Branchenkonferenz Detailhandel
Zum Beispiel Bosnien: Kampf um freien Sonntag zahlt sich aus

Offene Läden an Sonntagen? Im Schweizer Parlament wird das heiss diskutiert. Dagegen wehrt sich das Verkaufspersonal entschlossen. Wie sich das verhindern lässt, erklärt Gewerkschafterin Mersiha Beširović aus Bosnien und Herzegowina.

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ENTSCHLOSSEN: Die Gewerkschaften wehren sich mit allen Kräften gegen den bürgerlichen Angriff auf den freien Sonntag. (Foto: Manu Friederich)

«Hände weg vom freien Sonntag!» Das ist für die Verkäuferinnen und Verkäufer, die an der diesjährigen Branchenkonferenz Detailhandel der Gewerkschaft Unia zusammengekommen sind, ein klares Anliegen. Denn der freie Sonntag wird frontal von der rechts-bürgerlichen Mehrheit im Parlament angegriffen.

Konkret nahm alles seinen Anfang mit der Zürcher Standesinitiative unter dem Namen «Befristete Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten». Sie fordert, dass jährlich total zwölf Sonntage als Arbeitstage umfunktioniert werden, ganz ohne Sondergenehmigung. Heute sind vier Sonntage im Jahr erlaubt, je nach Kanton und Gemeinde. 

Post an den Ständerat

Für die Gewerkschaftsmitglieder ist klar: Der freie Sonntag ist für die Familie, für die Erholung, für das Leben da. Ende Mai geht das Geschäft in den Ständerat. Dafür haben die Verkäuferinnen und Verkäufer an ihrer Branchenkonferenz dem Ständerat Postkarten geschrieben, mit denen sie klar machen, warum der arbeitsfreie Sonntag ihnen so wichtig ist. 

In der nächsten Sommersession behandelt das nationale Parlament das Geschäft erneut und stimmt final darüber ab. Die rechts-bürgerlichen Mehrheiten in National- und Ständerat haben der Initiative aber grundsätzlich zugestimmt. Kommt es tatsächlich soweit, werden die Gewerkschaften mit einem breiten Bündnis das Referendum ergreifen.

Wie es ist, ständig am Sonntag arbeiten zu müssen, kennt das Verkaufspersonal aus Bosnien und Herzegowina. Gastreferentin Mersiha Beširović kämpft mit ihrer Gewerkschaft dagegen.

Der Gewerkschaftskampf in Bosnien

Beširović arbeitet bei der Gewerkschaft der Beschäftigten im Detailhandel und im Dienstleistungssektor (STBIH) in Bosnien und Herzegowina. Sie kennt die harsche Realität des Verkaufspersonals vor Ort. Denn das Land hat bei den Arbeitsgesetzten, besonders seit dem Jugoslawienkrieg in den 90er-Jahren, massive Lücken. 

MACHT DEN KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN MUT: Die bosnische Gewerkschafterin Mersiha Beširović. (Foto: zvg)

Ihre Gewerkschaft setzt genau da an: Für das Verkaufspersonal kämpften sie jahrelang für bessere Arbeitsbedingungen. Seit Jahren organisiert die Gewerkschaft das Verkaufspersonal, lanciert Proteste auf den Strassen und im digitalen Raum, führt Gespräche und Umfragen bei den Betroffenen durch und vieles mehr. Und der Erfolg kann sich sehen lassen! Für die Föderation von Bosnien und Herzegowina, ein grosser Teil des Landes, wurde schliesslich im November 2024 ein Gesetz eingeführt, das den Geschäften verbietet, am Sonntag und an Feiertagen offen zu haben. An der Unia-Branchenkonferenz sagte die Gewerkschafterin:

Nur solange wir uns wehren, können unsere Arbeitsbedingungen besser werden.

Entschlossen gegen das Chaos

Das Programm der diesjährigen Branchenkonferenz Detailhandel der Gewerkschaft Unia war dicht gefüllt mit wichtigen Themen. Was alle Mitglieder besonders beschäftigt, sind die tiefen Löhne in ihrer Branche. Besonders bitter: Obwohl in den vergangenen zehn Jahren die Produktivität im Detailhandel massiv gestiegen ist, sind es die Löhne real nicht.

An der Konferenz haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch auch die Chaos-Initiative der SVP diskutiert. Die Angestellten im Verkauf wehren sich klar dagegen. Denn sie arbeiten in einer Branche, in der die Arbeitskräfte heute schon händeringend gesucht werden.

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