Strasse von Hormus
Putin ­gewinnt den Irankrieg

Der Überfall auf Iran könnte sich zur grossen Energie- und Wirtschaftskrise auswachsen.

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PUTIN PROFITIERT: Mit freundlicher Unterstützung von Donald Trump. (Foto: Keystone)

Kriege, spottete dieser Tage ein US-­Komiker, seien Amerikas Geographieunterricht. Jetzt erfährt das dortige ­Publikum erstaunt, dass Iran am Persischen Golf liegt und dass rund 20 Prozent des globalen Öls durch dessen ­südliche Meerenge, die Strasse von Hormus, geschippert wird. Die hat Iran nun weitgehend zugemacht.

Das war vorauszusehen. Nun steigen die Preise an den Zapfsäulen und von Gütern, die transportiert werden müssen. Energieintensive Industrien (Stahl, Chemie usw.) schreien Alarm. BASF entlässt schon mal 2600 Arbeitende, Sri Lanka führt die 4-Tage-Woche ein, Grossbritanniens Gasreserven reichen nur noch für zwei Tage. Eine Rezession ist angesagt.

Vorübergehend etwas Linderung brachte der Verkauf von Ölreserven durch Regierungen und Konzerne (etwa die saudische Aramco, die zugleich vor einer «Katastrophe» warnt). Doch auch diesmal lassen Krisengewinner die Champagnerkorken knallen. Shell, Exxon, Chevron zuvorderst. Ihre Börsenkurse schnellten auf Rekordhöhe. Erwartbar.

Schon erstaunlicher: Russland. Wladimir Putin liefert Teheran Aufklärung über US-Truppen und ihre Stra­tegie. Potentiell tödlich. Doch Donald Trump belohnte ihn mit der Aussetzung der Sanktionen. Russland darf sein Öl und Gas wieder ungehindert verkaufen. Die Manna kommt Putin im Ukrainekrieg gerade recht.

Petrodollar, Petroyuan

So ist das mit Kriegen: Sie legen oft verschüttete Zusammenhänge offen. Blenden wir kurz zurück. 1973 machten die USA einen entscheidenden Deal mit Saudiarabien: US-Truppen garantierten die Sicherheit der Saudis, umgekehrt verkauften die Scheiche ihr Öl, das Blut der Weltwirtschaft, nur noch gegen Dollar. Mit den Dollar erwarben sie ­wiederum US-Schuldenpapiere. Dieses Konstrukt «Petrodollar» sicherte die US-Weltherrschaft: Alle brauchten Öl, und dafür mussten sie zuerst Dollar kaufen. Resultat: Die USA sind die einzige Ökonomie, die einen steten Zufluss von Geld hat, obschon sie sehr viel mehr konsumiert, als sie produziert. Die also höchstverschuldet auf Pump ihre technische Überlegenheit finanziert und eine riesige Kriegsmaschinerie, mit 800 Militärbasen weltweit. So viel zum Trumpschen Dauergejammer, die «ungerechte» Welt profitiere von den USA.

Da mittenrein hatte Iran wenige Wochen vor dem US-Überfall eine Bombe platzen lassen: Iranisches Öl kann künftig mit chinesischen Yuan bezahlt werden. Schiffsladungen, die mit diesen Petroyuans erworben wurden, kommen nun unbelästigt durch das Nadelöhr von Hormus.

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