Interview mit Unia-Mann Mauro Moretto:

Warum hat sich die Unia nicht gegen die schnelle Öffnung der Beizen gestellt?

Christian Egg

…und drei weitere brisante Fragen zum Gastro-Schutzkonzept an Mauro Moretto, Gastgewerbe-Verantwortlicher bei der Unia.

Mauro Moretto. (Foto: Unia)

work: Wie finden Sie das neue Schutzkonzept von Gastrosuisse?
Mauro Moretto: Es ist sicher deutlich besser als das erste. Gastrosuisse hat die Verbesserungsvorschläge der Gewerkschaften weitgehend berücksichtigt. Entscheidend ist jetzt, wie die Betriebe den Schutz umsetzen. Sie müssen die Mit­arbeitenden informieren und einbeziehen. Zentral ist das Ein­halten der Di­stanzen. Als Ergänzung ist auch ein guter Schutz mit Plexiglas wichtig, etwa an der Theke oder am Empfang. Und dann müssen die kantonalen ­Arbeitsinspektorate die Umsetzung kontrollieren. In anderen Branchen gab es in den letzten Wochen viel zu wenig Kontrollen. Die meisten Kantone müssen hier ­massiv zulegen.

Es gibt aber heftige Kritik aus der Branche, dass dieses Konzept
nicht ­praxistauglich sei. Es sei für Gastro­mitarbeitende zum Beispiel ­unmöglich, stets zwei Meter Abstand zu­einander zu halten.
Es stimmt, es gibt Betriebe, wo das nicht möglich ist. Dann müssen eben die ­Mitarbeitenden Hygienemasken oder Gesichtsvisiere tragen. Aber auch die Mitarbeitenden im Service haben das Recht, eine Maske oder ein ­Visier zu tragen. Für den Unmut habe ich Verständnis: Die Einschränkungen, die das Schutzkonzept zur Folge hat, machen niemandem Freude, aber ich sehe keine Alternative dazu. Wir alle – und da steht die Gastrobranche im Fokus – müssen mit konsequenten Schutzmassnahmen alles daransetzen, dass es keine zweite Infek­tionswelle gibt.

Gerade kleine Betriebe sagen, sie machten mit einer Teilöffnung mehr Verlust, als wenn sie geschlossen blieben.
Ob Gastrosuisse mit dem Durchdrücken einer schnellen Öffnung der Branche einen Dienst erwiesen hat, ist eine berechtigte Frage. Ich habe in den letzten Wochen intensiv verfolgt, wie sich Arbeitgeber zu ­einer schnellen Wiederöffnung der Betriebe stellen. Ich habe viele ablehnende Stimmen aus allen Landesteilen gehört – und ich kann sie nachvollziehen.

Weshalb hat sich die Unia denn nicht grundsätzlich gegen diese überstürzte Öffnung gestellt?
Unsere Position war immer glasklar. Es ist Aufgabe der Behörden und ihrer Experten, zu entscheiden, wann für welche Aktivität der richtige Zeitpunkt ist. Unsere Aufgabe ist der Schutz der Gesundheit der Mitarbeitenden. In diesem Sinn setzen wir uns überall für gute Schutzkonzepte und vor ­allem ihre Umsetzung ein. Die Wieder­öffnung erfolgt jetzt sehr schnell. Für ­einige Betriebe zu schnell, weil sie kaum Zeit haben, um die nötigen Schutzmassnahmen mit Einbezug der Mitarbeitenden umzusetzen.

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