Ich bin seit längerem zu 100 Prozent arbeitsunfähig und bekomme Geld von der Krankentaggeldversicherung. Per Ende März habe ich meine Stelle verloren und habe mich deshalb am 1. April 2017 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) arbeitslos gemeldet. Gleichzeitig habe ich mich bei der IV angemeldet. Die Krankentaggeldversicherung hat mir nun mitgeteilt, dass sie mir nichts mehr bezahlen werde. Ich würde jetzt Taggelder von der Arbeitslosenversicherung erhalten, bis die IV über meine Situation entschieden habe. Stimmt das?

TIMUR ÖZTÜRK: Nein, das stimmt so nicht. Zwar besteht in der Tat eine sogenannte Vorleistungspflicht der Arbeitslosenversicherung gegenüber der IV. Das heisst, die Arbeitslosenkasse bezahlt, bis die IV entschieden hat, ob und wie viel Geld sie von ihr erhalten. Die Taggeldversicherung darf ihre Zahlungen aber nicht einfach mit dieser Begründung beenden. Das könnte sie nur dann, wenn Sie bei einem Berufs- oder Stellenwechsel voll arbeitsfähig wären, und das ist bei Ihnen nicht der Fall. Die Taggeldversicherung kann von Ihnen zwar einen Stellenwechsel verlangen. Das gilt vor allem dann, wenn ein Wechsel aus medizinischtheoretischer Hinsicht sinnvoll ist, zum Beispiel, weil Sie Ihren eigentlichen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können. Sowieso darf die Versicherung die Taggeldleistungen nicht sofort einstellen, sondern muss Ihnen eine Anpassungsfrist von drei bis fünf Monaten gewähren. Diese Zeitperiode beginnt erst dann, wenn die Versicherung Sie darüber informiert hat, dass Sie sich beruflich neu orientieren müssten. Während dieser Anpassungsfrist erhalten Sie weiterhin das volle Taggeld.

work, 27.04.2017