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Daniel Schneider, Bade- und Eismeister (55): Manchmal bringt ihn auch Eis ins Schwitzen

Daniel Schneider lebt und liebt die Abwechslung. Im Sportzentrum Heuried ist er deshalb genau am richtigen Ort.

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Daniel Schneider (55) macht das Eisfeld und die Badi blitzblank. (Foto: Raja Läubli)

Daniel Schneider beginnt mit seiner Frühschicht in der winterlichen Dunkelheit. Dichter Nebel hängt über dem Eisfeld. Schneider schaltet die Lichter und die Musik an und macht das Sportzentrum Heuried mit seinen Teamkolleginnen und -kollegen parat für die Schulkinder, die sich an diesem Vormittag auf dem Eisfeld vergnügen werden. Das Eis erhält noch einen letzten Schliff mit der Eismaschine. Das Messer an der Hinterseite des Gefährts schneidet das Eis, und Düsen sprühen das Wasser mit Hochdruck auf die Eisfläche.

Auch ein Berufsbildner

In der Garderobe stellt Schneider die Schränke mit den vorreservierten Schlittschuhen für die Kinder bereit. Zur Stimmung auf dem Eisfeld sagt Schneider:

Schlittschuhlaufen ist auch eine Art Tanz, es geht um Balance und das Ausprobieren von Bewegungen, fröhlich, ausgelassen, spielerisch.

Er selber ist jedoch nur noch selten auf den Schlittschuhen unterwegs. Auch als Jugendlicher sei er vor allem wegen des Ambiente und der ­Begegnungen auf die Eisbahn gegangen. «Das Schönste an meiner Arbeit sind die Abwechslung und der Kontakt mit den Leuten», sagt Schneider. Nicht nur ist jeder Tag anders und manches unvorhersehbar, auch die unterschiedlichen Jahreszeiten sorgen für Vielfalt. Im Winter ist Schneider Eismeister, im Sommer Bademeister und das ganze Jahr über Berufsbildner. Er sagt: «Seit drei Jahren bieten wir die Lehre in Betriebsunterhalt mit Schwerpunkt Sportanlagen an.» Das sei eine sehr vielfältige Berufslehre, bei der die Lernenden alle sechs Monate eine neue Sportanlage kennenlernten. Im Verband «Fachmann Betriebsunterhalt» ist Schneider auch verantwortlich für die Inhalte der Abschlussprüfungen.

Beliebter Treffpunkt

Schneider kam 2017 vor der Neueröffnung der Sportanlage zum Betrieb der Stadt Zürich. Im Sommer ist das Heuried ein Freibad und beliebter Treffpunkt für Familien und Kinder. Schneider sagt:

Wir haben Jugendliche hier, die sich keine Ferien leisten können. Da haben wir manchmal auch eine Erziehungsfunktion, wenn es überbordet.

Aber meistens bleibe es friedlich. Viel öfter gebe es technische Probleme zu lösen. Mit seinem beruflichen Background im Wellnessbereich und mit Berufserfahrungen in Hallen- und See­bädern weiss Schneider meistens Bescheid. Bei technischen Störungen muss Schneider schauen, dass die Anlage möglichst schnell wieder läuft. Dazu kommen Routinearbeiten wie zum Beispiel Wasserproben und der Umgang mit chemischen Zusatzstoffen. Manchmal muss Schneider auch eine defekte Barriere in der Tiefgarage flicken oder in der Werkstatt einem Kollegen helfen

Ideen für die Zukunft

In der Zwischensaison im Herbst werden die Sonnenschirme versorgt, die ganze Anlage umgebaut, das Feld gereinigt und für die Eisschicht ­bereitgemacht. Schneider sagt: «Die ersten zwei Zentimeter des Eises bewässern wir mit dem Schlauch. Unter dem Platz sind die Rohre mit dem Kühlmittel, das dem Wasser die Wärme entzieht.» Erst dann kommt die Eismaschine zum Einsatz, mit der Schneider die Eisschicht millimetergenau präparieren kann. Wenn das Eis zu verfahren ist, gibt es während der Öffnungszeiten eine Pause von 15 Minuten, um das Eis zu reinigen. Schneider sagt:

Mit dem Abrieb des Eises könnten wir im Park des Freibades gut auch noch eine kleine Langlaufloipe in Betrieb nehmen.

Das sei aber vorerst nur eine Idee und noch nicht umgesetzt. Auch sonst hätte Schneider noch einige Ideen, insbesondere was die Nutzung der Abwärme aus der Kühlanlage angeht. «Eigentlich wäre dieser Ort super für ein Hallenbad oder auch eine Sauna.»

Aber vorerst bleibt es beim Freibad im Sommer und dem Eisfeld im Winter. Im Halleninnern gibt es zudem noch ein zweites Eisfeld, das ganzjährig fürs Eishockey und den Eiskunstlauf in Betrieb ist. Die Schichtpläne sind im Sommer so gemacht, dass man nicht am gleichen Tag bei 5 Grad drinnen in der Halle und bei 30 Grad draussen arbeiten muss. Schneider arbeitet in einem 80-Prozent-Pensum und verdient rund 5500 Franken brutto pro Monat. Er sagt: «Die Arbeitsbedingungen bei der Stadt Zürich haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, früher zählte zum Beispiel das Umziehen nicht als Arbeitszeit.» Auch bei Weiterbildungen sei die Stadt sehr grosszügig. Die Schicht- und Wochenenddienste seien aber eine Einschränkung fürs Privatleben. Er sagt:

Die Arbeit hier ist schön, aber es ist ein Job, der 365 Tage pro Jahr gemacht werden muss und auch viel abverlangt.


Daniel SchneiderMaurer, Masseur, Meister


Daniel Schneider ist in der Stadt Zürich aufgewachsen und machte eine Lehre als Maurer. Nach ein paar Jahren als Selbständiger im Baugewerbe und Jobs als Maler und Gipser zog es ihn als Beleuchter in die Theaterwelt zum Musical «Cats». Im Jahr 2000 arbeitete er erstmals für die Stadt Zürich als Bademeister. Er machte auch eine Weiterbildung in türkischer Massage und war am Aufbau des Hammams im Stadtbad Zürich beteiligt. Zum Job als Eis- und Bademeister kam er vor neun Jahren.

Garten

Weil Schneiders Frau ebenfalls im Schichtbetrieb in einem städtischen Bad arbeitet, sehen sie sich unter der Woche nicht so oft. Zusammen mit ihren beiden jugendlichen Söhnen leben sie in einer Genossenschaftswohnung am Stadtrand von Zürich. Dort hat Schneider auch zwei Schrebergärten gepachtet, wo er Obst und Gemüse anbaut und in seiner Freizeit häufig anzutreffen ist.

Glaube

Auf die Frage, welches Buch er auf eine einsame Insel mitnehmen würde, sagt Schneider: die Bibel. Den christlichen Glauben hat er als junger Erwachsener entdeckt. Derzeit schaut er auf Netflix eine Neuinszenierung der biblischen Geschichte: «The Chosen».

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