Neue Studie liefert brisante Fakten
Wer wenig Lohn hat, wird öfter krank

Krankheiten wie Asthma, chronische Schmerzen oder Depression treffen Menschen mit tiefen Löhnen ungleich öfter als Gutverdienende. Kaum einen Einfluss hat dagegen die Nationalität.

Beitrag vorlesen lassen.
0:00 / 3:27
ES GIBT EINEN ZUSAMMENHANG ZWISCHEN EINKOMMEN UND KRANKHEITEN: Mit weniger Lohn steigt etwa das Risiko für Depressionen. (Foto: Canva)

Zum Beispiel Depression: Sie trifft Menschen mit tiefem Einkommen besonders oft. Laut einer neuen Studie der Krankenkasse Helsana liegt das Risiko, an der Krankheit mit oftmals wiederkehrenden Episoden zu leiden, in der tiefsten Einkommnskategorie bei fast 10 Prozent. Bei den höchsten Löhnen ist das Risiko dagegen nicht einmal 3 Prozent.

Noch stärker ist der Unterschied bei einigen körperlichen Krankheiten. So leiden Menschen mit Tieflöhnen viermal öfter an Epilepsie oder chronischen Schmerzen als Gutverdienende. Insgesamt analysiert die Studie 33 chronische Krankheiten, darunter Asthma, Diabetes, Krebs, grüner Star oder Herz- und Schilddrüsenleiden. Das Fazit ist eindeutig: «Die Beobachtung, dass Geringverdiener wesentlich häufiger unter chronischen Krankheiten leiden, bestätigt sich.»

Grosse Datenmenge

Durchgeführt haben die Studie im Auftrag der Helsana drei Forscher der Universität Basel. Sie werteten die Gesundheitskosten von rund 700'000 Personen aus, die während acht Jahren anfielen. Die grosse Menge an Daten lässt Zusammenhänge zwischen Einkommen und Krankheiten erkennen. Weshalb dieser Zusammenhang besteht, erklärt sie zwar nicht. Kurt Schmidheiny, Professor für Wirtschaftsstatistik und einer der Autoren der Studie, hat allerdings eine Vermutung:

Menschen mit niedrigem Einkommen haben wohl eher Berufe, die krank machen, oder leiden unter Geldstress.

Professor Kurt Schmidheiny. (Foto: zvg)

Das sagte der Forscher gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Auch Caritas Schweiz bestätigt, dass ein tiefes Einkommen eine starke psychische Belastung darstellt, was auch der körperlichen Gesundheit schaden könne. Bereits im Jahr 2002 hatte eine Studie der Caritas Schweiz aufgezeigt, dass ein ungelernter Arbeiter im Durchschnitt vier bis fünf Jahre früher stirbt als ein Akademiker. 

Weil sie öfter krank sind, verursachen Menschen mit tiefen Löhnen auch höhere Kosten für Arztpraxen, Spitäler, Medikamente und so weiter. Dabei zeigt sich einmal mehr: Ausländerinnen verursachen nicht höhere Kosten als Schweizer. Im Gegenteil: Im Schnitt muss die Krankenkasse für Menschen ohne Schweizer Pass sogar leicht weniger Leistungen bezahlen als für solche mit. 

1000 Franken weniger 

Die Helsana-Studie bestätigt damit eine Auswertung des Bundesamts für Statistik. Dieses hatte errechnet: Schweizer Staatsangehörige belasten ihre Krankenkasse im Durchschnitt mit 3554 Franken pro Jahr. Bei ausländischen Staatsagehörigen sind es dagegen nur 2569 Franken. 

Schreibe einen Kommentar

Bitte fülle alle mit * gekennzeichneten Felder aus.