Bei der Rentenreform hat sich das Ständeratsmodell dank einer Koalition von SP, Grünen und Mitteparteien durchgesetzt. Das Modell beinhaltet eine Erhöhung der AHV um mindestens 70 Franken. Das soll die Kürzungen kompensieren, die wegen der Senkung des Umwandlungssatzes in der zweiten Säule zustande kommen. Zudem ist die Finanzierung der AHV bis mindestens 2030 gesichert.

GRÜNER BEREICH. Der «Tages-Anzeiger » wollte von SP-Präsident Christian Levrat wissen, ob dies genüge und nicht schon bald wieder eine Reform nötig sei. Seine Antwort: «Wir sind in dieser Hinsicht eine Ausnahme in Europa. Die anderen Länder müssen froh sein, wenn ihre Vorsorgesysteme noch bis nächstes Jahr halten.» Das ist vielleicht etwas verkürzt ausgedrückt, aber das Schweizer Rentensystem ist im Ländervergleich tatsächlich eines der stabilsten. Die Allianz-Versicherung hat kürzlich die Systeme der Altersrenten weltweit auf ihre Nachhaltigkeit hin überprüft. In ihrem Nachhaltigkeitsindex kamen Kriterien wie Altersstruktur, Anteil der Erwerbsbevölkerung, die finanziellen Reserven der Altersvorsorge und die Staatsverschuldung zur Anwendung. Die Schweiz ist im Ranking der europäischen Länder gegenüber 2014 zwar etwas zurückgefallen, befindet sich aber immer noch im oberen Drittel und im «grünen» Bereich. Die Behauptungen der Rechten, die AHV befinde sich kurz vor dem Zusammenbruch, sind also völlig fehl am Platz.
Nicht zu den Kriterien des Indexes gehört übrigens die Höhe der Leistungen, welche die Vorsorgesysteme bieten. So ist zu erklären, dass zum Beispiel Lettland vor die Schweiz zu stehen kam.

ALTERSREFORM 2020. Beurteilt werden im Nachhaltigkeitsindex auch die geplanten Reformen für die nächsten Jahre. Die Reform in der Schweiz muss im Herbst noch in der Volksabstimmung angenommen werden. Ist dies der Fall und die Finanzierung wieder auf mehrere Jahre gesichert, dürfte die Schweiz wohl wieder einige Plätze gutmachen. Wir sind gespannt auf den Index 2017.


Hans Baumann ist Ökonom und Publizist.

work, 30.03.2017