Der Widerstand gegen Windkraftwerke in der Schweiz ist gross. Abhilfe schaffen können neue Technologien im Bereich der Sonnenenergie. (Foto: EMPA)

Trump elektrisiert die Welt. Fast alle regen sich über den Rüpel auf. Dabei macht er nur, was er angekündigt hat. Etwa beim Klimaschutz. Wie es weitergeht, hängt vom Widerstand ab. In den USA, aber auch – unter anderem – in Europa und der Schweiz.
Ist Trump das Doping, das wir, seine Gegnerinnen und Gegner, brauchen, um den längst überfälligen ökologischen Umbau voranzubringen? Ist nicht einmal auszuschliessen. Denn Greenpeace wird absehbar weniger Walfänger jagen, sondern mehr US-Kohleschiffe.

WINTERSTROM. Die Schweiz hat entgegen vielen Prognosen erstaunlich klar die Energiestrategie 2050 angenommen. Das Projekt hat mehrere Schwachstellen. Und trotzdem ist es ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Es wäre mehr als sinnvoll, wenn die Schweiz im windreicheren Ausland den fehlenden Winterstrom produzieren würde. Das haben Energieunternehmen wie die BKW längst begriffen. Um halbwegs sicher zu sein, bedingt dies aber ein Stromabkommen mit der Europäischen Union.
Erfreulich und wahr zugleich: Selbst die Kosten von Offshore-Strom, von Strom, der im Meer produziert wird, sinken dramatisch. So ist die deutsche EnBW, die Energie Baden- Württemberg, bereit, solche Anlagen ohne Subventionen zu bauen. Weil der technische Fortschritt glücklicherweise nicht aufzuhalten sei. Nächstens werden Windräder höher sein als der Eiffelturm und mit einer Leistung von 15 Megawatt absehbar pro Jahr 70 Millionen Kilowattstunden produzieren. So viel, wie 20 000 Haushalte pro Jahr zusammen verbrauchen.
300 grosse Offshore- Mega-Windräder werden mehr Strom und vorab mehr Winterstrom produzieren als alle Schweizer Atomkraftwerke. Sofern die pannenanfälligen CH-Schrottreaktoren überhaupt noch laufen.



VON VORNE UND VON HINTEN: Die Solarmodule auf dem Walliser Bettmerhorn produzieren nicht nur mit der direkten Sonneneinstrahlung Elektrizität. Sondern auch mit den Reflexionen im Schnee.

ZWEI GESICHTER. In der Schweiz war, ist und bleibt der Widerstand gegen immer grösser werdende Windkraftwerke verdammt gross. Obwohl diese die Landschaften in den Alpen revitalisieren würden. Aber dagegen wird unser aller Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz, Sturm laufen.
Wie können wir die Stromlücke im Winter schliessen, ohne vom ach so bösen Ausland abhängig zu werden? Vielleicht bringt uns hier die Solarenergie nächstens weiter. Vorausgesetzt, wir haben keine Scheuklappen.

- In Höhenlagen zwischen 2000 und 3000 Metern über Meer produziert die gleiche Solarzelle fast doppelt so viel Strom wie im nebelverhangenen Olten.

- Wenn bisherige Solarzellen richtig ausgerichtet werden, so fallen fast 40 Prozent der alpinen Stromproduktion im Winter an. Also dann, wenn die Schweiz Strom braucht und aus politischen Gründen keinen Windstrom importieren will.

- Neu gibt es «bifaciale» Solarzellen. Das Wort muss man sich merken. Und das Produkt verstehen: Die Zellen haben, wie das Wort nahelegt, zwei Gesichter. Man produziert sowohl mit der Vorderseite wie mit der Hinterseite Strom.

- Der Ertrag der Rückseite ist hoch, wenn Schnee in den Alpen liegt. Weil die Schneedecke die Sonnenstrahlen effizient reflektiert. Das nennen die Fachleute den «Albedo-Effekt».
Immer mehr Hersteller bringen bifaciale Solarzellen auf den Markt. Immer mehr Professoren und Institute versuchen, mit Modellen zu berechnen, wie man bifaciale Solarzellen aufständert, um optimale Erträge zu erzielen.

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LINKS ZUM THEMA:

rebrand.ly/bifacial
Ein Super-Folien-Satz. Erst sieben Monate alt. Voller Informationen für alle, die begreifen wollen, was es mit «bifacial» und «Albedo- Effekt» so auf sich hat.

rebrand.ly/weber
Für den politischen Berater Guido Weber wurde noch nie so viel gelogen wie heute. Die SVP macht es wie Trump oder umgekehrt.

www.next2sun.de
Dieses Unternehmen plant und baut bifaciale Solaranlagen, unter denen die Rinder ungestört das Gras fressen können. Dank Ost-West- Ausrichtung produzieren sie so den Strom vorab am Vormittag und am Nachmittag. Und nicht über Mittag.

rebrand.ly/enbag
Auf der Bettmeralp testete der lokale Energieverteiler EnBAG in diesem Winter bifaciale Solarmodule des Thuner Technologieunternehmens Meyer Burger.

work, 15.06.2017