Am ersten Tag nach seinen Sommerferien steht Thomas mit seinem neuen pinken Irokesenschnitt vor seiner Chefin. Eine ganze Dose Haarspray hat er gebraucht, um sie zu betonharten Spitzen zu formen. Auf dem linken Arm leuchtet derweil ein knallroter Blitz, die Nägel sind schwarz lackiert, und in seiner Nase stecken zwei verschiedene Ringe.
Die Chefin ist schockiert. Und schickt ihn wieder nach Hause. Er solle sich die Haare waschen und zurückfärben, die Ringe aus dem Gesicht nehmen und ein Hemd mit langen Ärmeln anziehen. So könne er hier nicht arbeiten. Thomas ist empört: «Mein Körper gehört doch mir!» Damit hat er zwar recht. Aber trotzdem darf ihn die Chefin dazu zwingen die Piercings zu entfernen. Und sie darf ihm auch die Haarfarbe vorschreiben. Denn das Weisungsrecht der Firma in Bezug auf die Erscheinung geht relativ weit.

REGLEMENT
Entweder stehen diese Regelungen in Ihrem Personalreglement, oder Sie erfahren mündlich, was drinliegt und was nicht. Solange diese Regeln nicht diskriminierend oder entwürdigend sind sollten Sie diese auch befolgen. Die Vorschriften müssen allerdings einen Bezug zu Ihrer Arbeit haben. Die Chefin oder der Chef darf Ihnen die pinken Haare nicht einfach deshalb verbieten, weil sie ihr nicht gefallen, sondern beispielsweise, weil Sie bei der Arbeit mit Kunden Kontakt haben. Oder weil ein Irokesenschnitt nicht der Firmenkultur entspricht. Sind in Ihrem Betrieb Anzug und Kostüm üblich, so werden auch Sie sich die zerrissenen Jeans und das bauchfreie Top für Ihre Freizeit aufsparen müssen.
Diese betrieblichen Gepflogenheiten in Bezug auf Kleidung lassen sich auch auf «Accessoires» wie Piercings, Tattoos oder Makeup übertragen.

TATTOOS
Ihre Haut gehört tatsächlich Ihnen. Das bedeutet, niemand darf Ihnen Tätowierungen verbieten. Vorgesetzte dürfen Sie allerdings darum bitten, Ihre Tattoos zu bedecken. Das kann bedeuten, dass Sie auch im Sommer lange Ärmel oder Hosen tragen müssen. Es kann sogar heissen, dass Sie ein Tattoo auf dem Handrücken mit Theaterschminke abdecken müssen. Heute provozieren Körperbeschriftungen oder -bemalungen kaum noch Konflikte. Tätowierungen sind gesellschaftlich akzeptiert. Ausnahmen machen aber beispielsweise noch manche Kantonspolizeikorps: Wer sichtbare Tattoos hat, wird gar nicht angestellt. Schliesslich gibt es bei der Polizei auch Mindeststandards für körperliche Fitness oder Grösse. Diskriminierende Bedingungen hingegen, die ihre Hautfarbe, ihr Geschlecht, die sexuelle Orientierung oder Religion betreffen, sind verboten.

PIERCINGS
Was für Tattoos gilt, gilt auch für Piercings: Gegen einen diskreten Stecker in der Nase werden die meisten Arbeitgeber nicht viel sagen. Ein dicker Ring in der Nasenscheidenwand hingegen könnte der Chefin einer trendigen Modeboutique vielleicht gefallen – am Bankschalter schätzen das Ihre Vorgesetzten kaum. Tragen Sie deshalb diskreten oder von Kleidungsstücken verdeckten Körperschmuck. Ansonsten müssen Sie damit rechnen, dass Sie die Piercings während der Arbeit entfernen müssen. Manchmal geht es bei einem Verbot nicht um das Erscheinungsbild, sondern um die Sicherheit oder die Hygiene: Fällt einer Bäckerin der Nasenstecker oder ein Ohrring in den Teig, gefährdet sie damit ihre Kundinnen und Kunden. Gefährlich sind auch Ketten oder Ringe, die sich in Maschinen

work, 6.10.2016