Rosa Zukunft ‒ Technik, Umwelt, Politik
Elektrische Lastesel: Verstopfen diese Cargo-Bikes nächstens unsere Velowege?

Pöstlerinnen und Hand­werker würden sicher auf diese heissen 250-Watt-Lastwägelchen umsteigen. Sobald sie denn einwandfrei funktionieren.

VELO ODER WÄGELI? Darüber streiten sich die Kritikerinnen. So oder so aber kann man den elektrischen Lastesel im städtischen Verkehr mitschwimmen lassen. (Foto: Schaeffler)

Wie schnell dürfen Autos künftig in unseren rot-grün dominierten Städten noch fahren? Wird die Zahl der Parkplätze in den Zentren der Schweiz richtigerweise weiter reduziert?

Oft dauert alles etwas länger als gedacht? Aber die Tendenzen sind klar: Die Mehrheit der Städterinnen und Städter hat kein eigenes Auto mehr. Ihre Zahl wird weiter zunehmen. Der Anteil der SVP-Wählerschaft in den Städten schrumpft. Früher oder später kommt flächen­deckend Tempo 30. Und niemand kann erfolgreich gegen wachsende Mehrheiten politisieren.

Trotzdem müssen Lasten im städtischen Mikrobereich transportiert werden. Die beiden deutschen Unternehmen Schaeffler und Heinzmann wollen den Markt mit neuen, elektrisch angetriebenen Lasteseln aufmischen. Die Vorteile ihres Gerätes:

Vorteil 1: Die lästige Velokette fällt weg. Wer in die Pedale tritt, treibt einen Generator an, der Strom produziert. Dasselbe geschieht, wenn es bergab geht. Beim Bremsen erzeugt der Generator ebenfalls Strom.

Vorteil 2: Die deutsche Wundermaschine hat eine Leistung von 250 Watt. Sie kann so auch mit 50 Kilometern pro Stunde durch die Gegend düsen. In Deutschland wird ihr Tempo vorerst auf 25 Kilometer pro Stunde begrenzt, damit der Lasten-Pedelec – wie das «Pedal Electric Cycle» abgekürzt heisst – auch Velowege benutzen kann. Ein Trick.

Vorteil 3: Die Fahrerin und der Fahrer können so stark in die Pedale treten, wie sie dies wollen. Mehr als 50 Watt werden auch die stärksten Wädli nicht produzieren können.

Vorteil 4: Dank der Konstruktion des Gestells sitzen die Päckli-Botinnen und -Boten der Zukunft gut geschützt vor dem Wetter auf dem Velo­sattel. Bald einmal wird alles noch bequemer dank Sesseln, die reinmontiert werden. Samt einer Sitzheizung für den Winter, der auch nicht mehr das ist, was er einmal war. Wegen des Klimawandels.

Die im Internet recht aktiven Kritikerinnen und Kritiker der Unternehmen Schaeffler und Heinzmann haben irgendwo recht: Es handelt sich hier gar nicht um ein lupenreines elektrisches Cargo-Bike, sondern um ein elektrisches Lastwägelchen der nächsten Generation. Doch was sollte daran schlecht sein? Man kann die Cargo-Bikes im städtischen Verkehr mitschwimmen lassen. Sie können und müssen die Velowege somit nicht verstopfen.

Schaeffler und Heinzmann selber sind vorsichtig. Sie nennen keine Preise und keinen Einführungstermin. Sie testen ihr Konzept vorerst mit ausgewählten Partnern. Ist sicher richtig so. Wir bleiben dran und wünschen aus der Ferne guten Erfolg!

 

Links zum Thema:

  • rebrand.ly/velokette1 Wie so oft vermittelt das deutsche «Handelsblatt» die wesentlichen Informationen.
  • rebrand.ly/velokette2 275 Leserinnen und Leser der Homepage von «Heise online» kommentieren diese Erfindung. Die Mehrheit von ihnen ist negativ eingestellt. Für sie ist das Green­washing. Sie befürchten eine Verstopfung der deutschen Velowege.
  • rebrand.ly/velokette3 Bisher hiess es: «Hätte, hätte Fahrradkette». Neu gilt, wenn es nach Schaeffler und Heinzmann ginge: «Habe, habe keine Fahrradkette». Ein Video erklärt, wie es funktionieren soll.

 

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