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Hohe Löhne dank Export – und starken Gewerkschaften

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Eine Bäckerin in der Schweiz verdient durchschnittlich 4700 Franken. Eine Bäckerin in Deutschland verdient dagegen nur 2800 Euro. Auch Lehrer, Maurer oder Pflegerinnen verdienen in der Schweiz deutlich mehr als in anderen Ländern. In Europa liegt der durchschnittliche Lohn nur in Luxemburg höher als in der Schweiz. Die Löhne in der Schweiz sind aber nicht so viel höher als im Ausland, weil ­Bäckerinnen, Lehrer oder Pflegerinnen in der Schweiz so viel mehr leisten als im Ausland. Die Schweiz hat vor allem ein höheres Lohnniveau, weil die Exportwirtschaft hochproduktiv ist. Die Beschäftigten in der Pharma, der Maschinenindustrie, der Medizinaltechnik, aber auch die international ausgerichteten Banken, Versicherungen und IT-Firmen erarbeiten hohe Erträge. Das erlaubt ihren ­Arbeitgebern, hohe Löhne zu zahlen.

Marktzugang

Branchen, die auf die Schweiz ausgerichtet sind, müssen mit diesen hohen Löhnen nachziehen. Sonst wandern ihnen die Beschäftigten in die Exportwirtschaft ab. Die Firmen mit Schweiz-Ausrichtung können wiederum die Löhne über höhere Preise finanzieren: Denn die Löhne und Erträge aus der Exportwirtschaft schaffen genügend Nachfrage, um die Preiserhöhungen durchzusetzen. Damit die Schweizer Exportwirtschaft so produktiv sein kann, braucht sie Zugang zu ausländischen Märkten. Im Gegensatz zu den USA oder der EU ist der Schweizer Binnenmarkt sehr klein (siehe Grafik). Es gäbe schlicht keinen genügend grossen Absatz, damit es sich lohnen würde, spezialisierte CNC-Fräsmaschinen für den Turbinenbau, Vakuumventile für die Chip-Produktion oder auch Kaffeekapseln mit hoher Markenbindung nur für die Schweiz herzustellen.

Öffnung

Aussenwirtschaftliche ­Öffnung ist deshalb im Interesse von Arbeitnehmenden in der Schweiz – unabhängig davon, ob sie nun in der Export- oder in der Binnenwirtschaft angestellt sind. Öffnung ist aber kein Selbstläufer. Höhere Produktivität führt nicht immer automatisch zu ­höheren Löhnen. Mehrerträge durch Handel kommen vor allem dann bei den Beschäftigten an, wenn die Arbeitgeber unter Druck stehen, sie den ­Arbeitnehmenden auch weiterzu­geben. Druck entsteht, wenn sie ­Arbeitskräfte suchen. Oder wenn Gewerkschaften Druck machen. Damit die Öffnung den Arbeitnehmenden nützt, muss sie deshalb immer mit starken Arbeitsrechten und Gewerkschaften einhergehen.

David Gallusser ist Ökonom beim ­Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB).

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