Nestlé-Fabrik in Kanada lahmgelegt

Streik bei Nestlé: Kitkat macht mal Pause

Iwan Schauwecker

461 Mitarbeitende der Nestlé-Fabrik in Toronto (CA) sind in einen unbefristeten Streik getreten. Sie fordern vom Schweizer Nahrungsmittelgiganten den vollen Teuerungsausgleich und eine Erhöhung der Pensionskassengelder.

IM STREIK: Die Büezerinnen und Büezer der Nestlé-Fabrik in Toronto haben ihre Arbeit niedergelegt. (Foto: Unifor)

Seit dem 6. Mai streiken 461 Arbeiterinnen und Arbeiter der Nestlé-Fabrik in der kanadischen Grossstadt Toronto. Vor der Fabrik, wo normalerweise Smarties und Kitkat-Schokolade produziert werden, gibt es jetzt einen Streikposten mit Musik und Sprechchören. Donna, eine Arbeiterin die seit 39 Jahren für die Nestlé-Fabrik arbeitet, sagte am ersten Streiktag zu einer Fernsehreporterin: «Eigentlich wäre jetzt Hochbetrieb, aber bis wir einen fairen Deal haben verlässt hier kein einziger Kitkat-Riegel diese Fabrik.»

STREIKFREUDIGE BELEGSCHAFT

Die gesamte Belegschaft ist in den Streik getreten. Die Streikenden fordern zusammen mit der kanadischen Gewerkschaft Unifor eine Anpassung der Rentenzahlungen und den vollen Teuerungsausgleich bei den Löhnen. Unifor ist die grösste Gewerkschaft in Kanadas Privatwirtschaft und hat 310’000 Mitglieder. Während des Streiks werden die Lohnausfälle der Arbeiterinnen und Arbeiter durch die Streikkasse der Gewerkschaft kompensiert.

BETRIEB UNTERBROCHEN: Aus dieser Fabrik gelangen derzeit keine Süssigkeiten mehr in die Läden. (Foto: Keystone)

Bereits vor drei Jahren haben die Fabrikarbeiterinnen und -arbeiter in Toronto erfolgreich gestreikt und nach drei Wochen Streik eine Verbesserung der Rentensituation erreicht. Eamonn Clarke, der Präsident der lokalen Sektion von Unifor, ist optimistisch, dass Nestlé auch dieses Mal einlenken wird: «Die Gruppe ist sehr stark und wir haben vier Streikkapitäne, welche die Dienstpläne machen.» So gebe es auch keine Streikbrecher.

Trotz des erfolgreichen Streik war das Management bisher zu keinen weiteren Gesprächen mit der Gewerkschaft bereit.

NESTLÉS DIVIDENDENREGEN

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern könnte sich mehr Grosszügigkeit in seinen weltweit 340 Fabriken, davon 9 in der Schweiz, durchaus leisten. Nestlé-CEO Mark Schneider garnierte im letzten Jahr 11,2 Millionen Franken und der Konzern aus Vevey VD erwirtschaftete einen Reingewinn von 11,5 Milliarden Franken. Und erhöhte die Dividende zum 29. Mal in Folge. Auf Anfrage von work schreibt Nestlé Kanada: «Unser Ziel ist es, die Mitarbeiter wieder an ihren Arbeitsplatz zu bringen.» Nestlé schreibt weiter, dass mit den Gewerkschaften ein Tarifvertrag ausgehandelt werde soll, der das Werk in einem «zunehmend schwierigen Marktumfeld» wettbewerbsfähig halte. Die Arbeitsunterbrechung habe bisher noch zu keinen leeren Regalen im Detailhandel geführt, schreibt Nestlé.

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