Ratgeber

Spenden tut gut

Sina Bühler

Weihnachten, heisst es, sei das Fest der Liebe. Dann ist es doch wohl auch ein Fest der Solidarität mit Menschen, denen es schlechtergeht. Dazu unsere Spendentipps.

WERTVOLLE VIERBEINER: Maulesel dienen den Kleinbauern der Insel Haiti, die ihre Produkte auf den städtischen Märkten verkaufen, als Lastenträger. (Foto: HEKS)

Vor Weihnachten sind die Briefkästen vollgestopft. Nicht nur, weil uns so viele Freunde und Bekannte frohe Festtagswünsche schicken, sondern, weil viel Werbung drinsteckt. Gegen Ende Jahr bemühen sich auch besonders viele Hilfswerke und Organisationen um unsere Spendengelder. Spenden auch Sie jedes Jahr? Hier finden Sie eine Auswahl von Projekten.

Auch mit kleinen Beträgen lässt sich Grosses bewirken.

FAIR PLAY? FAIR TOYS!

Kaum etwas wird an Weihnachten so intensiv beworben wie Spielsachen. Das Problem: Der grösste Teil davon wird in Asien unter ausbeuterischen Arbeitsbedingungen produziert. So schuften die Arbeiterinnen und Arbeiter in chinesischen Spielzeugfabriken 11 Stunden an sechs Tagen der Woche und verdienen dabei doch weniger, als sie zum Überleben brauchen. Die Betriebe verletzen internationale Abkommen und chinesisches Arbeitsrecht, geben aber letztlich nur den Preisdruck ihrer Auftraggeber weiter. Die Organisation Solidar, ein Hilfswerk der Gewerkschaften, engagiert sich weltweit in 60 Projekten für faire Arbeitsbedingungen und demokratische Mitbestimmung. Mit Geschenkkarten ab 50 Franken unterstützen Sie diese Projekte, darunter auch «Fair Toys» für soziale Gerechtigkeit in der Spielzeugbranche. Und wenn Sie gerne faires Spielzeug verschenken möchten, hält Solidar wertvolle Tipps für Sie bereit.
www.solidar.ch / www.solidar.ch/de/fair-toys

EIN ESEL FÜR HAITI

Über das Hilfswerk der evangelischen Kirchen (Heks) verschenken Sie ganz konkrete Hilfe. Beispielsweise einen Maulesel. Für 300 Franken geht der Esel an eine Kleinbauernsiedlung auf Haiti. Er transportiert für seine neuen Besitzer die Früchte und Gemüse zum Markt und schleppt die aus dem Erlös getätigten Käufe zurück ins Dorf. Ist das Budget kleiner, reichen auch 30 Franken: für eine Geiss, die künftig eine arme Familie mit Milch versorgt und, wenn sie dann Junge bekommt, weiteren Nutzen stiftet. Oder wollen Sie lieber ein Schweizer Projekt unterstützen? Für 60 Franken gibt es ein Insektenhotel. Dieses wird in einem «Neuen Garten» aufgestellt, wo Flüchtlinge in Schweizer Schrebergärten arbeiten können.
www.hilfe-schenken.ch

WEIHNACHTSKARTEN

Sie spenden auch Hilfe, wenn Sie Ihre Weihnachtsgrüsse auf Karten der Caritas für Fr. 4.90 verschicken, gestaltet von Studierenden der Kunsthochschule und der Hochschule für Design & Kunst in Luzern. Der Erlös kommt Bedürftigen im In- und Ausland zugute. Möchten Sie dieses Jahr grosszügiger spenden? Dann können Sie wählen, welches Caritas-Projekt Sie unterstützen möchten: Helfen Sie beispielsweise den aus Myanmar vertriebenen muslimischen Rohingya, spenden Sie für syrische Flüchtlinge oder unterstützen Sie Armutsbetroffene in der Schweiz.
www.caritas.ch

Worktipp: Das Gütesiegel

Sind Sie im Zweifel, ob Sie einer Organisation vertrauen können? Auf Nummer sicher gehen Sie, wenn das Hilfswerk von der Stiftung Zewo zertifiziert ist. Diese überprüft, ob die Organisation gemeinnützig ist und ob sie die Mittel angemessen verwendet. Das heisst zwar nicht, dass Hilfswerke ohne Siegel schlechter arbeiten, aber es bedeutet, dass Sie die Organisation nicht selbst prüfen müssen.

