Migros-Aktionstag: Unia verlangt bessere Arbeitsbedingungen

Einfach kein gutes Leben

Michael Stötzel

Der neue Slogan der Migros-Werbung heisst «Einfach gut leben». Die Mitarbeitenden würden das auch gerne.

Vielleicht war die Migros ja überrascht vom Aktionstag der Unia am 28. April: Vor 50 Filialen des orangen ­Riesen verteilten Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter Flugblätter und Handcrème mit dem Slogan «Wir wollen mehr als kosmetische Verbesserungen». Sie wurden dabei kaum behindert, für einmal pochte der Konzern nicht auf sein Hausrecht und rief nicht die Polizei.

HÖHERE LÖHNE

Als Kosmetik betrachtet die Gewerkschaft eine einmalige «Coronaprämie» von bis zu 500 Franken, die die Migros ihren Mitarbeitenden ausbezahlt hat. Sie soll ein Ausgleich für das Ansteckungsrisiko sein, das diese ge­tragen haben und immer noch tragen, um die Grundversorgung der Kundschaft zu garantieren.

Der Unia reicht das bei weitem nicht. Sie fordert höhere Löhne und einen Gesamtarbeitsvertrag, dem alle rund 99’000 Mitarbeitenden unterstellt sind. Kurzarbeitende sollen weiter ihren vollen Lohn erhalten. Es sollen keine weiteren Arbeitsplätze ausgelagert werden und soll keine betriebsbedingten Kündigungen mehr geben.

CORONA-GEWINNLERIN

Im Kern soll die Migros also die Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen zurücknehmen, die sie in den letzten Jahren, besonders aber seit Ausbruch der Pandemie, verordnet hat. So haben die Regionalgenossenschaften im letzten Jahr insgesamt 1500 Jobs gestrichen und damit den Arbeitsdruck weiter erhöht. Der GAV-Abdeckungsgrad fiel im letzten Jahrzehnt von 80 auf 62 Prozent. Und die Lohnerhöhungen – individuell zwischen 0 und 0,5 Prozent – sind die schäbigsten im ganzen Lebensmittelbereich.

Diese Einsparungen auf dem Rücken der Angestellten trugen dazu bei, dass der Konzerngewinn erstmals seit fünf Jahren wieder deutlich stieg. Ganz ohne die ausserordent­lichen Erlöse aus dem Verkauf des Globus und des Glattzentrums machte das Unternehmen ­einen Gewinn von 555 Millionen Franken, ein Zuwachs um sechs Prozent. Allein die ­Supermärkte erwirtschafteten sogar sieben Prozent mehr. Und als Mehrheits­besitzerin der grössten Schweizer Oninehändlerin Digitec Galaxus gehört die Migros auch noch zu den Corona-Gewinnlerinnen.

So geht das: Die einen bezahlen für das gute Leben der anderen.

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