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Stand UP Paddler Susen Walther & Stephan Marti: Meditation mit Surfbrett

Luca Hubschmied

Susen Walther und Stephan Marti gleiten über Wasser und verdienen damit ihr Geld. Sie betreiben in Erlach am Bielersee einen Shop für den Trendsport Stand Up Paddling (SUP), das Stehen auf dem Surfbrett mit dem Einsatz eines Paddels.

SPORTLICH. Susen Walther (51) und Stephan Marti (52) trainieren vom Ohrläppchen bis zum Zeh jeden Muskel beim Stand Up Paddling auf dem Bielersee. (Fotos: Severin Nowacki)

Eine graue Nebeldecke hängt über dem Bielersee bei Erlach an diesem Morgen. Susen Walther und ihr Partner Stephan Marti sind nicht unglücklich darüber. Wenige Tage vorher feierten sie mit ihrer SUP-Station das Einweihungsfest, und nun stapeln sich die Bestellungen für Stand Up Paddle Boards und die Anfragen für Touren und Events, die bearbeitet werden müssen. Auf Januar dieses Jahres hat das Paar die SUP-Station von ihren Nachbarn in Erlach übernommen und sich damit kurzerhand selbst ins kalte Wasser geworfen.

Seit Mai steht nun am Strandbad Erlach, ganz vorne am Wasser, ihr kleiner türkisblauer Wagen. Im Innern stapeln sich verschiedenste Modelle der Bretter. Ihren Ursprung hat die Sportart Stand Up Paddling in Hawaii, sie kombiniert das Stehen auf einer Art Surfbrett mit dem Einsatz eines Stechpaddels. Susen Walther und Stephan Marti verkaufen Boards, geben Kurse, organisieren Teamevents und beraten Kunden. «Wir wollten diese Erfahrung machen, einmal selbständig tätig zu sein», erklärt Susen Walther, «nun dürfen wir uns voll ausleben in dem, was wir tun.»

VON PARAGUAY … Sie haben ganz unterschiedliche Wege hinter sich, wie die beiden frohen Gemüter beim Kaffee im Strandbad erzählen. Stephan Marti ist in Menznau LU, aufgewachsen und hat eine Lehre zum Käser absolviert. Mit 23 Jahren begann er eine Anstellung als Instrumentenbauer. «Hauptsächlich baute ich Cymbals, also Perkussionsinstrumente. Dafür existiert keine Ausbildung, ich habe das in der Firma von Grund auf erlernt», erklärt er. Seit er seine heutige Partnerin Susen kennengelernt hat, wohnt er in Erlach.

Susen Walther ist gebürtige Deutsche und gelernte Kauffrau. Schon früh zog es sie weg aus der Heimat. In Paraguay lebte und arbeitete sie während zweieinhalb Jahren und studierte Informatik. Später arbeitete sie mehr als fünf Jahre in Holland und anschliessend in der Schweiz. Meist im kaufmännischen Bereich, als Assistentin, im Backoffice oder in der Buchhaltung. Dass sie mal in der Schweiz landen würde, hätte sie nie gedacht: «Ich war immer gegen Süden orientiert, doch in Erlach habe ich mich das erste Mal an einem Ort richtig heimisch gefühlt. Hier zu leben war eine Herzensentscheidung.»

… NACH ERLACH. Als sich dem Paar im vergangenen Herbst die Gelegenheit eröffnete, die SUP-Station in Erlach zu übernehmen, mussten sie innerhalb ­weniger Tage einen Entscheid fällen. «Wir sassen zu Hause beim Essen, schauten uns an und sagten, das wäre doch was für uns», erinnert sich Stephan Marti. Angst vor dem Risiko, das damit verbunden ist, hatten die zwei kaum. «Irgendwie stimmte der Zeitpunkt für uns», erzählt Susen Walther, «wir wollten beide eine Veränderung und waren bereit, diesen Sprung zu wagen und auch das Vertrauen ins Leben zu spüren.» Die beiden sind seit einigen Jahren begeisterte Stand Up Paddler. Susen war zuvor jahrelang Reitsportlerin mit einem eigenen Pferd. Nachdem sie in Costa Rica zehn Monate lang Reittouren geleitet hatte, beschloss sie, in der Schweiz etwas Neues zu wagen: «Über Freunde kam ich zum SUPen, und bereits beim zweiten Mal auf dem Brett war mir klar, dass ich mein eigenes haben wollte.»

So machte auch Stephan Marti zum ersten Mal Bekanntschaft mit der Sportart, nachdem er seine Freiheit zuvor jahrelang beim Motorradfahren ausgelebt hatte. Nach einem schweren Töffunfall verbrachte er viel Zeit in der Physiotherapie, erholte sich aber nur langsam. «Erst als ich mit dem Stand Up Paddling begann, hat sich mein Körper wieder stabilisiert. Dabei trainiert man vom Ohrläppchen bis zum Zeh jeden Muskel, das hat mir extrem gut getan.»

TRENDSPORTART: Für das Stand Up Paddling braucht es Surfbretter und ein Paddel – und mit etwas Übung gleiten gross und klein über den See.

ERFÜLLTE TAGE. Nun ist für die zwei die erste Saison angelaufen, diese dauert von Mai bis Anfang Oktober und bringt viel Arbeit mit sich. «Wir arbeiten sieben Tage die Woche, und insbesondere am Wochenende kann es schon stressig werden», sagt Stephan Marti, «am letzten Sonntag waren wir von 9 bis 20 Uhr durchgehend beschäftigt. Das gibt einem aber auch ein gutes Gefühl.» Die Arbeit am und auf dem See ist körperlich und geistig fordernd. «Wir sind abends oft erschöpft, aber auf eine erfüllte Art», erklärt Susen Walther.

Obwohl sie ihr Hobby zum Beruf gemacht haben, ist ihnen die Lust am Stand Up Paddling auch in der Freizeit noch nicht vergangen. «Mit dem Brett über den See zu gleiten ist sehr meditativ», betont Stephan Marti, «das verleidet mir nicht.» Auch Susen Walther bestätigt, dass die Sportart nicht langweilig werde, weil sie so viele verschiedene Möglichkeiten biete: «Stand Up Paddling bietet für alle Menschen immer wieder etwas Neues. Es lässt sich sportlich oder entspannt und spielerisch ausleben.»


Walther & Marti Quereinsteiger

Stephan Marti (52) ist gelernter Käser aus Menznau LU. Als Quereinsteiger landete er im Instrumentenbau und verbrachte viele Jahre lang seine Sommer­ferien auf der Alp zum Käsen. Susen Walther (51), geboren in der Nähe von Hannover, absolvierte eine kaufmännische Ausbildung in Deutschland, studierte in Paraguay Informatik und arbeitete später in Deutschland, Holland und der Schweiz. Seit diesem Jahr gehört den beiden die SUP-Station (Stand up Paddling) in Erlach.

ALPHORN. In der Freizeit widmet sich Stephan Marti oft der Musik und dem Klang. Er spielt unter anderem Gong, Alphorn und Hang. Viele Perkussions­instrumente hat er für sich selbst her­gestellt. «Die Klang­arbeit musste ich im Moment etwas zurückstellen. Zukünftig will ich mich dem aber wieder mehr widmen.» Susen Walther ist seit je ein Bewegungsmensch. Bevor sie zum SUPen kam, bestritt sie jahrelang als Reiterin Turniere. «Am liebsten bin ich draussen in der Natur. Ich mag das Element Wasser und bewege mich gerne darin oder darauf.»

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