Zweimal Kahlschlag und ein Hoffnungsschimmer
Pharma für alle statt Profit für wenige

Novartis und der Impfstoffhersteller Janssen schliessen zwei Produktionsstandorte in der Schweiz. Das kostet nicht nur 1200 Mitarbeitenden ihre Jobs. Die Konzernentscheide gefährden auch die Versorgungssicherheit. Die Basler Initiative «Pharma für alle» hat diese Gefahr erkannt und fordert jetzt staatliche Unterstützung.

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VIELE MEDIKAMENTE SIND IN DER SCHWEIZ AKTUELL NICHT ERHÄLTLICH: Das hat mit der Profitgier der Pharmakonzerne zu tun. (Foto: Keystone)

Derzeit ist in der Schweiz jedes vierzehnte rezeptpflichtige Medikament nicht erhältlich. Tendenz steigend. Auch der Bundesrat hat erkannt, dass Lieferprobleme weltweit und in der Schweiz zunehmen. Mit einem Massnahmenpaket will er den Import von Medikamenten erleichtern und bei einer schweren Mangellage die Eigenherstellung durch die Armeeapotheke ermöglichen.

Doch wenn es um die Sicherung von bestehenden Schweizer Produktionsstandorten geht, bleibt der Bundesrat untätig. SP-Präsident Cédric Wermuth kritisiert die fehlende Industriepolitik des Bundesrates und den einseitigen Fokus auf die Steuerstandortpolitik. In einer Interpellation fragt er den Bundesrat:

Was tut der Bundesrat zum Schutz der Arbeitsplätze bei Novartis in Stein und zur Sicherung der Versorgung mit strategischen Gütern?

Schliessung von zwei Traditionsstandorten

Der Pharmakonzern Novartis will die Tabletten- und Kapselfabrik in Stein AG bis Ende 2027 schliessen und 700 Personen entlassen. Und kurz vor Jahreswechsel gab der Impfstoffhersteller Janssen, der Teil des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson ist, bekannt: Die traditionsreiche Fabrik in Bern Bümpliz wird geschlossen und die Produktion in die Niederlande verlagert. 300 Festangestellte und 200 Temporäre verlieren dadurch ihre Stelle. Unia-Branchenleiterin Corinne Schärer sagt:

Aus unseren sozialpartnerschaftlichen Gesprächen wird klar, dass die Produktion in der Schweiz nur wegen der hohen Lohnkosten eingestellt wird. Alles, was zählt, ist die Steigerung des Gewinns, dadurch nehmen die Pharmakonzerne auch Risiken bei der Versorgungssicherheit in Kauf.

Initiativen zur Versorgungssicherheit

In Basel wird jetzt staatliche Unterstützung für eine gemeinwohlorientierte Pharmaindustrie gefordert. Progressive Parteien und Gewerkschaften haben Mitte Dezember die baselstädtische Volksinitiative «Pharma für alle» eingereicht. Der Kanton soll jährlich 2,5 Prozent des Steuerertrages, derzeit rund 70 Millionen Franken, in einen neuen Basler Pharmafonds einzahlen. Aus dem Fonds sollen gemeinnützige Projekte unterstützt und die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln verbessert werden. So könnten Kantonsapotheken Medikamente und neue Antibiotika zur Bekämpfung von Resistenzen produzieren und Universitätsspitäler bezahlbare Immunzell-Krebstherapien sicherstellen.

Im Frühjahr 2026 will auch der Bundesrat weitere Vorschläge zur Verbesserung der Versorgungssicherheit präsentieren – auch als Antwort auf die Volksinitiative «Ja zur medizinischen Versorgungssicherheit». Diese wurde Ende 2024 von einer Koalition aus Ärzteschaft, Organisationen der Pharmaindustrie sowie Konsumentenschutz und Forschenden eingereicht.

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