Armeeminister Martin Pfister will massiv aufrüsten. Dabei hat uns die Brandkatastrophe von Crans-­Montana gezeigt, dass die Schweiz selbst weniger grosse Katastrophen als Kriege gar nicht bewältigen kann. Viel sinnvoller, als in der Nato-Logik die Militärausgaben zu erhöhen, wäre es also, wenn sich die Armee auf die ­Beschaffung von Systemen ­konzentrieren würde, die auch bei zivilen Katastrophen zum Einsatz kommen könnten.

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Elektroflieger Romeo: Er fliegt schon, vorerst noch unbemannt. (Foto: ZVG)

Die Schweiz gibt pro Kopf (richtig berechnet) mehr für Aufrüstung aus als jedes andere Land in Europa, einschliesslich Norwegen und Deutschland. Trotzdem sollen die Militärausgaben massiv erhöht werden, wenn es nach Armee­minister Martin Pfister und seinen – von der Nato verseuchten – Offizieren geht. Dabei können die USA ihre zu teuren Hightech-Waffensysteme gar nicht zeitnah liefern. Auch wegen des absolut unsinnigen Irankriegs.

US-Aussenminister Henry Kissinger brachte die Erkenntnisse des Vietnamkriegs vor mehr als einem halben Jahrhundert so auf den Punkt: «Die Guerrilla gewinnt, wenn sie nicht ­verliert. Die konventionelle Armee verliert, wenn sie nicht gewinnt.»

Statt in der Nato-Logik aufzurüsten, müsste die Schweiz zusammen mit Österreich eine Achse der vernünftigen Neutralen bilden. Und sich zusammen mit Spanien gegen den deutschen ­Rüstungswahn stellen. Kein Detail: Die Schweiz kann ihre Verteidigungs­ausgaben halbieren und würde pro Nase immer noch mehr ausgeben als ­Österreich.

Hilfe

Die Brandkatastrophe von Crans-Montana hat’s gezeigt: Die Schweiz kann selbst weniger grosse Katastrophen als Kriege gar nicht bewältigen. Armee, Rega, Air Zermatt und Air Glacier waren nicht in der Lage, die Verletzten zu transportieren. Italienische und französische Helikopter und ein ­rumänisches Transportflugzeug mussten herfliegen, um die Überlebenden der Brandkatastrophe in Spezialkliniken auch im Ausland zu transportieren. Dies, weil die Kapazität der Schweizer Spitäler nicht ausreichte, um die schwer Versehrten zu behandeln.

Die Armee müsste sich auf die Beschaffung von Systemen konzentrieren, die auch bei zivilen Katastrophen zum Einsatz kommen können. Zum Beispiel der Elektroflieger Romeo.
Im Fliegerhorst im bayrischen Oberpfaffenhofen haben sie, wenn nicht alle Anzeichen täuschen, klammheimlich ein sensationelles Produkt ent­wickelt: den Romeo.

Die Daten

Ein Romeo soll sechs Personen transportieren können. Oder einen Verletzten mit zwei Helfenden samt Pilotin oder Pilot. Start und Landung erfolgen elektrisch und somit geräuscharm und umweltfreundlich zugleich. Rein elektrisch kann der Flieger 190 Kilometer weit fliegen. Und mit Bio-Sprit sogar 800 Kilometer. Dies mit einer Geschwindigkeit von etwas mehr als 200 Kilometern pro Stunde. Schon mal nicht so schlecht! Noch heisser ist die Kostenseite: Ein Romeo soll drei Mal weniger kosten als ein Rettungsheliko­pter der Rega oder der Air Zermatt. Und auch im Unterhalt soll er drei Mal billiger sein. Der Preis pro Flugminute dürfte unter 10 Franken sinken.

Würde die Schweizer Armee 200 Romeos kaufen, würden die nicht mehr kosten als zwei unnütze F-35-Jets. Und mit 200 Romeos könnte sie im Notfall innert einer halben Stunde 1000 Helfende an jeden Punkt der Schweiz transportieren. Zum Beispiel bei einem grossen Erdbeben.
Affaire à suivre, würden die Welschen sagen: Wir bleiben dran!

Links:

  • rebrand.ly/romeo-flieger Videos erklären mehr als Artikel, selbst wenn sie auf thailändisch sind.
  • rebrand.ly/aero-200 Lange Zeit war das Unternehmen Dufour Aerospace mit seiner Idee eines Kipp-Flüglers technisch und konezptionell führend. Leider liess der Bund und seine Ruag die Walliser im Stich. Sie wurden nicht wirksam unterstützt. Bekommen sie eine zweite Chance? Denke, leider nein!

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