1936 gründeten ­Gewerkschaften und SP das S­chweizerische Arbeiter­hilfswerk. Ein feministisches, linkes und progressives Projekt, das im Kalten Krieg ins Visier der Eidgenossenschaft geriet.

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HATTE DIE FÄDEN IN DER HAND: Regina Kägi-Fuchsmann. (Foto: Schweizerisches Sozialarchiv)

Die 1930er Jahre waren geprägt durch die Weltwirtschaftskrise und die Ausbreitung des Faschismus. Die Arbeitslosigkeit war hoch, die prekären Lebensumstände ebenso. Deshalb gründeten der Schweizerische Gewerkschaftsbund und die Sozialdemokratische Partei 1936 das Schweizerische Arbeiterhilfswerk (SAH), als Zusammenschluss verschiedener Arbeiterhilfswerke. Federführend war Regina Kägi-Fuchsmann, die bis 1951 das SAH leitete. Sie war eine ­Feministin der ersten Stunde. Die Sekundarlehrerin baute in Schaffhausen eine Frauenzentrale auf und setzte sich für die Heimarbeiterinnen ein. Ihr Einsatz gegen Armut war immer verbunden mit der Forderung nach Gleichstellung: gegen tiefere Löhne, Doppelbelastung durch Job und Haushalt, fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten oder mangelnde Information über Unterstützungsangebote.

Staatliche Überwachung

Das SAH unterstützte Arbeiterfamilien, später auch Geflüchtete in der Schweiz, in Frankreich und in Spanien. Den ersten grossen internationalen Einsatz leistete das SAH während des Spanischen Bürgerkriegs ab 1936 durch die Aufnahme spanischer Kinder oder durch die Betreuung von Internierten in Südfrankreich. Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte sich das SAH für den Wiederaufbau Europas, auch am Aufbau gewerkschaftlicher und politischer Strukturen. Das SAH gehörte zu den ersten Schweizer Organi­sationen in der Entwicklungszusammenarbeit. Im Unterschied zur westlich geprägten und zur Zeit des Kalten Krieges oft politisch motivierten Entwicklungshilfe setzte das SAH auf Solidarität und gleichberechtigte Partnerschaften. Was zur Folge hatte, dass der Schweizer Staat auch SAH-Mitarbeitende überwachte. Das SAH war in Burkina Faso, Südafrika, Rumänien oder in Nicaragua aktiv.

In den 1990er Jahren stieg die Arbeitslosigkeit in der Schweiz massiv an, was die soziale Wahrnehmung von Arbeitslosigkeit grundlegend veränderte: Arbeitslosigkeit wurde nicht mehr als Problem einzelner wahrgenommen, sondern als kollektive Erfahrung. Das SAH reagierte mit dem Ausbau von Bildungs- und Beschäftigungsprogrammen für Erwerbslose.

Berufliche Integration

Zu Beginn der 2000er Jahre stand das SAH vor grossen finanziellen Problemen. Deshalb wurden 2005 die zentral geführten Regionalstellen in eigenständige Vereine übergeführt, um damit die Zusammenarbeit mit den kantonalen Auftraggebern zu verbessern. Der Bereich der internationalen Entwicklungszusammenarbeit wurde zu einer eigenständigen Organisation: Solidar Suisse.
Heute liegt der Fokus des SAH auf der sozialen und beruflichen Integration mit Bildungs-, Beratungs- und Beschäftigungsangeboten. Zehn selbständige Regionalvereine bilden das SAH-Netzwerk und sind mit rund 850 Mitarbeitenden in 18 Kantonen und 37 Städten der Schweiz tätig.

Der SAH feiert sein Jubiläum mit einer Broschüre.

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