Erfrischend: Endlich Schutzmassnahmen für Bauleute

Jetzt fordert auch Baumeisterverband: Hitzefrei ab 33 Grad!

Jonas Komposch

Nach jahrelanger Opposition gegen Baustopps bei Rekordtemperaturen fordern die Meister jetzt einheitliche Hitze-Limiten – zusammen mit den Gewerkschaften.

HEISS, HEISSER, FREI! Ab 33 Grad soll für Baubüzer Schluss sein mit chrampfen.  (Foto: Keystone)

Erfrischende News für Bauleute! Ab einer Temperatur von 33 Grad ist auf Schweizer Baustellen wohl bald «hitzefrei». Denn neuerdings sind es nicht mehr nur die Gewerkschaften Unia und Syna, die eine nationale Hitze-Limite fordern. Jetzt bietet endlich auch der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) Hand für eine einheitliche Lösung. Dies geht aus einer gemeinsamen Medienmitteilung hervor, welche die drei Sozialpartner heute Morgen verschickt haben. Demnach sollen die Bauarbeiter- und arbeiterinnen zwar auch künftig weiterarbeiten, solange der Gesundheitsschutz sichergestellt ist. Doch ab 33 Grad seien die Arbeiten einzustellen. Konkret fordern die Sozialpartner: «Ab einer durch MeteoSchweiz objektiv und regional prognostizierten Temperatur von 33 Grad und höher, sollen schwere Arbeiten im Freien an nicht dauerhaft beschatteten Stellen eingestellt werden.» Davon profitieren würden insbesondere Strassenbauer, Eisenleger, Schaler, Maurer und Maschinisten.

GEGEN KONVENTIONALSTRAFEN WEGEN HITZEVERZÖGERUNG

Darüber hinaus wollen der SBV und die Gewerkschaften die Bauherren und Generalunternehmen in die Pflicht nehmen. Diese sollen bei hitzebedingten Arbeitseinstellungen die Baufristen erstrecken und auf verzögerungsbedingte Konventionalstrafen verzichten. Diese Strafen stellten nämlich die Bauunternehmen vor eine «Wahl zwischen dem Gesundheitsschutz und der strikten Einhaltung des Termins».

Die gemeinsamen Ziele wollen die Sozialpartner nun in «allgemein geltende Bestimmungen» überführen. Hierzu haben sie einen runden Tisch mit Bauherren, Behörden, Generalunternehmen und der Suva etabliert. In den «kommenden Monaten» würden die Diskussionen fortgeführt. Mit einem Durchbruch für diesen Sommer ist also nicht zu rechnen. Doch bereits die gemeinsame Marschrichtung ist ein Meilenstein, wie die jüngere Geschichte zeigt.

REGIONEN UND SUVA PRESCHEN VOR

Jahrelang wollte der SBV nichts wissen von Arbeitseinstellungen bei grosser Hitze. SBV-Sprecher Matthias Engel etwa sagte noch im letzten August zu «Tele Z»: «Hitzefrei ist keine gute Lösung auf dem Bau». Begründung: «Weil es wirklich erst um drei oder vier Uhr nachmittags klar über 30 Grad ist. Dann haben die Bauleute eigentlich schon Feierabend und gehen in die Badi.» Auf den Bauplätzen kam diese Behauptung gar nicht gut an. Nun aber der Sinneswandel!

Chris Kelley, Co-Leiter Bau bei der Unia, zeigt sich erfreut: «Jetzt sind wir auf einem guten Weg, das immer drängendere Hitze-Problem zu lösen.» Kelley sieht bei den Baufirmen auch weniger eine radikale Kehrtwende, sondern eher eine Erkenntnis, die sich durchgesetzt habe. So seien die Sozialpartner der Kantone Waadt, Tessin, Genf und Wallis bereits vorgeprescht und hätten regionale Hitzefrei-Lösungen etabliert.

UNIA-MANN CHRIS KELLEY: «Die Firmen haben festgestellt, dass sich Bauen bei extremer Hitze kaum lohnt, aber hohe Risiken birgt.»

Auch die Suva ist über die Bücher und hat neue Regeln aufgestellt. Demnach müssen Arbeiten im Freien ab 33 Grad stündlich unterbrochen werden – und zwar für eine Pause von mindestens 15 Minuten. Unter diesen Bedingungen sei ein sinnvoller Baustellenbetrieb kaum mehr machbar, sagt Kelley. Betonieren gehe bei so vielen Unterbrüchen praktisch nicht mehr. Und schliesslich seien körperliche Schwerarbeiten bei Extremtemperaturen auch nicht produktiv. Das sehen laut Kelley auch viele Firmen so: «Sie haben festgestellt, dass sich Bauen bei extremer Hitze kaum lohnt, aber hohe Risiken birgt.»

Letztlich dürfte aber auch die Politik den Sinneswandel beim SBV beschleunigt haben. 2022 hatte SGB-Chef Pierre-Yves Maillard vom Bundesrat Antworten gefordert, wie er die Baubüezerinnen und -büezer besser gegen Hitze schützen wolle. Darauf machte die Landesregierung klar, dass die Baumeister «in der Pflicht» stünden – und zwar, um «die Schutzmassnahmen an den Klimawandel anzupassen.» Genau das ist jetzt im Gang. Endlich.


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1 Kommentar

  1. Adrian Flükiger

    Ein überfälliger Schritt in die richtige Richtung.

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