FÜR DEN HAUSGEBRAUCH: Strom mit Photovoltaikzellen im Sommer und mit den FuSystems-Windredli für den Winter. Foto: Fusystems Skywind

Wir erleben in Sachen neue erneuerbare Energien einen Umbruch, den die meisten von uns bisher nicht für möglich gehalten haben. In Deutschland werden neu Solaranlagen selbst im 10-Kilowatt- Bereich angeboten, die pro installiertes Watt Leistung nur mehr einen Franken kosten. Die Zeitschrift «Photon» testet zurzeit solche Anlagen. Für alle Freundinnen und Freunde des Dreisatzes: Mit einem Watt installierter Leistung können wir pro Jahr in halbwegs guten Lagen eine Kilowattstunde Strom produzieren. Diese kostet heute im Landesdurchschnitt gut 20 Rappen. Wer die so produzierte Energie selber nutzt, hat seine Anlage also nach sechs Jahren verzinst, amortisiert und somit bezahlt. Ohne einen Franken Subventionen.

ALLES WIRD BESSER. Dezentrale Solaranlagen werden immer billiger. Genauso wie immer grössere Flachbildschirme und immer effi zientere Wärmepumpen- Tumbler. Wenige freuen sich darüber. Weil alle etwas Angst vor Automatisierung und Rationalisierung haben. Der Grund: Die Produktivitätsfortschritte werden immer ungleicher zwischen Kapital und Arbeit verteilt. Davon profitiert zurzeit weniger die Linke als die fremdenfeindliche Rechte. Vielleicht, weil den Linken die Frechheit eines Donald Trump fehlt. Solarstrom fällt vorab im Sommer an. Logo, denn dann scheint die Sonne. Windstrom fällt vorab im Winter an. Logo, denn dann pfeift der Wind um die Hausecken und über die Dachränder. Im Gegensatz zum Solarstrom ist es dem Windstrom bisher nicht gelungen, kleine, leise, preislich halbwegs attraktive, dezentrale Anlagen zu entwickeln. Wenn nicht alles täuscht, beginnt sich dies langsam zu ändern. Viele Bikerinnen und Biker kaufen sich heute fahrbare Untersätze für nicht weniger als 6000 Franken. Für die Hälfte dieses Preises bietet das Unternehmen FuSystems SkyWind GmbH kleine Windkraftwerke für Hausdächer an. Die Zahlen dazu:
> Das in einem Stück aus Aluminium gefertigte Windrad hat einen Durchmesser von 1,5 Metern. Es soll sich relativ lautlos im Wind drehen.
> Die Nennleistung des Windrades beträgt 1 Kilowatt.
> Das Gewicht der gesamten Anlagen beträgt nicht einmal 16 Kilo. Dies einschliesslich eines in China produzierten Wechselrichters. Und eines in den USA gefertigten, mehr als leicht überdimensionierten Generators.
FuSystems hat in den letzten Jahren auch etwas Schrott produziert. In Internetforen beschweren sich Käufer von kleinen Windkraftwerken der letzten Generation. Jetzt soll alles besser sein. Noch laufen Testversuche.

WASCH- UND WINDMASCHINEN. Wie viel kostet ein Kilogramm einer deutschen Bosch-Waschmaschine, die in allen Tests der Stiftung Warentest jeweils mit am besten abschneidet? Nur mehr 15 Franken. Und dies, obwohl Waschmaschinen hochkomplexe Dinger sind. Mit viel Mechanik, Elektromotoren sowie jeder Menge Sensoren und Steuerungen. Der Grund für den tiefen Preis: Weltweit werden von einem einzigen Hersteller jeweils Millionen mehr oder minder baugleicher Waschmaschinen produziert. Deshalb kann sich auf der ganzen Welt jede und jeder zweite bereits eine eigene Waschmaschine leisten. Die Skywind-Windmaschinen kosten zurzeit noch 150 Franken pro Kilo. Und somit pro Kilo zehn Mal mehr als Waschmaschinen. Wenn Konzerne wie Bosch oder Samsung beginnen, kleine Windräder ebenso effizient zu produzieren wie Waschmaschinen, werden die Dinger mit den sich drehenden Aluminiumohren zu wahren Geldeseln. In Deutschland kann man sich Skywind ohne Baugesuch auf das Hausdach montieren. Wie sieht das in der Schweiz aus? Jede Gemeinde hat ein eigenes Baureglement. Jeder Kanton ein eigenes Baugesetz. Deshalb braucht es so viele Baujuristen. Wir bleiben dran und werden uns nächstens mal so ein Ding auf das Dach schrauben.

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work, 2.02.2017