Viele Leute denken bei der Digitalisierung an eine Zukunft mit Robotern und neuen, «intelligenten» Computern. Wer weiss, vielleicht werden diese tatsächlich kommen. Die grossen Veränderungen geschehen heute aber über das Internet. Das Internet beschleunigt vor allem die Internationalisierung der Wirtschaft. Besonders eindrücklich ist das beim Onlinehandel. In wenigen Jahren haben sich Zalando und Amazon als Nummer zwei und drei hinter Digitec/ Galaxus im Schweizer Onlinehandel etabliert. Zalando machte 2016 in der Schweiz einen Umsatz von schätzungsweise 534 Millionen Franken. Im laufenden Jahr dürfte der Online- Kleider- und -Schuhhändler in der Schweiz sogar den Kleiderkonzern H & M einholen und einen Marktanteil von rund 5 Prozent erreichen. Dabei beschäftigen Zalando und Amazon kaum Personal in der Schweiz. Die Schweiz wird aus Vertriebszentralen in den umliegenden Ländern beliefert. Einzig bei den Retouren gibt es neuerdings Stellen. So hat Zalando vor wenigen Tagen bekanntgegeben, dass in Arbon 100 Stellen mit einem skandalös tiefen Einstiegslohn von 16 Franken 50 pro Stunde geschaffen werden.

PREKÄR. Die Arbeitsbedingungen in den ausländischen Verteilzentralen entsprechen erst recht nicht den Schweizer Standards. Gemäss Presseberichten soll Zalando im süddeutschen Logistikzentrum in Lahr einen Einstiegslohn von 12.67 Euro pro Stunde zahlen. Bei Amazon liegt der minimale Stundenlohn nach eigenen Angaben bei 10.52 Euro. Auch um die weiteren Arbeitsbedingungen und die Mitbestimmung gibt es immer wieder Auseinandersetzungen – insbesondere bei Amazon. Vom 21. bis zum 23. November 2017, als dieser Artikel geschrieben wurde, liefen Streiks in mehreren deutschen Verteilzentren. Aus gewerkschaftlicher Sicht sind das sehr problematische Entwicklungen. Die Gewerkschaften haben viele Jahre dafür gekämpft, dass die Mindestlöhne im Detailhandel auf 4000 Franken im Monat steigen, und dabei grosse Erfolge erzielt. Wer in der Schweiz geschäften will, muss Schweizer Löhne zahlen. Das muss auch für Amazon und Zalando gelten.

Daniel Lampart ist Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB).

work, 30.11.2017