14. Juni: Die Forderungen der Streikkollektive stehen
Mehr Lohn, mehr Rente, mehr Elternzeit, mehr Schutz – jetzt!

Die Vorbereitungen für den 14. Juni laufen auf Hochtouren. In Freiburg haben Streikkollektive aus der ganzen Schweiz ihre Forderungen aufgestellt. work war dabei.

GEMEINSAMER SCHWUNG: Volle Konzentration für die Streikforderungen. (Foto: Paola Ferro)

Samstag, 4. März, 9.30 Uhr: Die Luft flimmert im Freiburger Ausgehlokal «FriSon». Über 250 Aktivistinnen aus der ganzen Schweiz haben sich hier versammelt – und sind Feuer und Flamme für den Frauenstreik am 14. Juni. Passend dazu das Logo: eine lila Flamme mit einer starken Faust. Der Slogan: «Auf zum feministischen Streik am 14. Juni!», «Ensemble vers la grève féministe!», «Verso lo sciopero femminista!».

Endlich Lohnkontrollen und Sanktionen!

GEBROCHENE VERSPRECHEN

Von Genf über Basel bis Bellinzona sind sich die Streikkollektive einig: Es braucht jetzt einen weiteren Ruck in Sachen Gleichstellung.

So muss es beim Lohn endlich vorwärtsgehen. Gefordert werden die Verkürzung der Arbeitszeit, voller Lohnausgleich, bessere Arbeitsbedingungen und Lohner­höhungen in den ­sogenannten Frauenberufen. Explizit: gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit. Ausserdem müsse das Gleichstellungsgesetz verschärft und bei Verstössen strenger durchgegriffen werden. Etwa mit echten Lohnkontrollen und Sanktionen.

Eine Aktivistin aus Bern bringt es auf den Punkt: «Jedes Versprechen, die Rentensituation der Frauen zu verbessern, wurde gebrochen.» Das Resultat der vergangenen AHV-Abstimmung und somit die Erhöhung des Frauenrentenalters sind ein Grund mehr, am 14. Juni auf die Strasse zu gehen und in den Betrieben zu streiken. Die Forderung der Streikkollektive: eine sofortige Stärkung der AHV, angefangen mit der Einführung einer 13. AHV-Rente.

Die Aktivistinnen diskutieren sämtliche Forderungen bis ins Detail. Die Köpfe rauchen, die Stimmung bleibt kämpferisch. Dazwischen gibt’s Buttons, Broschüren und lila Bandanas. Doch die Pausen sind kurz, viel Arbeit steht an!

ABTREIBUNG IST KEIN VERBRECHEN

Schon geht es zum nächsten Thema: die Elternzeit. Hier hinkt die Schweiz im internationalen Vergleich lahm hinterher. Die Streikkollektive sind sich einig: das muss sich ändern. Deshalb fordern sie eine Elternzeit von mindestens einem Jahr pro Elternteil und Kind. Wer nach der Elternzeit an den Arbeitsplatz zurückkehrt, muss einen Kündigungsschutz von mindestens sechs Monaten erhalten. Und: Der Bund soll Eltern mit der Finanzierung von Betreuungsplätzen unter die Arme greifen.

Dringende Änderungen braucht es auch bei Schwangerschaftsabbrüchen. Diese sind heute im Strafgesetzbuch geregelt. Deshalb die Forderung: Schwangerschaftsabbrüche müssen neu im Zivilgesetzbuch geregelt und – unabhängig vom Aufenthaltsstatus der Betroffenen – kostenlos sein. Erst kürzlich scheiterte eine Abstimmung im Nationalrat dazu. Die grüne Nationalrätin Léonore Porchet wollte mit einer parlamentarischen Initiative den Schwangerschaftsabbruch aus dem Strafgesetzbuch streichen. Denn Abtreibungen sollen in erster Linie eine Frage der Gesundheit sein, keine Straftat. 91 Ratsmitglieder waren dafür, 99 dagegen. Ihnen wollen die Aktivistinnen jetzt Beine machen.

APPLAUS UND LILA GLITZER

Zum Schluss ist der Forderungskatalog prall gefüllt. Insgesamt zehn Punkte verabschieden die Kollektive. Darunter auch: Die Bekämpfung von geschlechtsspezifischer, sexualisierter und häuslicher Gewalt. Nulltoleranz gegenüber diskriminierendem Verhalten. Und: Wer vor geschlechtsspezifischer, homophober, transfeindlicher und sexualisierter Gewalt aus der Heimat fliehen muss, soll ein Recht auf Asyl haben.

Unter Applaus werden die Forderungen verabschiedet. Dann heisst es für die fleissigen Aktivistinnen: den Tag ausklingen lassen, mit kämpferischer Musik, lila Glitzer und gemeinsamem Anlaufnehmen für den 14. Juni!

Die Streikforderungen im Detail gibt’s unter folgendem Link: rebrand.ly/nationaleassise.

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