Endlich Peace und Sonne auf dem Balkon!

Nicht nur wegen des Bürgerkriegs in Syrien sind die Regenbogen-Friedensfahnen wieder hoch im Kurs. Mit diesen Tipps holen Sie das farbenfrohe Friedenszeichen auf Ihren Balkon.

Strahlend (von links): Sommerflor in den Kistchen, Peace-Fahne, work-Redaktorin und Gartenexpertin Sabine Reber. Ausser dem Sitzplatz auf dem Fenstersims ist alles auch kindertauglich. (Foto: Stöh Grünig)

Neulich standen wir, an die zwei Dutzend Friedenbewegte, bei kaltem Wetter auf dem Bieler Zentralplatz beisammen, gedachten der Opfer des Syrienkrieges. Es war ein garstig grauer Frühlingsabend; am Tag zuvor hatten wir von neuerlichen Giftgasangriffen des syrischen Regimes erfahren. Ein Syrer spielte auf seinem arabischen Saiteninstrument eine traurige Melodie. Das einzig Fröhliche an der Mahnwache waren die bunten Friedensfahnen, die wir wacker hochhielten. Meiner 10jährigen Tochter gefielen die Fahnen sehr. Und als wir später durch die Kälte nach Hause stapften, fragte sie mich, ob wir nicht bei uns daheim so eine aufhängen könnten. Am Küchenbalkon würde man sie weitherum sehen.

Nur ist es so, dass wir in einem Mietshaus mitten in der Stadt wohnen, und da gilt es Rücksicht zu nehmen auf die Befindlichkeit der anderen. Nicht, dass hier jemand für den Krieg wäre, das nicht. Aber so eine grosse bunte Flagge am Balkon wäre für manche Gemüter vielleicht doch gar provokativ. So kamen wir schliesslich auf die Idee, wir könnten wenigstens die Balkonkistchen in den Farben des Regenbogens bepflanzen. Blumen, und seien sie noch so bunt, würden gewiss niemanden stören.

VEGANE ERDE

Wir besorgten uns drei bunte Plastic-Kistchen. Die sind praktisch, weil sie viel weniger schwer sind als Eternitkästen, und ausserdem sind sie erst noch günstiger (unter 10 Franken das Stück beim Grossverteiler). Dann kauften wir zwei Säcke mit Blumenerde; pro Kistchen rechne ich etwa einen halben Sack.

Übrigens: Ich habe bei dieser Gelegenheit neue, vegane Balkonerde ausprobiert, die weder Hornspäne noch Mist oder kompostierte Fleischresten usw. enthält. Wenn schon für den Frieden pflanzen, dann ohne tierische Stoffe, wenn’s das jetzt schon gibt. Je nach Balkon und Brüstung sollten Sie zudem die passenden Halterungen kaufen. Zur Not tut’s manchmal auch eine Rolle Draht. Jedenfalls müssen die Kistchen und Töpfe immer sturmsicher befestigt sein.
Wenn Kistchen, Halterungen und Erde paratstehen, kommt der schöne Teil: die Blumen aussuchen. Für Balkonkistchen wählen Sie am besten klassischen Sommerflor wie Pelargonien, Petunien, Nelken, Lobelien, Bidens, Verbenen oder für einen schattigeren Balkon auch Begonien. Sommerflorpflanzen halten meist nur eine Saison, dafür blühen sie monatelang durch. Wildblumen sind zwar aus ökologischen Gründen sympathisch, aber für unser Kistchenprojekt haben sie wenig Sinn, weil sie nach einer Woche schon verblüht sind.

Worktipp: So finden Sie die besten Pflanzen

Sommerflorpflanzen für den Balkon werden im Mai gekauft und beim ersten Frost im Keller überwintert – oder kompostiert. Gute Pflanzen erkennen Sie im Gartengeschäft folgendermassen: Sie haben üppiges, gesundes Laub und kräftige Wurzeln. Fallen Sie nicht auf einzelne schöne, offene Blüten herein. Kaufen Sie lieber etwas weniger grosse Pflanzen, die wirklich kräftig aussehen, gut verzweigt sind und viele Knospen tragen. Besonders gesunde Jungpflanzen bekommen Sie in Biogärtnereien.

BLAUE BLUMEN

Nebst den klassischen Sommerflorpflanzen eignen sich für den Regenbogenbalkon auch kleinere, kompakte Dahlien, die es in diversen Farben gibt. Das Arrangement wird ganz hübsch, wenn nicht alle Pflanzen gleich hoch sind. Darum haben wir zwei orangefarbene Schwarzäugige Susanne eingefügt. Diese gibt es auch in Gelb. Und wenn Ihnen das Blau der üblichen Lobelien nicht genügt, können Sie auch zu den hellblauen Trichterwinden (Ipomoea tricolor ‘Blauer Himmel’) greifen. Die werden zwar recht viel grösser, können aber am Rand des Regenbogens in einem Topf funktionieren. Andere blaue Balkonpflanzen finden Sie bei Clematis, Gloxinien, Verbenen oder bei kleineren Rittersporn-Züchtungen wie zum Beispiel Delphinium ajacis, die einjährig sind und von Juni bis September blühen. Gutes, lange blühendes Blau gibt es ausserdem bei Glockenblumen, beispielsweise den Campanula portenschlagiana, die jedoch eher ins Violette gehen. Auch Leberbalsam (Ageratum) gibt es von Blau bis Violett.

LUST UND LAUNE

Violett an sich ist nicht schwierig, da gibt’s den Lavendel, die Salvien, die Katzenminze oder, ganz schön, duftende Edelwicken. In Rot, Orange, Gelb und Pink werden Sie jede Menge Blumensorten finden. Da suchen Sie sich einfach nach Lust und Laune aus, was Ihnen gerade gefällt und was von der Grösse her etwa passt.

Für unsere drei Kistchen haben wir schliesslich folgende Blumen ausgewählt: 6 rote Verbenen, 6 violette Petunien, 6 hellblaue Liebeshainblumen (Nemophila), 1 rosarote kleine Hochstämmchen-Malve, 2 hellgrüne Süsskartoffelpflanzen, 1 grosse gelbe Goldmarie (Bidens, auch Zweizahn genannt).

Schliesslich haben wir wenigstens fürs Foto die Friedensfahne doch noch kurz aufgehängt. Und während ich die Pflanzen zusammensuchte, hat mir meine Tochter als Überraschung eine kleine Friedensgirlande gestrickt, Blätz für Blätz, in jeder Farbe eins. Mit Textilfarbe hat sie die Buchstaben P E A C E draufgeschrieben.

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