Der Franken ist nach wie vor 15 bis 20 Prozent überbewertet. Der Frankenschock ist nicht verdaut – entgegen gewissen Entwarnungen aus Grossbankenkreisen. Die Realität in den Firmen ist zwar unterschiedlich. Der Pharma geht es gut. Auch Teile der Maschinenindustrie machen gute Geschäfte. Doch ebenso häufig sind Firmen mit Problemen anzutreffen. Das zeigen auch die Exportstatistiken. Die Schweizer Maschinenausfuhren sind heute sogar leicht tiefer als vor 15 Jahren (nominal).

ENGPÄSSE. Bundesrat Schneider- Ammann, die Schweizerische Nationalbank (SNB) und die Wirtschaftsverbände riefen: «Die Firmen sollen mehr in die Entwicklung neuer Produkte und Prozesse investieren.» Das wollen die Betroffenen auch tun. Doch Investitionen kosten Geld. Und dieses Geld muss man zuerst auftreiben. Das ist in vielen Fällen nicht einfach. Gerade wegen des Frankenschocks leiden viele Firmen unter finanziellen Engpässen. Das zeigen auch die Umfragen der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. Die Zahl der Firmen, die in ihrer Produktion durch finanzielle Engpässe behindert sind, hat sich in den beiden grossen Aufwertungsschüben im Jahr 2010 und im Jahr 2015 mit der Aufhebung des Mindestkurses jeweils ungefähr verdoppelt. Das ist alarmierend. Denn hier geht es um finanzielle Probleme bei der täglichen Produktion. Würde man auch noch die Investitionen einbeziehen, wäre der Anteil der Firmen mit Problemen wesentlich grösser. Die Investitionsschwäche sieht man in den offiziellen Statistiken. Investitionen in Maschinen, Forschung, Computer und Software sind nach Aufhebung der Untergrenze nur schwach gestiegen.

KLARES ZIEL. Diese Probleme könnte die SNB mit einer aktiveren Geldpolitik lindern. Bereits die Ankündigung des Direktoriums, die Frankenüberbewertung aktiver zu bekämpfen, könnte helfen. Noch besser wäre es, wenn sich die SNB ein klares Ziel setzen und dieses konsequent verfolgen würde. Und sei es nur, dass die SNB in relativ kurzer Zeit eine positive Teuerung anstreben würde.


Daniel Lampart ist Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB).


work, 2.02.2017