Rosa Zukunft ‒ Technik, Umwelt, Politik
Solarenergie: Wir sind blinde Schweizer Hühner. Noch!

Wer vor allem auf Öl und ­Verbrennermotoren gesetzt hat, sieht jetzt, wo die Ölpreise explodieren, uralt aus. Genauso alt, wie die, die auch in der Schweiz immer noch oder wieder auf Atomkraftwerke setzen. Dabei hat uns SVP-­Bundesrat Rösti mit dem Winterbonus eine Supervorlage ­geliefert. Wann begreifen dies endlich auch die Freundinnen und Freunde der Solarenergie?

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Eröffnung der grössten Agri-PV-Anlage in Bayern: Der rechte Energie- und Landwirtschaftsminister Hubert Aiwanger (sechster von links) ist gegen Atomkraftwerke und pusht innovative Solarprojekte. (Foto: PD)

Die Welt ist ein Dorf. Früher wussten wir wenig bis nichts, wenn in Indonesien 500 000 Kommunistinnen und Kommunisten massakriert wurden. Heute verfolgen wir gespannt, wenn die USA einen abgeschossenen Kampfpiloten aus Iran herausholen. Obwohl sowohl Iran als auch die USA Fake News verbreiten, dass sich die Bretter nur so biegen.

Deshalb lohnt sich ein Blick über den Tellerrand immer. Auch in der Energiefrage. So hat Kuba leider nie begriffen, dass das Land längst auf Solarstrom und spottbillige elektrische Fahrzeuge hätte umsteigen müssen. Stattdessen lieferte Venezuela zu billiges Benzin, mit dem sie unter anderem die alten Spritfresser-Taxis betanken konnten. Jetzt ist Venezuela in die Hände der USA gefallen. Und in Kuba explodiert die Nachfrage nach chinesischen Solarpanels. Und Elektrotaxis verkaufen sich wie warme Weggli. Drücken wir dem kubanischen Volk die Daumen, obwohl oder gerade weil die Erben Castros krass versagt haben.

Und so steigt in Deutschland der Dieselpreis Tag für Tag. Vor ein paar Monaten bekämpften Bundeskanzler Friedrich Merz und Linkspolitikerin Sahra Wagenknecht das von der EU angestrebte Ende der Verbrenner­motoren, weil die deutschen Inge­nieure immer noch die besten Dieselmotoren herstellen würden. Jetzt ist es um die Freunde der Verbrenner verdammt still geworden. Dies, weil die USA und Israel mit ihrem unsinnigen Krieg die Ölpreise explodieren lassen. Und die Ölkonzerne, auf dieser Welle reitend, Übergewinne erzielen.

Bomben

Die Atomkraftwerke sind die Väter aller Atombomben. Bei der Produktion von Atomstrom entsteht als Nebenprodukt Plutonium, das man anreichern kann, um Atom­bomben herzustellen. Gleichzeitig sind Atomkraftwerke unsicher, weil immer raffiniertere bunkerbrechende Bomben auch die Schutzmäntel der Atomkraftwerke der neusten Generation knacken können. Und ältere sowieso. Deshalb griff Wladimir Putin das ukrainische AKW Saporischja an, und Donald Trump und Benjamin Netanjahu bombardieren Anlagen in der Nähe von iranischen Atomkraftwerken. Atomkraftwerke kann eben niemand schützen, deshalb sind sie die schmutzigen Atombomben im eigenen Land. Wie lange wird es dauern, bis die Schweizer Generalstäbler und ihre bürgerlichen Parteien diese einfachen Zusammenhänge begreifen?

Aber leider sind die Rechten in der Schweiz denkfaul. Und leider die Freundinnen und Freunde der Solarenergie auch. Dabei hat SVP-Bundesrat Albert Rösti uns mit dem Winterbonus eine Supervorlage geliefert, die bisher nur wenige zur Kenntnis nehmen. Den Winterbonus erhält, wer Freilandanlagen mit einer Leistung von 100 Kilowatt erstellt, die pro Kilowatt Leistung mindestens 500 Kilowattstunden Winterstrom pro Jahr produzieren. Während zwanzig Jahren werden alle – Stand heute – 18,5 Rappen pro im Winter produzierte Kilowattstunde erhalten und bleiben im Besitz der Energie und des Bodens. Nach 3 Jahren kann man auch eine Einmalabgeltung geltend machen und bekommt dann 3,50 Franken pro durchschnittlich jährlich produzierte Kilowattstunde. Diese 500 Kilowattstunden Winterstrom können dank zweiachsiger Aufständerung des deutschen Solartechnikanbieters Deger praktisch überall in der Schweiz erreicht werden. Um das Netz am Tag nicht zu belasten, werden die Anlagen mit Batterien kombiniert.

Besuch

Ich werde nächstens selber zu Deger fahren. Das neue Werk des Solarunternehmens befindet sich nur neunzig Autominuten von Schaffhausen entfernt. Deger wird für mich berechnen, wie viel Solarstrom SVP-Chef Marcel Dettling, Wirt Toni Brunner und SVP-Ständerätin Esther Friedli ohne grosse Produk­tionsverluste produzieren können.

Link:

  • rebrand.ly/agri-pv-bayern
    Ende März hat der rechte bayrische Energie- und Landwirtschaftsminister Hubert Aiwanger Bayerns grösste Agri-PV-Anlage mit Sonnen-Tracking-System in Betrieb genommen. Die Anlage auf einem landwirtschaftlich genutzten Feld kann rund 5000 Haushalte mit Strom versorgen. Aiwanger sagt dazu: «Dieses innovative Agri-PV-Projekt mit einem Tracking-System, das die Module flexibel zur Sonne ausrichtet, ist ein weiteres Leuchtturmprojekt im Solarenergie-Spitzenland Bayern. Im Gestänge unter den Modulen entstehen Brutplätze für viele Vogelarten.»

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