Spaniens Regierung begnadigt Gewerkschafterinnen
Die «sechs von der Schweiz» sind endlich frei!

Protest wirkt! Kurz vor Ostern begnadigt die spanische Regierung sechs Gewerkschafterinnen, die zu hohen Haftstrafen ­verurteilt worden waren.

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SOLIDARITÄT: Letzten Sommer forderten in Gijón 10 000 Menschen die Freilassung der Gewerkschafterinnen. (Foto: CNT)

Neun Monate schmorten sie bereits im Gefängnis. Und fast drei Jahre hätten noch folgen sollen. So hatte es der Oberste Gerichtshof Spaniens beschlossen. Für diesen steht nämlich fest, dass es sich bei den «seis de la Suiza», einer Gruppe von fünf Aktivistinnen und einem Aktivisten der ­anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT, um Kriminelle handle. Denn sie hätten sich in der asturischen Stadt Gijón wiederholt vor die Konditorei «La Suiza» gestellt und dort Protestschilder hochgehalten. Der Inhaber – er soll eine schwangere Arbeiterin zuerst belästigt und dann geschasst haben – sei durch diese Kampagne in den Ruin getrieben worden. Das sei schwere Nötigung, befand das Gericht, und liess die sechs Kolleginnen und Kollegen tatsächlich hinter Schloss und Riegel sperren (work berichtete).

Support von der Unia

Das Urteil erinnerte unweigerlich an die Franco-Diktatur und sorgte landesweit für einen Aufschrei. Massenproteste folgten, und die gesamte Gewerkschaftsbewegung stellte sich in seltener Eintracht bedingungslos hinter die CNT und ihre Inhaftierten. Auch ­international sorgte der Fall für Aufsehen. Im Namen der Unia geisselte Vania Alleva das Urteil als «inakzeptable Kri­minalisierung von Gewerkschaftsarbeit» und «direkte ­Attacke gegen die Meinungs­äusserungsfreiheit». Die Weggesperrten gehörten sofort begnadigt. Das war letzten Juli.

Kurz vor Ostern war es endlich so weit. Am 29. März verkündete die spanische Regierung, sie habe die «seis de la Suiza» mit sofortiger Wirkung begnadigt. «Gewerkschafts­arbeit ist kein Verbrechen», meinte dazu Vizepremierministerin Yolanda Díaz. Im Gegenteil könne «stolz sein, wer die Arbeitsrechte verteidigt», befand die Kommunistin weiter. Von Regierungschef Pedro Sánchez war bisher nichts zu hören. Klar ist jedoch: Der Sozialdemokrat und seine Linkskoalition haben zuletzt diverse Wahlpleiten eingefahren und stehen gehörig unter Druck. Nur sein geschicktes Nein zum Irankrieg hat Sánchez eine Verschnaufpause verschafft. Schlicht, weil es das unzufriedene linke Wählersegment mobilisiert hat. In dieselbe Logik fällt wohl der vorösterliche Regierungseingriff in einen Justizentscheid. Schliesslich stehen in Andalusien wichtige Regionalwahlen an. Die einst rote Bastion soll von den Konservativen zurück­erobert werden. Da kommt eine populäre Begnadigung von Gewerkschafterinnen gerade recht. Die CNT hält fest:

Dass unsere Leute heute (viel zu spät) frei sind, liegt nicht an einer generösen Geste der Macht, sondern einzig am beharrlichen Kampf der organisierten Arbeiterklasse!

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