Wer glaubt, «die AHV läuft automatisch», kann im Alter eine böse Überraschung erleben. work sagt, was Sie alles wissen müssen. Von Sina Bühler | Foto: FOTOLIA

Vor einem Monat hat das Stimmvolk die Rentenreform abgelehnt. Und damit bleibt vorerst alles beim alten. Frauen werden weiterhin ein Jahr vor den Männern, also mit 64, pensioniert. Und die AHV wird nicht erhöht. Sie bleibt bei minimal 1175 Franken und maximal 2350 Franken für eine volle Rente. Das Interesse an der Altersvorsorge sollten Sie aber nicht verlieren. Es irrt , wer glaubt: «Die AHV? Das erledigt doch die Firma für mich.» Wie immer gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Grundsätzlich ist die AHV, die sogenannte erste Säule, obligatorisch für alle Personen, die hier leben und arbeiten. Und zwar vom 1. Januar nach dem 17. Geburtstag an. Die Versicherungspflicht dauert bis zum 64. Geburtstag für Frauen, bis zum 65. Geburtstag für Männer. Auch Nichterwerbstätige müssen Beiträge bezahlen, vom 20. Geburtstag an. Beitragspflichtig sind auch Grenzgängerinnen und Saisonniers für die Zeit ihrer Erwerbsarbeit in der Schweiz. Zusammen mit den AHV-Beiträgen werden auch jene an die Invalidenversicherung (IV) und an die Erwerbsersatzordnung (EO) vom Lohn abgezogen.

AUSNAHME
Es gibt eine Ausnahme zur Versicherungspflicht: Wenn Sie weniger als 2300 Franken im Jahr beim selben Arbeitgeber verdienen, dann kann die Firma auf den Abzug der AHV-Beiträge verzichten. Für Arbeitnehmende lohnt sich das aber nie, denn es sind Beiträge, die Ihnen später bei der Berechnung der Rente fehlen. Sie tun also gut daran auch bei «geringfügigen Löhnen», wie alles unter 2300 Franken heisst, einen Abzug zu verlangen. Diesen Abzug müssen Sie aber explizit einfordern. Die Auskunft «Das machen wir bei tiefen Löhnen nicht» müssen Sie keinesfalls akzeptieren. Nicht auf den Abzug verzichten können ausserdem Personen, die in Privathaushalten arbeiten, und Künstlerinnen und Künstler, die für Schulen, Radio und Fernsehen, Theater, Plattenaufnahmen und Orchester arbeiten.



HINSCHAUEN: Die AHV ist im genialen Umlageverfahren finanziert. Trotzdem lohnt es sich, sein eigenes AHV-Konto regelmässig zu kontrollieren.

ABZUG
Den Arbeitnehmenden werden die Beiträge direkt vom Lohn abgezogen und durch die Firma noch verdoppelt. Der Abzug für die AHV beträgt 8,4 Prozent des Lohnes, die Hälfte zahlen Sie, die andere Ihre Firma. Dazu kommen Abzüge von insgesamt 1,4 Prozent für die IV und von 0,45 Prozent für die EO.

NICHTERWERBSTÄTIGE
Hausfrauen und -männer, IV-Rentner oder Studierende müssen ebenfalls AHV, IV und EO-Beiträge bezahlen, auch wenn sie kein Einkommen haben. Ihre Höhe wird in Bezug zum Vermögen berechnet. Der Mindestbeitrag beträgt 478 Franken pro Jahr, der Höchstbetrag 23 900. Die genaue Tabelle finden Sie hier: www.ahv-iv.ch/p/2.03.d Achtung: Der Bund passt dies alle zwei Jahre an, das nächste Mal ist das per 1. Januar 2018 der Fall.

SELBSTÄNDIGE
Als Selbständigerwerbende zahlen Sie die gesamten Beiträge selber, es sind je nach Erwerbseinkommen und Eigenkapital zwischen 5,196 und 9,65 Prozent. Dazu kommt ein Beitrag an die Familienzulagen und Beiträge an die Verwaltung der SVA. Haben Sie einen Verlust gemacht, wird nur der Mindestbeitrag fällig.

SCHEIDUNG
Bei einer Scheidung werden die AHV-Konti gesplittet. Das heisst, beide Ehepartner müssen die Hälfte ihrer während der Ehe einbezahlten Beiträge teilen. Auch ein Ehevertrag über Gütertrennung ändert nichts daran. Sie können das Splitting auch erst bei Ihrer Pensionierung verlangen, es lohnt sich aber, dies sofort nach der Rechtsgültigkeit der Scheidung zu tun. Einerseits, weil das späte Splitting Ihren Rentenbezug verzögern kann, anderseits, weil die Erinnerung an Ihre Einzahlung da noch frischer ist. Kontrollieren Sie, dass die Beiträge korrekt verbucht sind, und überprüfen Sie auch, ob Erziehungs- und Betreuungsgutschriften korrekt eingetragen sind.

VERHEIRATETE
NICHTERWERBSTÄTIGE
Wenn Ihre Ehefrau, Ihr Ehemann oder Ihre eingetragene Partnerin beziehungsweise Partner den doppelten Mindestbeitrag in die AHV einzahlt, müssen Sie nichts zusätzlich einzahlen, falls Sie nicht erwerbstätig sind. Zurzeit sind das 956 Franken (der Mindestbeitrag ist 478 Franken). Sobald der einzahlende Partner aber pensioniert wird, müssen auch verheiratete Nichterwerbstätige selber einzahlen. Denken Sie daran, sich sofort bei der SVA anzumelden.

ERZIEHUNGS- UND BETREUUNGSGUTSCHRIFTEN
Wenn Sie Kinder (auch Adoptivkinder) haben oder sich um ein pflegebedürftiges Familienmitglied kümmern, können Sie sich Erziehungs- oder Betreuungsgutschriften anrechnen lassen. Dabei handelt es sich um ein fiktives Einkommen, das Ihnen bei der Rentenberechnung gutgeschrieben wird.
Die Gutschriften für Kinder bekommen Sie, wenn Sie das Sorgerecht haben. Liegt dies bei beiden Eltern, wird es bei Verheirateten hälftig angerechnet. Bei Geschiedenen oder Unverheirateten kommt die Aufteilung auf die Betreuungsleistung an.

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WORKTIPP

INFOS ONLINE
Wollen Sie mehr über die AHV wissen? Viele Infos finden Sie auf der Website www.ahv-iv.ch, wo es Broschüren zu jeder Lebenssituation gibt. Auch die Website der Bundeskanzlei www.ch.ch hat viele zusätzliche Informationen zur ersten Säule.

work, 2.11.2017