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Heizungs- und Sanitärmonteur Nino De Simini (61): «Ziel meiner Arbeit ist das Energiesparen»

Ob Wärmepumpe, Bodenheizung oder Wasserversorgung: Nino De Simini kennt sich aus. Seit die Energiewende Fahrt aufgenommen hat, sind sein Wissen und seine Erfahrung gefragt. Das merkt er jetzt auch an seinem Lohn.

HEIZUNGS- UND SANITÄRMONTEUR Nino De Simini (61) will, dass es dem Klima gutgeht. (Foto: Matthias Luggen)

Wenn Nino De Simini gerufen wird, ist fast immer Not am Mann. Denn es bedeutet, dass die Heizung ausgefallen ist und der Fachmann sie so schnell wie möglich wieder zum Laufen bringen muss. Der 61jährige leistet solche Einsätze gern, sind doch die Kundinnen und Kunden am Ende des Tages immer dankbar, wenn sie nicht mehr frieren müssen.

Aber De Simini begnügt sich nicht damit, das Problem zu lösen: Mit der für Süditalien typischen Freundlichkeit gibt er oft Ratschläge zu Energiesparen und Umweltschutz. Denn die Umwelt, das macht der in Apulien geborene Büezer klar, steht für ihn im Zentrum. Nicht ohne Stolz sagt er, sein Beruf trage entscheidend dazu bei, unsere Häuser energieeffizienter zu machen: «Das Ziel meiner Arbeit ist es, für die Kundinnen und Kunden Energie zu sparen. Wir alle sind verantwortlich für die Umwelt. Die jungen Menschen, die seit Jahren für eine neue Klimapolitik demonstrieren, die haben meine volle Unterstützung!»

PATENT. De Simini hat in seinem Berufsleben schon alles gesehen, was mit Heizung zu tun hat. Er installiert Wärmepumpen, Erdwärme- und Solaranlagen sowie Fussboden-, Wand- und Deckenheizungen. Als Sanitärinstallateur montiert er ausserdem Wasserrohre, Lavabos, Badewannen und WC. Auch hier sind Energieeffizienz und ein geringerer Wasserverbrauch das Ziel.

Die Leidenschaft für den Beruf hat er von seinem Vater geerbt, der ebenfalls Heizungs- und Sanitärmonteur war: «Als ich ein kleiner Junge war, nahm er mich ab und zu mit auf einige Baustellen. Ich fand es toll, ihn bei der Arbeit zu sehen, und wusste: das will ich später auch machen!»

Nach der Ausbildung wagte Nino De Simini den Schritt in die Selbständigkeit, spezialisierte sich auf ökologische Deckenheizungen und wurde zum Tüftler. Vor einigen Jahren liess er – damals noch in Italien – sogar eine spezielle Art von Deckenheizung patentieren, die noch mehr Effizienz und Wärmekomfort verspricht als eine Bodenheizung. Das Entwerfen von Heizsystemen fasziniere ihn, sagt er: «Ich habe keine Hochschule besucht, aber ich habe viel Fachliteratur gelesen und dazu vierzig Jahre Erfahrung.» Sein Wunschtraum sei es, jemanden in der Schweiz zu finden, der in sein Deckenheizungssystem investiere.

De Simini kam 2014 in die Schweiz und suchte sich eine Anstellung als Heizungs- und Sanitärmonteur. In Italien sei es zunehmend schwierig geworden, in dem Metier zu arbeiten: «Die Wirtschaftskrise von 2008 hat uns schwer getroffen. Viele Menschen konnten ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen, und das traf natürlich auch die Firmen.» Erst seit 2020 gehe es der Branche wieder besser – dank einem Milliarden-Investitionsprogramm der italienischen Regierung. «Aber das läuft leider bald aus.»

work-Serie: Sie schaffen die Energiewende

Teures Gas, knapper Strom und eine Klima­krise, die sich immer deutlicher zeigt: Das Thema Energie bewegt die Schweiz wie schon lange nicht mehr. work richtet dabei den Blick auf die Büezerinnen und Büezer, die bereits jetzt an der Energiewende arbeiten. Alle Teile der «worktag»-Serie gibt es zum Nachlesen unter: workzeitung.ch/worktag

ZUKUNFT. Mit seiner jetzigen Arbeitssituation ist De Simini zufrieden. Als erfahrener Berufsmann ist er auch in der Schweiz sehr gefragt. Vor kurzem hat er die Stelle gewechselt und arbeitet jetzt bei der Sanitär- und Heizungsfirma Werner Stöckli im aargauischen Boswil. Für seine Vollzeitstelle verdient er dort gut 6000 Franken brutto pro Monat, viel mehr als den Mindestlohn. Und darf erst noch für seinen 50 Kilometer langen Arbeitsweg ein Firmenauto benutzen. Das Finanzielle sei das eine, sagt er. «Wichtig sind aber auch der Respekt gegenüber den Mitarbeitenden und die Sicherheit am Arbeitsplatz.» Das habe er bei der Firma Stöckli gefunden. Vorher hat Heiziger De Simini 8 Jahre temporär gearbeitet, was nicht immer einfach gewesen sei.

Die Sanitär- und Heizungsbranche ist entscheidend für den ökologischen Umbau. Doch der Fachkräftemangel wird sie in den kommenden Jahren noch härter treffen als heute schon. Das gilt auch für Lüftungs-, Klima- und Spenglerberufe. Für all diese Branchen gilt der Gesamtarbeitsvertrag Gebäudetechnik, und der wird dieses Jahr neu verhandelt. Eine Unia-Umfrage hat gezeigt, welche Forderungen den Arbeitenden in der Branche am wichtigsten sind: attraktivere Löhne für alle, Frühpensionierung in der ganzen Schweiz und mehr Ferien.

Als aktives Unia-Mitglied weiss auch De Simini, dass sein Beruf attraktiver werden muss: «Wir müssen mehr in die Ausbildung investieren, um die jungen Leute für die Zukunft der Branche zu rüsten. Denn unsere Arbeit wird mit dem Klimawandel gefragt sein wie nie!»


Nino de Simini Neustart mit 50

Es war nicht leicht, alles hinter sich zu lassen und ein neues Abenteuer in der Schweiz zu beginnen. Gaetano Riccardo De Simini, genannt Nino, verheiratet und Vater von drei Kindern, wanderte 2014 aus einem kleinen Dorf im apulischen Hinterland aus. Er hatte die ständige Krise und die ungewisse Zukunft satt. Seine Frau beschloss, in der Nähe der Kinder zu bleiben. Nur ab und zu kommt sie in die Schweiz und bleibt ein paar Wochen.

WIE DER VATER. Vor drei Jahren kam jedoch Ninos jüngster Sohn Michele zu ihm, nun leben beide im Kanton Solothurn und unterstützen sich gegenseitig. Auch Michele hat den gleichen beruflichen Weg eingeschlagen wie sein Vater und sein Grossvater. Das freut Nino De Simini: «Die Leidenschaft für die Wärmetechnik liegt bei uns in der Familie.»

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