Häusliche Gewalt findet meist hinter verschlossenen Türen statt. Umso wichtiger sind die Beratungs- und Anlaufstellen für Opfer. Von Sina Bühler (Foto: 123RF)

Es ist unglaublich: Noch vor 25 Jahren wurden in der Schweiz Ehemänner, die ihre Frauen vergewaltigten, nicht bestraft. Denn erst seit 1992 gelten Vergewaltigungen, die in einer Ehe stattfinden, überhaupt als Verbrechen. Und auch danach mussten die Opfer Anzeige erstatten, damit die Täter bestraft werden konnten. Unter Druck zogen sie die Anzeigen oft zurück.



Automatisch verfolgt: Gewalt in Beziehungen ist seit 2004 ein Offizialdelikt.

OFFIZIALDELIKT. Seit 2004 ist das zum Glück anders: Heute müssen die Behörden die Täter von sich aus verfolgen, wenn sie von einer Vergewaltigung erfahren. Das Gesetz gilt für heterosexuelle genauso wie für homosexuelle Paare, für Ehen, für Konkubinate, für Paare wie für Kinder, Geschwister und andere Verwandte. Und: Dieser Gesetzesartikel gilt selbst dann, wenn Täter und Opfer nicht zusammenleben oder bis zu einem Jahr nach der Scheidung.
Auch Körperverletzung, wiederholte Tätlichkeiten, Drohungen und sexuelle Nötigung in Partnerschaften fallen unter dieses Prinzip, sie alle sind sogenannte Offizialdelikte.
Und trotzdem: 2016 kam es zu fast 18 000 Straftaten im Bereich der häuslichen Gewalt, das zeigt die Kriminalstatistik. Weil sich häusliche Gewalt im Verborgenen abspielt, ist die Dunkelziffer vermutlich viel höher.

So können Sie reagieren, wenn Sie Opfer häuslicher Gewalt sind:


- Die erste Anlaufstelle bei Gewalt oder Drohungen ist die Polizei (Telefonnummer 117). Diese kann den Täter oder die Täterin sofort aus der gemeinsamen Wohnung wegschicken oder sogar festnehmen.

- Wenn Sie keinesfalls in Ihrer Wohnung bleiben wollen, dann finden Sie unter www.frauenhaus-schweiz.ch
die Telefonnummern der verschiedenen Frauenhäuser. Es gibt auch können oft zu Hause wohnen und ihren Einsatzbetrieb selber wählen, zum Beispiel in der Landwirtschaft, im Umweltschutz oder in der Pflege. Alle Informationen zum Zivildienst gibt es unter www.zivi.admin.ch.


FREIWILLIGENJAHR. Englisch unterrichten in China? Umweltschutz in Nepal? Friedensförderung im Mexiko? Für einen Freiwilligeneinsatz im Ausland sind die Möglichkeiten fast unendlich. Verschiedene Organisationen kümmern sich um die Vermittlung solcher Einsätze, kümmern sich um Visum, Flug und Unterkunft. Doch nicht alle Angebote sind empfehlenswert. Achten Sie auf folgende Labels: Tourism Child Protection Code, Tour Cert und Fair Trade Tourism. Tipps für die Auswahl gibt es beim Arbeitskreis Tourismus und Entwicklung.

work, 1.06.2017