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Samichlaus Robert Käppeli (64): «Manchmal sage ich nur das Positive»

Christian Egg

Seit bald 40 Jahren geht Robert ­Käppeli als Samichlaus zu den Familien. Nicht immer sagt er den Kindern das, was ihm die Eltern aufgetragen haben.

CHLAUS SEIT 40 JAHREN. Robert Käppeli (64) sagt, warum nicht jeder zum Samichlaus taugt. (Foto: ZVG)

Er sei ein wohlwollender Samichlaus, sagt Robert Käppeli. Nicht das Tadeln stehe im Vordergrund – der Chlausbesuch solle für die Kinder ein positives Erlebnis sein. «Es gibt Eltern, die denken, in zehn Minuten erzieht der Samichlaus mein Kind. Das können sie vergessen.» Andere reichten ein derart umfangreiches Sündenregister ein, «dass ich mich frage: Hat das Kind auch schon mal etwas recht gemacht im Leben?». Manchmal steche ihn dann der Hafer, sagt Käppeli und schmunzelt: «Dann lasse ich die Kritik weg und sage nur das Positive.»

Früher sei es ab und zu vorgekommen, dass die Kinder zwar parat waren, aber der Vater vor dem TV hockte. Das sei selten geworden, sagt Käppeli: «Heute ist das Brauchtum in den Familien wieder wichtiger.»

Seit bald 40 Jahren ist Käppeli in der Adventszeit als Chlaus unterwegs. Meist seien die Anliegen der Eltern unproblematisch – etwa, dass ein Kind mehr im Haushalt helfen solle. Aber einmal, da hätten acht Erwachsene ihn als Samichlaus erwartet, erinnert sich Robert Käppeli. «Und ein Bub. Und dem hätte ich dann sagen sollen, er solle nicht immer in die Dusche brünzeln.» So sei es auf dem Anmeldeformular gestanden, das die Eltern bei der Sankt-Niklaus-Gruppe Olten ausgefüllt hätten.

Aber nein, das sei nicht gegangen, sagt Käppeli: «Ich konnte das Kind doch nicht vor allen blossstellen!»Also fragt er den Bub zuerst, ob er sein Zimmer aufgeräumt habe. Als der nickt, gibt sich der Samichlaus ungläubig: «Komm, zeig mir das mal.» Und erst im Kinderzimmer, unter vier Augen, sagt er ihm in freundlichem Ton, dass die Dusche kein WC sei.

Auch sein Vater war schon in der Oltner Chlausgruppe tätig. Damals noch im Rahmen der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung. Als sich diese wegen mangelnden Nachwuchses auflöste, gründete Käppeli im Jahr 2000 zusammen mit ein paar Gleichgesinnten den heutigen Verein, um die Tradition weiterzuführen. «Wir machen es aus Freude und Überzeugung», sagt der 64jährige.

ALTE TRADITION: Samichlausen-Buch und Gewänder kommen bei der St.-Nikolaus-Gruppe Olten nur ein einziges Mal pro Jahr zum Einsatz. (Fotos: Severin Nowacki)

TREICHLER. Schon im Oktober verschickt der Verein die Anmeldeformulare, organisiert einen Esel, sucht Sponsoren. So richtig fange das Chlausen dann am Samstag vor dem 6. Dezember an, sagt Käppeli. Mit einem Umzug durch die Stadt, genannt «Aussenden». Da werden Samichlaus und Schmutzli von Laternenträgern und von Treichlern begleitet, ebenfalls Mitglieder des Vereins. Mit den Freiheitstrychlern, die gegen die Corona-Massnahmen protestierten, habe man aber überhaupt nichts am Hut. Im Gegenteil, so Käppeli: «Die fügen dem Brauch des Treichelns gerade einen grossen Schaden zu.» An den Übungstagen im Wald habe es mehrmals kritische Fragen von Spaziergängerinnen und Spaziergängern gegeben: «Da mussten wir erklären, dass wir für den Samichlaus üben und dass wir die Corona-Massnahmen unterstützen.»

Exakt 88 Familien besuchte der Verein dieses Jahr, am 5. und 6. Dezember. Vier «Pärli» aus Samichlaus und Schmutzli seien heuer unterwegs gewesen, so Käppeli – alle natürlich geimpft und übrigens immer Männer: «Das haben wir so in den Statuten.»

20 Franken kostet der Samichlaus-Besuch eine Familie. Käppeli: «Wer’s vermag, gibt etwas mehr. Aber wir wollen nur unsere Unkosten decken, mehr nicht. Unser Engagement ist freiwillig.» Beträge von 100 Franken oder mehr, wie sie andere Chläuse verlangten, lehnt Käppeli ab. Denn es gebe Eltern, die jeden Franken zweimal umdrehen müssten. «Der Sami­chlaus kommt zu allen, die ihn willkommen heissen.»

EINFÜHLSAM. Umgekehrt könne aber nicht jeder Samichlaus werden, sagt Robert Käppeli. Es brauche «Menschlichkeit», Einfühlungsvermögen und Erfahrung. Bei den Oltner Chläusen müssen deshalb Interessenten zwei, drei Jahre als Schmutzli mitgehen, bevor sie selber ins Chlausgewand steigen dürfen. Ab und zu führt der Verein gar ein Chlaus-Seminar mit Rollenspielen durch. Um künftig noch einen besseren Job zu machen. Denn es gibt auch schwierige Situationen. Käppeli erinnert sich an einen Besuch vor etwa zehn Jahren. «Da sagte der Gastgeber: Komm bitte noch mit zur Grossmutter, die liegt im Sterben.» Mit einem mulmigen Gefühl habe er zu der Frau gesprochen, ihr ein Kreuz auf die Stirn gemacht, «so, wie es mein Vater mir früher auch gemacht hat». Später habe er einen befreundeten Pfarrer gefragt, ob er das habe tun dürfen. «Er sagte mir, ich könne in einer solchen Situation nichts falsch machen. Da ist mir schon ein Stein vom Herzen gefallen.»

Wenn alle Familien besucht sind, hocken die Mitglieder noch zusammen. Einer kocht, meist Spaghetti oder Fleischkäse. Käppeli sagt: «Den ganzen Tag waren wir angespannt – beim Znacht dürfen wir es jetzt geniessen.»


Robert Käppeli  Advents-Fan

Er sei ein emotionaler Mensch, sagt Robert Käppeli von sich. Ganz besonders in der Vorweihnachtszeit, die lebe er voll aus. «Und wenn ich als Samichlaus einer Familie Zufriedenheit und Wärme vermitteln kann, habe ich meinen Job gut gemacht.» Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

CHAUFFEUR. Er arbeitete 27 Jahre seines Berufslebens in einer Giesserei, davon 20 Jahre im Kader. Im Jahr 2000 machte er sich als Getränkehändler und Chauffeur selbständig. Anfangs habe er davon gut leben können, aber dann hätten die Grossverteiler ihre Preise immer mehr gesenkt. Für ihn als Kleinunternehmer sei es unmöglich gewesen mitzuhalten: «Migros und Coop haben die Getränke zum Teil billiger verkauft, als ich sie einkaufte!»

Vor 13 Jahren habe er deshalb einen Job als Lastwagenchauffeur bei der solothurnischen Transportfirma Murpf angenommen. Ein schöner Beruf, sagt er: «Ich beliefere Kioske und Avec-Shops und komme dort mit vielen netten Menschen in Kontakt.»

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