www.zewo.ch

BRIEFE INS GEFÄNGNIS

Wollen Sie mehr als eine Grusskarte an Ihre Bekannten und Verwandten verschicken? Dann können Sie am Briefmarathon von Amnesty International teilnehmen. Mit dieser weltweiten Aktion zum Schutz der Menschenrechte bekommen inhaftierte Aktivistinnen und Aktivisten jedes Jahr mehr als zwei Millionen Briefe. An der Schweizer Aktion «I’m Here» können Sie sogar per Handy teilnehmen: Machen Sie ein Selfie und posten Sie es auf der Onlineplattform imhere.amnesty.ch. Damit zeigen Sie Mahadine, einem Journalisten und Korruptionskritiker aus Tschad, dass er selbst im Gefängnis nicht alleine ist. Ausserdem: Wenn Sie bis zum 24. Dezember online eine Spende an Amnesty International überweisen, wird der Betrag durch eine besonders grosszügige Spendergruppe verdoppelt.
www.amnesty.ch

ÄRZTE FÜR MENSCHEN IN NOT

Im Unterschied zu anderen Hilfswerken können Sie bei Médécins sans frontierès – Ärzte ohne Grenzen (MSF) nicht auswählen, in welches Land oder Projekt Ihre Spendengelder fliessen. Das ist sinnvoll, denn im Krisenfall muss MSF flexibel mit Personal und Finanzen umgehen und sehr schnell medizinische Hilfe organisieren können. Das Pflegepersonal und die Ärztinnen und Ärzte kümmern sich neben Einsätzen in Kriegsgebieten um Mangelernährung, Epidemien, Impfungen, traumatisierte Flüchtlinge und Opfer von Naturkatastrophen oder sexueller Gewalt. Alleine die Schweizer Sektion des Hilfswerks beschäftigt 6000 Mitarbeitende und Freiwillige in 25 verschiedenen Ländern.
www.msf.ch

JOURNALISTEN IN GEFAHR

Spenden Sie für unabhängigen Journalismus. Beispielsweise, indem Sie Reporter ohne Grenzen unterstützen, eine Organisation, die sich weltweit für Pressefreiheit einsetzt. Falls Sie unsicher sind, ob Medienschaffende wirklich Ihre Unterstützung brauchen, hier ein paar Zahlen: Dieses Jahr sind 65 Journalistinnen, ihre Mitarbeitenden oder Blogger wegen ihrer Arbeit umgebracht worden. 318 Medienschaffende sitzen im Gefängnis. In Syrien ist die journalistische Arbeit am gefährlichsten, direkt vor Mexiko. Aber auch in Europa ist Journalismus riskant: Alleine in der Türkei sitzen 42 Journalistinnen und Journalisten im Gefängnis, und erst vor kurzem wurde in Malta eine Reporterin durch eine Autobombe getötet.
www.rsf-ch.ch


Wirksam spenden So kommt ihr Geld an den richtigen Ort

Je mehr ein Hilfswerk auf sich aufmerksam machen kann, desto eher erhält es auch Spendengelder. Bei teuren, grossen Spendenaktionen sind Fragen nach der Verwendung der Gelder aber berechtigt. Hier einige Tipps, wie Sie abschätzen können, ob Ihr Geld sinnvoll eingesetzt werde:

  • Korrekt arbeitende Organisationen sind transparent und sagen Ihnen, welcher Anteil der Spendengelder in die Projekte fliesst und welchen Teil sie für Administration und Marketing aufwenden.
  • Überlegen Sie sich, welche Anliegen Ihnen besonders wichtig oder nah sind. Vermutlich wissen Sie schon einiges über das Thema und können so besser beurteilen, ob die Infos des Hilfswerks plausibel und die Massnahmen zielführend sind.
  • Wenn Sie sich für ein Projekt entschieden haben, sollten Sie einige Jahre bei Ihrer Wahl bleiben: Je treuer die Spenderinnen und Spender sind, desto weniger Geld müssen die Hilfswerke nämlich für Werbung ausgeben. Das ist nachhaltiger.
  • Meiden Sie Patenschaften, bei denen Sie nur ein bestimmtes Kind unterstützen. Damit entstehen in Familien oder Gemeinschaften unnötige Konflikte.
  • Vergessen Sie nicht, die Belege aufzubewahren. Sie können Spenden von den Steuern abziehen.

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