Mit grosser Verspätung ist sie jetzt da:
Notrufnummer 142 bei häuslicher Gewalt

Heute geht in der Schweiz endlich die Notrufnummer 142 in Betrieb. Opfer von häuslicher Gewalt erhalten hier anonym und gratis Hilfe.

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HILFE ERHALTEN UNTER 142: Ab heute ist die Nummer aus der ganzen Schweiz erreichbar. (Montage: work)

Jede zweite Woche wird in der Schweiz eine Frau von ihrem Ehemann, Partner oder Ex-Partner, ihrem Bruder oder ihrem Sohn getötet. Das Motiv eines sogenannten Femizids: Frauenhass. Die Zahl dieser Tötungsdelikte hat sich in diesem Jahr nicht reduziert: Bis Ende April zählen wir in der Schweiz mutmasslich acht vollbrachte Femizide.

In der Prävention solcher Delikte hinkt die Schweiz massiv hinterher, obwohl sie sich mit dem Beitritt zur Istanbul-Konvention im Jahr 2018 dazu verpflichtet hat, adäquaten Schutz für Frauen in diesem Land zu bieten. Endlich geht es vorwärts: Per 1. Mai wird die Notrufnummer 142 gegen häusliche Gewalt lanciert.

Sechs Monate Verspätung

Eigentlich sollten wir seit November 2025 die Notrufnummer 142 haben. Wegen technischer Probleme verspätete sich die Lancierung der Nummer um ein halbes Jahr. Vom 1. November 2025 bis 1. Mai 2026 kam es zu zehn vollzogenen und einem versuchten Femizid.

Femizide sind die Spitze der Gewaltpyramide. Was mit einem sexistischen Witz beginnt und den Lauf zur Belästigung, Vergewaltigung oder Gewalt nimmt, kann bei einem Mord enden. In Zusammenhang mit der kürzlich erschienenen Kriminalstatistik 2025 veröffentlicht Brava die Website www.sexualisiertegewalt.ch. Diese zeigt deutlich auf, wie verbreitet sexuelle Nötigung, Belästigung oder Missbrauch ist. Dabei wichtig zu beachten ist die Dunkelziffer. Laut Brava bewegt sich diese zwischen 88 und 93 Prozent. Heisst: Rund eine von zehn Personen, die sexualisierte Gewalt erleben, geht zur Polizei.

Für Opfer und Angehörige

Opferhilfe-Hotline 142 ist seit dem 1. Mai in Betrieb und aus der ganzen Schweiz erreichbar. Menschen, die physische, psychische oder sexuelle Gewalt erfahren haben, erhalten unter diesem Anschluss Hilfe und Beratung.

Das Angebot ist kostenlos und anonym. Es richtet sich nicht nur an Betroffene, sondern auch an Angehörige und nahestehende Personen, die im Umgang mit einer Gewaltsituation Orientierung oder Entlastung suchen.

Die 142 ist keine Anlaufstelle in akuten Gefahrensituationen. In solchen Situationen ist weiterhin die Polizei oder der Rettungsdienst über die bestehenden Notrufkanäle zu kontaktieren.

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