Neuer Baukadervertrag
Baumeister wollten bei Polieren geizen – Unia setzt sich durch

Poliere sind die «Capos» der Baustellen und haben einen eigenen GAV. Doch dieser übernimmt jetzt alle Verbesserungen des neuen Landesmantelvertrags – trotz Widerstand der Meister.

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DIE «CAPOS» PROFITIEREN: Die Unia hat erreicht, dass die Verbesserungen im LMV auch für die Poliere gelten. (Foto: Keystone)

Jeden Tag publiziert der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) auf seiner Homepage spannende und weniger spannende Neuigkeiten. Sehr eng begleitete der Verband das Ringen um den neuen Landesmantelvertrag (LMV). Umso erstaunlicher ist, dass er jetzt komplett schweigt zum ebenfalls neu verhandelten Baukadervertrag. Dieser regelt die Arbeitsbedingungen von immerhin rund 7500 Polieren und Werkmeistern. In früheren Jahren war das noch anders. Da verkündete jeweils auch der SBV, was sich für die «Capos» der Baustellen mit den neuen Verträgen änderte. Doch heuer herrscht Funkstille. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt.

Unia mit Ansage für Poliere

Fakt ist jedenfalls: Seit je gilt der Landesmantelvertrag als Leitvertrag für den Baukadervertrag. Von Errungenschaften im LMV profitieren die Poliere ganz direkt. Auch weil viele Bestimmungen normalerweise eins zu eins in den Baukadervertrag übernommen werden. Dieser wird immer nach dem LMV-Ringen verhandelt – von Unia, Syna und Baukader Schweiz einerseits und dem SBV andererseits. Am 28. Januar war es wieder so weit. In Zürich trafen die Parteien zusammen. Am Tisch sass auch Chris Kelley, Co-Leiter Bau der Unia und dort verantwortlich für die Poliere. Er sagt:

Wir haben von Beginn an eine klare Forderung auf den Tisch gelegt. Nämlich dass Poliere als Schlüsselpersonen auf der Baustelle mindestens die gleichen Verbesserungen wie ihre Equipen erhalten müssen.

Die Verhandlungen seien aber alles andere als einfach verlaufen.

SBV wollte jedes Jahr neu verhandeln

«Der SBV stellte sich zuerst gegen eine verbindliche Übernahme verschiedener LMV-Verbesserungen.» Poliere hätten damit weder eine Garantie auf die neue Baustellenzulage von künftig 9 Franken gehabt, noch auf Verbesserungen bei der Reisezeit, noch auf garantierte Lohnanpassungen. Der SBV wollte es stattdessen offenbar kompliziert haben – und vor allem billiger. Kelley: «Sie forderten, jedes Jahr von neuem zu verhandeln, ob die Verbesserungen, wie sie in den kommenden Jahren im neuen LMV eingeführt werden, dann tatsächlich auch für die Poliere gelten.»

Doch auf ein solches Theater liessen sich die Gewerkschaften nicht ein. Nach intensiven Diskussionen setzten sie sich schliesslich durch. Damit konnten alle im LMV erreichten Verbesserungen auch für die Poliere gesichert werden (hier eine Übersicht). Chris Kelley freut sich. Und sagt:

Ob LMV oder Baukadervertrag: die aktuellen Verhandlungen zeigen wieder einmal, wie wichtig es ist, dass Bauleute zusammenstehen – geschenkt wird uns nichts.

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