Beschäftigte in Kitas und Sozialeinrichtungen fordern neuen Gesamtarbeitsvertrag

Deutschland: Zehntausende im Streik

Daniel Behruzi, Berlin

Auch in Deutschland schlagen Erzieherinnen und Erzieher Alarm: Allein in den letzten zwei Wochen gingen 75’000 von ihnen aus Protest auf die Strasse.

MEHR ZEIT FÜR DIE KINDER: Kita-Demo in München. (Foto: Keystone)

Sozialpädagogin Feli Traudes ist empört: «Warum verdient eine Sozialpädagogin monatlich Hunderte Euro weniger als ein Ingenieur? Warum eine Erzieherin viel weniger als ein Bankkaufmann – trotz gleich langer Ausbildungszeit? Unsere Arbeit ist sehr wichtig für die Gesellschaft. Das machen wir deutlich und fordern Solidarität ein.» Die Beschäftigten der Sozial- und Erziehungsdienste wollen nicht nur eine finanzielle Besserstellung, sondern vor allem bessere Arbeitsbedingungen.

Jede vierte Berufs­anfängerin gibt ihre Stelle nach fünf Jahren auf.

In den Kitas wollen sie unter anderem mehr Zeit für Vor- und Nachbereitung, Führungsaufgaben und die Ausbildung von Praktikantinnen und Praktikanten. Zudem will die Gewerkschaft Verdi einen Anspruch auf Weiterbildung durchsetzen. Bei Arbeit in belastenden Situationen sollen Mitarbeitende zusätzliche freie Tage erhalten. Vorbild hierfür sind die Gesamtarbeitsverträge, die Verdi zuletzt an mehreren Unikliniken durchgesetzt hat (work berichtete). Vom angepassten Gesamtarbeitsvertrag würden unmittelbar 330’000 Beschäftigte in kommunalen Einrichtungen profitieren. Doch der GAV des öffentlichen Dienstes prägt die Arbeitsbedingungen im Grossteil der gesamten Branche mit ihren insgesamt mehr als 1,5 Millionen Mitarbeitenden.

FACHKRÄFTE FEHLEN

Bislang zeigen die Arbeitgeber ihren Beschäftigten bei den GAV-Verhandlungen jedoch die kalte Schulter. Dabei hätten sie allen Grund, für bessere Bedingungen in den Kitas und Sozialeinrichtungen zu sorgen. Denn sie suchen händeringend Personal. Allein für die Kitas hat die ­Gewerkschaft Verdi einen Bedarf  von 173’000 zusätzlichen Fach­kräften errechnet, die für eine gute frühkindliche Bildung nötig wären. Die Bedingungen sind so schlecht, dass jede vierte Berufsanfängerin ihre Kita-Stelle innerhalb der ersten fünf Jahre schon wieder aufgibt.

Sollten die Arbeitgeber bei den Verhandlungen weiterhin kein Entgegenkommen zeigen, dürfte der Konflikt weiter eskalieren. Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle stellt klar: «Dann werden wir die Streiks massiv ausweiten.»

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