Mit der neusten Generation von 3-D-Druckern können wir Brücken am Compi planen. Und auch gleich ausdrucken.

Die Zukunft gehört der Sonne und dem Wind. Die Fortschritte in diesen Bereichen alternativer Energieproduktion sind atemberaubend gross.
Neue Technologien brauchen in aller Regel Förderung durch den Staat. Erstens bei Forschung und Entwicklung. Zweitens beim Versuch, die Stückkosten über steigende Produktezahlen zu senken. Und drittens bei der Schaffung der richtigen Rahmenbedingungen.
Die Schweiz ist in Sachen Forschung und Entwicklung sehr gut. Das war und ist auch bei der Solarenergie so. Alle gehen davon aus, dass der in Lausanne arbeitende Chemieprofessor Michael Grätzel nächstens den Nobelpreis bekommt.
Sonst sind wir leider auf vielen Gebieten Nieten. Seit 1992, als die Schweiz Nein zum EWR-Beitritt sagte, hat Deutschland pro Kopf vier Mal mehr Solaranlagen installiert als die Schweiz. Und dies, obwohl nördlich des Rheins die Sonne weniger intensiv scheint als bei uns.
Ein Hoffnungsträger war bisher das Unternehmen Meyer Burger in Thun. Es stellte und stellt mit die besten Produktionsmaschinen für Solarzellen her. Doch der Kampf verschiedener Hersteller in diesem Bereich ist brutal. Jetzt verlegt Meyer Burger die Produktion nach China. Genauer: Meyer Burger gibt die Produktion auf und lässt die Maschinen künftig bei Dritten in China produzieren. Das Risiko von Überkapazitäten tragen die chinesischen Unterakkordanten, bei denen sich im Gegenzug viel Wissen akkumuliert.



BAUEN WIE GEDRUCKT: Mit 3-D-Druckern werden immer grössere Objekte produziert. Foto: PD

KEINE INDUSTRIEPOLITIK. China produziert dank staatlicher Förderung 80 Prozent der weltweit installierten Solarzellen. Die Meyer-Burger-Maschinen sollen dort produziert werden, wo sie danach zum Einsatz kommen. Und in China sind die Löhne tiefer als in der Schweiz. In der Schweiz verbleiben sollen im wesentlichen Forschung, Entwicklung und Marketing. Vielleicht.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist faktisch einer der sieben grössten Staatsfonds der Welt. Sie kauft Aktien von Amazon, Google, Apple & Co. Mit der Aufhebung des Frankenmindestkurses im Januar 2015 hat die SNB dem Industriestandort Schweiz geschadet. Und investiert wird in der Schweiz wenig bis nichts. Zu harter Franken, keine Industriepolitik. Deshalb findet in der Schweiz eine unnötige, schleichende Deindustrialisierung statt.

OPTIMISMUS. Wer heute in China Solarzellen oder andere Industrieprodukte bestellt, muss diese transportieren lassen. Mit dem Schiff, der Bahn oder per Luftfracht. Die Faustregel: je schneller, desto teurer. Jetzt soll sich noch einmal alles ändern. Dank 3-D-Druckern der neuesten Generation. Vorne mit dabei ist für den Kunststoffbereich das Unternehmen HP, über dessen Tintenstrahldrucker wir uns alle ärgern. Weil die Drucker fast gratis sind und die Patronen viel zu teuer.
Die Beratungsfirma Deloitte ist überzeugt, dass uns eine «digital-physische» Revolution ins Haus steht. O-Ton dieser Technikgläubigen: «Kein Sektor der globalen Wirtschaft unterzieht sich einer derart radikalen Transformation wie die zwölf Billionen Dollar grosse Produktionsindustrie.» In Holland experimentiert man bereits mit am Computer individuell gestalteten Brücken, die dann nur mehr gedruckt werden. Der 3-D-Druck-Spezialist und Optimist John Dulchinos aus San Francisco sieht deshalb eine «Renaissance der lokalen Fertigung» auf uns zukommen.
Diese Entwicklung hat viel Potential für Meyer Burger. Was kann wie vor Ort zu Weltmarktpreisen nicht nur geplant, sondern auch produziert werden? Nachdenken lohnt sich.

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LINKS ZUM THEMA:

rebrand.ly/graetzel
Den Nobelpreis für Ingenieure, den deutschen Millennium-Preis, hat Michael Grätzel bereits bekommen. Dank der von ihm erfundenen Farbstoffsolarzelle. Wann es ihm zum Nobelpreis reicht, ist für viele nur eine Frage der Zeit.

rebrand.ly/klimareport
Donald Trump hat zur Überraschung vieler den US-Klimareport nicht gestoppt und nicht verfälscht. Ursache für die steigenden Meeresspiegel sind «extrem wahrscheinlich» die menschlichen Aktivitäten. Es gibt dafür «keine alternative Erklärung». Für alle, die viel Zeit haben und gut Englisch können, hat die «New York Times» diesen 2000 Seiten umfassenden Bericht als PDF veröffentlicht. Um dem Fake-User Trump vorbeugend das Handwerk zu legen.

rebrand.ly/3D-drucker
Das deutsche «Handelsblatt» widmet den 3-D-Druckern von HP und anderen Herstellern einen spannenden Artikel.

work, 16.11.2017