Jugendstudie bringt Licht ins Dunkle
Jung und faul – was ist da dran?

Die Vorurteile gegenüber jungen Menschen auf dem Arbeitsmarkt sind zahlreich. Jetzt bringt eine Jugendstudie der Universtität St. Gallen Klarheit: Arbeit ist der Generation Z wichtig, genauso wichtig ist aber ihre Sinnhaftigkeit. 

Es ist eine alte Leier: Junge Menschen seien einfach zu faul zum Arbeiten. Was da dran ist, untersucht die aktuelle Jugendstudie der Universität St. Gallen. Sie befasst sich aber nicht nur mit der generellen Motivation der Menschen auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch mit dem Wohlbefinden, den Stressquellen und den Zukunftsperspektiven. Dabei haben die Autorinnen und Autoren «Boomer» bis «Gen Z» befragt. Die Ergebnisse sind überraschend, aufklärend und unterhaltsam.

Den Boomer scheint es prächtig zu gehen

Bei der Befragung nahmen über 3’000 Personen im Alter zwischen 16 und 65 Jahren teil, wohnhaft in der Schweiz. Die Ergebnisse der Befragung wurden nach Generationen aufgeschlüsselt: Boomer (60 – 65 Jahre), Generation X (44 – 59 Jahre), Generation Y (28-43 Jahre) und schliesslich die Generation Z (16-27 Jahre). Der Grundtenor der Umfrage zeigt deutlich: Die Boomer sind im Vergleich zu den restlichen Generationen sehr zufrieden. Besonders zufrieden sind sie bei ihrer familiären Situation und ihrer psychischen Gesundheit. Über alle Generationen hinweg ist die Zufriedenheit bei den Freunden bei allen etwa gleich hoch.

Je älter, desto geringer die psychische Belastung

Beim Thema psychische Belastung wird der Trend klar: Während gerade Boomer bei Selbstzweifeln, Angstzuständen und Perspektivlosigkeit sehr geringe Werte aufzeigen, ist der Druck bei jungen Menschen grösser. Besonders leiden sie unter Stress, Erschöpfung und Selbstzweifeln.  

Die Gründe für die deutlich höhere psychische Belastungen in der Generation Z hat verschiedene Ursachen. Laut Studie der HSG sei es einerseits die Lebensphase, welche viele wichtige Entscheidungen mit sich bringe. Sei es Ausbildung, berufliche Zukunft sowie erste selbstständige Schritte im Leben. Nebst der persönlichen Entwicklung erlebt die jetzt junge Generation besonders krisenhafte Ereignisse wie die Corona-Pandemie, Kriege und die Klimakrise. 

Dies zeichnet sich auch beim Thema Ängste deutlich ab: Bei den heute 16 bis 27-Jährigen herrscht Angst vor Verlust, dem Versagen sowie der Zukunft.

Die Arbeit ist wichtig, aber…

Weiter zeigt die Umfrage, dass den Arbeitnehmenden in der Schweiz – unabhängig vom Alter – die Arbeit wichtig ist. Doch bei der Lust zum Arbeiten nimmt diese von Generation zu Generation ab. Während bei den Boomer die Lust zum Arbeiten noch bei 64% liegt, sinkt diese bis zur Generation Z auf 51%.

Geringe Aufstiegschancen bremst die Arbeitslust bei allen Generationen. Weitere Bremsfaktoren sind niedriges Gehalt, starre Arbeitszeiten, negative Energie am Arbeitsplatz und zu wenig Möglichkeit zu Homeoffice. Hier liegen die Werte bei allen Generationen auf ähnlicher Flughöhe, die Generation Z ist aber generell von den Bremsfaktoren mehr betroffen. Die Studie zeigt also auf: Für Büezerinnen und Büezer jeder Generation liegt der Ursprung von Demotivation bei den gleichen Faktoren. Nur ist die jüngste Generation laut Umfrage im Vergleich zum Rest bei den Bremsfaktoren immer um wenige Prozentpunkte mehr betroffen. 

Die Zauberformel

In einem zweiten Schritt nimmt die Studie unter die Lupe, was die Lust zum Arbeiten fördern kann. Bei der Generation Z sind es besonders inspirierende Führungskräfte und die Förderung der Fähigkeiten, welche die Lust zum Arbeiten steigert. Die Generation Y dagegen ist die Motivation eng mit der Führungskraft verbunden. Ihre Lust zum Arbeiten steigert eine zielorientierte und gesunde Führung. Die Boomer dagegen motivieren positive Erlebnisse, eine interessante Arbeitstätigkeit und ein stabiles Unternehmensimage überdurchschnittlich.

Arbeitszeitreduktion

Die Studie zeigt zudem auf, was die Gewerkschaft Unia seit geraumer Zeit kritisiert: Die effektive Arbeitszeit der Schweizer Büezerinnen und Büezer ist sehr hoch. Hier auch der klare Wunsch über alle Generationen: Reduktion der Arbeitszeit.

Die Gewerkschaft setzt sich ein, um die Arbeitsstunden zu reduzieren. Mehr Infos unter folgendem Link: https://unia.ch/de/schwerpunkte/manifest-arbeitszeitverkuerzung

Selbstsicher, attraktiv, überlegen

Die Studie blickt noch viel tiefer in die Selbstwahrnehmung nach Altersgruppen. Besonders interessant werden die Antworten der Teilnehmenden bei den Fragen zur Selbstwahrnehmung. Auffällig: Keine Generation tritt so selbstsicher auf wie die Menschen, welche heute zwischen 60 und 65 Jahre alt sind. Zugleich bewerten sich alle Generationen durchs Band etwa gleich unsympathisch:

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