Noch mehr Sonntagsverkäufe
Nationalratsentscheid ist eine herbe Enttäuschung für das Verkaufspersonal

Der Nationalrat hat heute mit einer knappen Mehrheit für mehr Sonntagsverkäufe gestimmt. Jetzt droht das Referendum.

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I LOVE SUNDAYS: Die Aktion der Gewerkschaften heute Morgen vor dem Bundeshaus. (Foto: Manu Friederich)

Noch in der aufgehenden Sonne leuchteten heute morgen die roten Unia-Jacken der Gewerkschafterinnen und Gewerkschaften auf dem Bundesplatz. Kurz nach 7 Uhr ging das Flyern los. Das Ziel: Alle Nationalrätinnen und Nationalräte, die heute für den letzten Sessionstag das Bundeshaus betreten, einen Flyer zum Thema Sonntagsarbeit in die Finger zu drücken. Für die Parlamentarier unter der Bundeskuppel ist es ein kleiner Akt bezüglich Sonntagsverkäufen einen roten oder grünen Knopf zu drücken. Doch dem Verkaufspersonal in der Schweiz droht mit dieser Entscheidung eine Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen.
 
Konkret geht es um eine Standesinitiative aus dem Kanton Zürich. Diese möchte die Sonntagsverkäufe weiter normalisieren. Neu sollen Detailhändler pro Jahr an 12 Sonntagen die Tore öffnen dürfen. Die Gewerkschaft Unia stellt sich klar gegen diese Deregulierung. Heute morgen auf dem Bundesplatz ist auch Verkäuferin Doris Schneeberger (54). Sie drückt den Parlamentarier hochstpersönlich die Flyer in die Finger, darunter SVP-Nationalrat Mauro Tuena. Schneeberger macht ihm klar: Diese Abstimmung ist für alle Verkäuferinnen und Verkäufer von grosser Bedeutung. Wenige Minuten stimmte er trotzdem «Ja» zur Vorlage.

KEIN GEHÖR FÜR DIE BÜEZERINNEN: SVP-Nationalrat Mauro Tuena (r.) und Verkäuferin Doris Schneeberger (Mitte). (Foto: Manu Friederich)

Enttäuschung

Grosse Enttäuschung, als die Nachricht aus dem Bundeshaus kommt: Obwohl der Ständerat die Ausweitung der Sonntagsarbeit ablehnte, stimmte der Nationalrat dem Anliegen zu. Die Entscheidung war knapp, die Abstimmung entschied sich mit 2 Stimmen. Für Verkäuferin Schneeberger eine bittere Enttäuschung:

Ich habe mir aus den Gesprächen auf dem Bundesplatz mehr erhofft. Die Politiker hier drinnen würden doch auch nicht am Sonntag arbeiten wollen – warum sollen wir Verkäuferinnen das machen

Kaum vorstellbar, dass an einem Sonntag im Bundeshaus reger Betrieb herrscht.
 
Wie geht’s weiter? Das Geschäft wird in der Wintersession weiterbehandelt. Das Parlament hat die Chance, diesen Fehentscheid des Nationalrats zu korrigieren. Bleibt es bei der Ausweitung der Sonntagsverkäufe, ergreifen die Gewerkschaften und Verbündete das Referendum. In den letzten 20 Jahren wurden zwei Drittel aller Abstimmungen zu erweiterten Ladenöffnungszeiten abgelehnt.

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