Endlich, nach jahrzehntelangen Versuchen, die Altersvorsorge zu erneuern, legen Bundesrat und Parlament der Stimmbevölkerung ein Projekt vor, das grosse Chancen hat, angenommen zu werden und die Altersvorsorge für die nächsten Jahrzehnte zu sichern.

BEDEUTUNG DER AHV. Ein umstrittener Punkt bei der Finanzierung ist die Erhöhung des Pensionsalters der Frauen von 64 auf 65 Jahre. Dies wird von vielen zu Recht kritisiert, weil die Frauen beim Lohn und bei den Renten benachteiligt sind. Und jetzt sollen die Frauen mit der Erhöhung ihres Rentenalters auch noch diese Reform finanzieren? Hier gibt es wichtige Gegenargumente, da auch die Frauen durch die Altersreform wesentliche Gegenleistungen erhalten: Heute macht der Anteil der AHV bei den Rentnerinnen fast 80 Prozent aus. Nur 20 Prozent werden durch die zweite Säule finanziert. Deshalb bekommen die Frauen im Durchschnitt wesentlich weniger Rente. Bei den Männern beträgt der Anteil der AHV 57 Prozent, derjenige der zweiten Säule über 40 Prozent. Das unterstreicht zum einen die allgemeine Bedeutung der AHV für die Altersvorsorge, die insgesamt einen Anteil von 70 Prozent an den Gesamtrenten hat. Es wird aber auch deutlich, dass für die Frauen die vorgesehene Erhöhung der AHV um 70 Franken pro Monat noch wichtiger ist als für die Männer.

FRAUEN PROFITIEREN. Zudem gibt es für die Frauen auch in der zweiten Säule eine wesentliche Verbesserung. Bisher mussten Teilzeitbeschäftigte mit weniger als 21 000 Franken Einkommen gar nicht durch die zweite Säule versichert werden, und der hohe Koordinationsabzug verhinderte bei Tieflöhnen eine ordentliche Absicherung. Ein Viertel oder rund 500 000 aller weiblichen Erwerbstätigen sind nur AHV-versichert und haben gar keine zweite Säule, also keine Pensionskasse. Durch die Reform werden Teilzeitbeschäftigte und solche mit tiefen Löhnen besser versichert und kommen in den Genuss höherer Renten aus der zweiten Säule. Davon profitieren viele Frauen. Es gibt also auch für die Stimmbürgerinnen genügend Gründe, der Reform zuzustimmen. Trotz der bitteren Pille mit dem Rentenalter.

Hans Baumann ist Ökonom und Publizist.

work, 14.09.2017