Darf ich vorstellen: die Elefanten-Grafik! Ihren Namen trägt sie, weil man mit ein bisschen Phantasie die Silhouette des Dickhäuters erkennt. Die Grafik zeigt, wie die Einkommen (nach Steuern und Abgaben) zwischen 1988 und 2008 weltweit gewachsen sind. Auf der Waagrechten sind die Einkommensklassen eingetragen. Ganz links die ärmsten, ganz rechts die reichsten Menschen der Welt. Auf der Senkrechten findet man das Wachstum nach Klasse. Die Einkommen sind also in der Mitte der weltweiten Einkommensverteilung und bei den Reichsten am stärksten gestiegen. Für die Menschen ganz unten und beim Knick des Rüssels sind die Einkommen gesunken.

WACHSTUM. Was steckt hinter dieser Entwicklung? Branko Milanovic, Ex-Chefökonom der Weltbank, hat die Zahlen berechnet. Er zeigt, dass der Anstieg der mittleren Einkommen auf den wachsenden Wohlstand in Asien zurückgeht. Vor allem in China sind die Einkommen weiter Bevölkerungsteile dank der Globalisierung gestiegen.

LOHNDRUCK IM WESTEN. Ganz anders bei den Ärmsten in den armen Ländern. Sie waren von der Globalisierung weitgehend ausgeschlossen. Im Knick des Rüssels findet sich die Mittelklasse der westlichen Länder. Sie sah ebenfalls wenig vom wachsenden Kuchen, da sie stark an Verhandlungsmacht verloren hat. Unter anderem, weil Gewerkschaften geschwächt, Arbeitslosenversicherungen abgebaut und Mindestlöhne gedrückt wurden. Das wiederum hat den Topverdienern in die Hände gespielt. Die Grafik macht deutlich, dass Wirtschaftswachstum nicht automatisch zu mehr Wohlstand für alle führt. Ebenso wichtig sind Institutionen wie starke Gewerkschaften, die für eine faire Verteilung sorgen. Das gilt nicht nur für Europa und Nordamerika. Auch im globalen Süden wie zum Beispiel in China haben die Reichsten viel stärker als alle anderen vom Wachstum profitiert. Vergessen darf man auch nicht, dass die Unterschiede zwischen den Ländern riesig blieben. Daran haben die Globalisierung und der Aufstieg der «globalen Mittelklasse» wenig geändert. Ein Blick auf China zeigt das eindrücklich. Hier beträgt der jährliche Durchschnittslohn rund 8500 Franken. In der Schweiz ist es 10 Mal mehr.


David Gallusser ist Unia-Mitglied und Ökonom

work, 16.03.2017