, Partnerwechsel, offen gelebte Homosexualität, etc., noch vor wenigen Jahrzehnten in der Schweiz jemandem zum Verhängnis werden konnten! Niemand von ihnen muss heute noch eine Zwangsabtreibung, Zwangssterilisation, Zwangskastration, Zwangsadoption oder administrative Versorgung gewärtigen, und ich hoffe fest, dass dies in Zukunft auch so bleiben wird. Es ging damals nicht um strafrechtlich relevante Delikte, sondern um eine moralische Einstellung, die für tausende Einzelschicksale verheerend war. Aber vielen der damaligen Pionieropfer hat dies buchstäblich „Kopf und Kragen“ gekostet. –

    ehem. Präsidentin Verein RAVIA
    http://www.administrativ-versorgte.ch
    rehabilitiert seit 2014

    Mitglied des Initiativkomitees
    http://www.wiedergutmachung.ch/home

    Teilnehmerin des RT für Opfer von FSZM
    http://www.fuersorgerischezwangsmassnahmen.ch/pdf/RT_Teilnehmer_de.pdf

    Externes Mitglied der Parlamentarischen Gruppe Fürsorgerische Zwangsmassnahmen
    http://www.pgfzm.ch/

  24. hauhau

    @Darlehen Express Finanzen was soll der müll, auf finazverbrecher haben wir hier gerade noch gewartet….

  25. Admin

    @hauhau: Die Spam-Kommentare sind gelöscht. Für die Verzögerung bitten wir um Entschuldigung.

  26. hauhau

    vielen dank uff

  27. Andre Hedinger

    Ich warte nun schon über ein Jahr auf meine Akten aus dem Zürcher Archive. Es sind doch zwei Zusatz Personen eingestellt, da sollte es doch möglich sein für die ca. 800 Gesuch im Kanton Zürich die Archive Akten herbeizuschaffen. Wo liegt das Problem!

  28. Eveline Suran

    Ich habe vor fast vor 2jahren den antrag an Bern gesendet, musste auch in etwa 4 Monate warten, für die Akteneinsicht in Zürich. Ich versteh auch nicht, das alles so lange geht. Es ist alles eh traurig , was wir verdingkinder alles mitmachen mussten.

  29. Häsler Anton

    Ich bin Jahrgang 1959. Meine Eltern konnte ich nur sehr Kurz genissen. Mit zirka 8 Monaten wurde Ich Zuhause weggenomen. Und in ein Heim in Schüpfheim gebracht. Nach ansichten der Behörden waren meime Eltern nicht im stande um mich zu Kümmern.
    Da der Vater ein Älpler war wurde ich weggenomen.
    Mit zirka 3 Jahren wurde ich in ein anderes Heim verlegt wo es sehr sehr Strenge Nonnen hatte. Die zum teil sehr Böse waren. Bekam viele Schläge besonders auch wenn man nicht ausgegessen hat. Da gab es auch noch ein Nebenhaus wo man zum teil an Wochenende in einem Zimmer eingespertt wurde wen mal nicht alles so gelaufen ist wie Sie es wollten sogar bei kleinikeiten.
    Mit 13 wurde ich dan auf einen Bauerhof Verfrachte. Hier galt Arbeiten Arbeiten und zwischen durch Schule. Trotzdem ich gerne eine Lehre machen wollte Durfte Ich es nicht. Mein Vormund war dagegen.
    Mit 19 Jahre hat mich dann ein Kollege da rausgeholt und mir geholfen einen Jop zu suchen. De ich dank im au Bekommen habe. Bin im immer noch dankbar dafür.

  30. Häsler Anton

    Ps mein Gesuch habe ich in Luzern bei sehr netten Leuten in der Opferhilfe im Januar 2017 abgeschickt. 1 mal wegen Kontonummer nachgefragt. Seither nichts mehr gehört.

  31. hauhau

    das ist sehr traurig ;-(

  32. Gabi Tobler

    Ich warte auch seit 2017 auf nachricht ich kann das auch nicht ferstehen!!!! Bürokratie Beschäment!!!!!

  33. Und wann werden die Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bereich der Zwangspsychiatrie aufgedeckt?
    „Eine aktuelle Studie ermittelt für 6 von 7 ausgewählten Bundesstaaten der USA für die Jahre 1997 – 2000 eine um 25 – 32 Jahre verkürzte Lebenserwartung von psychisch kranken Menschen, die durch das öffentliche Gesundheitswesen erfasst wurden“, Dr. Volkmar Aderhold (Mitglied der renommierten Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP)): Mortalität durch Neuroleptika, in Soziale Psychiatrie 4/2007 (https://www.dgsp-ev.de/fileadmin/user_files/dgsp/pdfs/Artikel_Soziale_Psychiatrie/sp_118_5_Mortalitaet_durch_Neuroleptika__Aderhold_.pdf).

  34. hauhau

    ach herjee, schon wieder die zumutungs-Spammer, die sollten selber merken, das sie daneben sind, schlimm ;-(

Schreiben Sie einen Kommentar

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus.